Dienstag, 4. Dezember 2018

Skandal - Kein Sex beim ersten Date !

?? Bin ich noch normal ??


Eine Frage, die ich mir schon häufiger gestellt habe...

Wikipedia erklärt Normalität so:
"Normalität bezeichnet in der Soziologie das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen. Es wird durch Erziehung und Sozialisation vermittelt."

Auslöser für meine Frage an mich selbst war eine Geschichte, die mir mein Freund unbedarft erzählt hat. Es ging um das erste Treffen mit meinem Vorgänger. Dieses erste Treffen schien so abgelaufen zu sein, wie man es von vielen Filmen im Fernsehen kennt:Zwei Menschen verlieben sich. Sie küssen sich das erste Mal, reißen sich zeitgleich, und hemmungslos die Klamotten vom Leib, und vögeln sich stundenlang in Extase. Als Zuschauer sieht man in der Regel natürlich nur die Szenen, wo beide noch halbwegs angezogen sind, und später, wenn sie im Bett liegen, und sich mit verträumten Blicken sacht streichelnd liebe Worte zuflüstern. Die perfekte Metamorphose also von geistiger & körperlicher Liebe, entstanden beim ersten körperlichen Zusammentreffen. Das scheint die Norm zu sein, und so hat es abzulaufen.

...mir ist so etwas fast noch nie passiert - komisch. Entspreche ich also nicht der "Norm"?

Mittwoch, 29. August 2018

Midlife-Crises, die 28.: eine weitere Zwischenbilanz

Viel hat sich die letzten Jahre getan, vor allem aber im letzten halben Jahr. Ich habe etliche Dinge in Angriff genommen, die ich schon immer mal machen wollte. Ich war in Berlin auf zwei Bärenparties, und habe neue, liebe Menschen in anderen Teilen Deutschlands kennenlernen dürfen. Ich habe einen neuen Freund (!!). Ich fahre jetzt Motorrad. Ich ernte eigene Tomaten im Garten - unerfüllte Bedürfnisse, die in mir geschlummert haben, und die Jahrzehnte zuvor unentdeckt, unter dem Mantel des vernunftbetonten Alltagstrotts begraben, oder durch meine geistige Schonhaltung in weiter Ferne zu sein schienen. Und dann wäre da noch diese unglaubliche Lethargie, die sich über mein Wesen gelegt hat, und die verhindert, daß ich mich zu Arbeiten aufraffe, die mir die Jahre zuvor immer eine gewisse Art von geistiger Befriedigung gegeben haben.
Ehrlich gesagt komme ich mir entgegen meinem Aussagen in dem Thread "Die Wahrheit über die Midlife-Crises" doch stellenweise ein bißchen so vor wie Kevin Spacey in dem hervorragenden Film american beauty. Komisch! Ob es wohl jedem Mann in meinem Alter so geht?

Montag, 13. August 2018

Oooooh meeeiiin Gooooott !!

...ja, er schreibt wieder. Dieses Mal einmal mehr ein eher abgefahrenes Thema, nämlich über:

Die Kirche, Glauben, und was das mit mir zu tun hat.

Zugegeben: Ein sehr religiöser Mensch war ich bisher nicht. Und das als Bayer! Dem Bundesland, das so katholisch ist, daß selbst der Vatikan neidisch wird. Dabei hatte alles so gut begonnen...

Meine Eltern sind römisch-katholisch, allerdings nicht so, wie man es von Bayern erwarten würde. Mein Freund bezeichnet Katholiken wie meine Eltern als "Sateliten-Katholiken" - sie umkreisen ihren Glaubenmittelpunkt Kirche zwar oft, sind aber nur selten zu sehen. Katholiken also, die, wie ein stilles Mitglied eines Fußball-Vereins, zwar regelmäßig Geld spenden, sonst aber nur sehr vereinzelt einem Spiel ihrer Mannschaft beiwohnen. Nichts desto trotz wurden alle Sprößlinge meiner Eltern zu Katholiken getauft - mich inbegriffen. Meine Eintrittskarte in die katholische Kirche.

Freitag, 27. April 2018

Troubleshooter´s desaster - das unlösbare Problem

Ein ehemaliger Freund hat mich vor langer Zeit als einen Mensch beschrieben, der "sehr lösungsorientiert" sei. Das ich mich bei dem Versuch ein Problem zu lösen zur Gänze verausgaben, und mich festbeißen würde, und deshalb solange an einer Sache herum doktore, bis ich dieses Problem zu meiner Zufriedenheit gelöst hätte.

Ich wäre ein "Troubleshooter" hat er gemeint.


Ein Fremdwörterlexikon im Internet beschreibt es so:
Trou|b|le|shoo|ter
[trʌ̣blʃu:tə(r)] m.; s,
jmd., der versucht, Probleme (z. B. bei Maschinen) zu lösen od. in Konfliktsituationen zu vermitteln
[engl., »Störungssucher«]

Ich denke, er hat recht. Das ist mir in den letzten Jahren erst so richtig bewußt geworden.

Viele werden sich jetzt denken, daß dies eine Eigenschaft ist, die einem im Leben weiterbringt. Das ist richtig - zum Teil. Denn diejenigen, die von dieser, meiner charakterlichen Eigenschaft profitieren, sind oft andere Menschen. Gut, ich gebe zu: Auch ich habe durch meine Hartnäckigkeit viele Dinge erreicht, die andere vermutlich nicht erreicht hätten. Ich werde in meiner Firma auf Grund meines Ideenreichtums geschätzt, und wurde wegen meiner Gabe, für schwierige Probleme unkonventionelle Lösungen zu finden schon als "Mc Gywer der Werkstatt" bezeichnet. Das ehrt mich. Ich fühle mich stolz, daß ich diese Gabe besitze. Und dennoch hat diese Gabe auch eine Schattenseite, die sich für mich als nicht unerheblich herausgestellt hat.

Ich besitze nicht die Fähigkeit, loslassen zu können.


Donnerstag, 19. April 2018

Schwule Dating-Apps: Ein Resumee


Kaum eine andere Sache hat uns in der heutigen Zeit so geprägt wie das Internet. Gerade auch, was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft. Die Partnersuche wurde grundlegend revolutioniert, optimiert, und vereinfacht.
Vorbei scheinen die Zeiten, wo man sich als schwuler Mann auf zugigen Autobahn-Parkplätzen, oder übelriechenden Toiletten herumtreiben mußte. Kein anstrengender Abend in einer Kneipe, nur um dort vielleicht den Mann seines Lebens kennen zu lernen. Einfach zu Hause auf der Couch herumlümmeln, vielleicht bei einem guten Glas Rotwein, oder einem leckeren Abendessen, und nebenbei aus dem Quelle-Katalog für homosexuelle Männer das Passende aussuchen, bestellen, anprobieren, und bei Bedarf behalten, oder zurückschicken. Es scheint so einfach zu sein. So unkompliziert. Nach etlichen Jahren auf solchen Seiten muß ich jedoch zugeben: Der Schein trügt....

Mittwoch, 14. März 2018

Der perfekte Tag - reloaded !


...ja, ich weiß: Ich bin Euch noch was schuldig...

In meinem Thread "Der perfekte Tag" hatte ich mich mit einer Fragestellung beschäftigt, die mir von meiner Therapeutin auf´s Auge gedrückt worden ist. Wie der Titel schon sagt, sollte ich mir überlegen, wie ein perfekter Tag bei mir aussehen könnte, und ich sollte diesen auf Papier bannen. Dieses Unterfangen war zu diesem Zeitpunkt für mich fast nicht durchführbar, so tief war ich damals in meinen duklen Gedankenwolken vergraben.

In der Zwischenzeit hat sich vieles verändert. Sehr vieles. Mein bisheriges, sehr negatives Selbstbild hat sich gewandelt. Meine Selbstreflektion ist nun in vielen Teilen positiv. Ja, man könnte auch sagen: Ich mag mich wieder, und zwar so wie ich bin. Ich akzeptiere, daß ich nicht perfekt bin. Niemand ist perfekt! Ich realisiere, daß ich zwar schwul bin, aber dennoch nicht von allen Menschen deswegen abgelehnt werde. Das Stigma, daß mir in meiner Kindheit angezogen worden ist, löst sich langsam von mir.
Es hat lange gebraucht, um aus dem tiefen Loch zu steigen, in dem ich mich über 3 Jahre befunden habe. Zurückblickend muß ich sagen, daß ich es ohne fremde Hilfe nicht geschafft hätte, mich aus meinem eigenen, geistigen Grab zu befreien. Für alle, die damit beginnen, diesen Weg zu beschreiten sei gesagt, daß einem dieses Geschenk einer neuen, positiven Selbstreflektion nicht kostenlos unter den Weihnachtsbaum gelegt wird. Es macht Arbeit, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Es ist jedoch sehr interessant, und vor allem lohnt es sich!

Montag, 5. März 2018

Die Wahrheit über die Midlife Crises

Kri̱·se
Substantiv [die]
Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Lage, entscheidender Abschnitt einer schwierigen Situation.


...okay, dann laß mich mal nachsehen...

Du bist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Hast einen Beruf, ein schönes Zuhause, in dem ein Partner/in mit Dir zusammen lebt. Vielleicht habt Ihr Kinder. Vielleicht auch eine Katze. Jeder der Dich zu kennen glaubt, denkt, Du bist am Ziel.

Doch unverhofft stellst Du alles in Frage, denn Du bist nicht zufrieden. Nicht mit Deinem Leben. Nicht mit Deinem Job. Nicht mit Deinem Partner. Nicht mit Deiner Freizeitgestaltung. Nicht mit Deinem Liebesleben. Oder mit Teilen davon.

Du bist verwirrt, und suchst Rat im Internet. Findest dort unzählige Artikel die beschreiben, wieso Du plötzlich so anders denkst als vorher.
Das was Du hast nennt sich angeblich "Midlife-Crises". Diese Floskel, die Du schon so oft gehört hast. In Deinem Kopf erscheint ein Bild: Du siehst einen alten, grauhaarigen, notgeilen, und schmierigen Sack, der hinter dem Steuer eines roten Porsche-Cabrio sitzt. Auf dem Beifahrersitz neben ihm sitzt eine sehr, sehr junge Frau mit langen, blonden Haaren. Sie freut sich so über Ihren am Steuer des Wagens sitzenden Freund, daß sie das den Leuten auf der Straße durch leicht hysterisches Lachen mitteilen muß, während die beiden bei lauter Musik durch den Ort schleichen.

Du vergleichst Dich mit dem Opa in Deinem Kopf, und stellst erleichtert fest, daß Du mit ihm nicht die Spur einer Gemeinsamkeit hast. Doch keine Midlife-Crises?