Die Kirche, Glauben, und was das mit mir zu tun hat.
Zugegeben: Ein sehr religiöser Mensch war ich bisher nicht. Und das als Bayer! Dem Bundesland, das so katholisch ist, daß selbst der Vatikan neidisch wird. Dabei hatte alles so gut begonnen...
Meine Eltern sind römisch-katholisch, allerdings nicht so, wie man es von Bayern erwarten würde. Mein Freund bezeichnet Katholiken wie meine Eltern als "Sateliten-Katholiken" - sie umkreisen ihren Glaubenmittelpunkt Kirche zwar oft, sind aber nur selten zu sehen. Katholiken also, die, wie ein stilles Mitglied eines Fußball-Vereins, zwar regelmäßig Geld spenden, sonst aber nur sehr vereinzelt einem Spiel ihrer Mannschaft beiwohnen. Nichts desto trotz wurden alle Sprößlinge meiner Eltern zu Katholiken getauft - mich inbegriffen. Meine Eintrittskarte in die katholische Kirche.
Als Kind habe ich die Streckenpunkte eines katholischen Kindes abgelaufen: Ich hatte Religionsunterricht in der Schule, bekam die heilige Kommunion, wurde später gefirmt, und war ab diesem Zeitpunkt ein fertig entwickelter, halbwegs erwachsener katholischer Christ. Ähnlich meiner Eltern war ich passives Mitglied im katholischen Verein - doch daß nicht nur nach außen hin.
Obwohl mir seit meiner Geburt der Glaube "beigebracht" worden ist habe ich ihn nie richtig verinnerlicht. Das jedoch nicht aus einer Abneigungshaltung, oder aus Arroganz heraus. Ganz im Gegenteil: Ich stand der Tatsache, daß da jemand ist der für einen sorgt, immer sehr aufgeschlossen gegenüber. Dieser "Jemand" war für mich allerdings im Gegensatz zu offenkundig sehr religiösen Menschen immer ein difuser, nicht genau festzumachender, und nebulöser, unsichbarer Freund, der so weit von mir weg zu sein schien, daß man ihn leicht aus den Augen verlieren kann. Wenn ich ehrlich ein soll, kann ich ihn in der Zwischenzeit schlechter sehen, als Stevie Wonder die Tasten seines Klaviers, was ich nebenbei bemerkt sehr schade finde (...also...nicht die Sache mit Stevie Wonder...😌).
Warum das so ist weiß ich nicht. Ich war schon immer ein Mann war, der sich über alles mögliche Gedanken gemacht, und Dinge hinterfragt hat. Der die wenigsten Geschehnisse einfach als "Gott gegeben" angesehen hat. Ich werde oft von meinem Optimierungs-Wahn getrieben, während religiöse Freunde von mir mich einfach nur als mißtrauisch deklarieren. Der Gedanke, daß Dinge in meinem Leben von einer unsichtbaren Macht vorbestimmt, und fremdgesteuert sind, ist mir suspekt. Ich bin greifbaren, belegbaren, und für mich nachvollziehbaren Fakten hingegen aufgeschlossen. So funktioniert "Glauben" aber leider nicht.
Die Initialzündung von "Glauben" stelle ich mir als einen "Aha-Effekt" vor. Beispiel: Man versucht ein technisches Problem, oder eine mathematische Aufgabe zu lösen. Nach langem, langem Grübeln fällt plötzlich der Groschen. Man findet die Lösung des Problems, und stellt sich im nachhinein die Frage, warum man auf diese einfache Lösung die Stunden vorher nie gekommen ist.
Ist es tatsächlich so? Funktioniert "Glauben" so?
Dabei beneide ich Menschen, die an etwas glauben. Es muß schön sein, selbst in dunkelster Stunde eigene, und fremde Schicksalsschläge mit der Gewissheit verarbeiten zu können, daß der liebe Gott einen Plan bei der Durchführung eines menschlichen Debakels hatte. Man sich als kleines Nichts den göttlichen Weichenstellungen fügen, und diese ertragen muß, weil man weiß, daß man irgendwann einmal erfahren wird, warum alles in seinem Leben so kommen mußte, wie es eingetreten ist.
Was immer auch der Grund für meine Distanz zum Glauben ist: Die Folge meines schwachen Glaubens + einer von außen vorgegebenen, allgemeinen Meinung über die "schlimme, katholische Kirche" haben dann zu einem eher finanziell ausgelösten Kirchenaustritt meinerseits geführt.
Wie viele Menschen bin ich bis vor kurzem noch davon ausgegangen, daß "die Kirche" nur so in Geld schwimmt, mit Immbillien handelt, an der Börse zockt, und Condom-Fabriken unterhält.
Das jedoch die Kohle aus der Kirchensteuer fast gänzlich zur Finanzierung von Kindergärten, sozialen Projekten in den jeweiligen Gemeinden, und dem Wohle der Bürger allgemein zugute kommt, war mir bis vor ein paar Monaten unbekannt. Ebenfalls ist mir bis vor einiger Zeit nie aufgefallen, daß viele unserer gesellschaftlichen, und moralischen Werte in unserer zivilisierten Welt, wie Mitgefühl, Hilfbereitschaft, gegenseitiger Respekt, und vieles andere mehr auf den Verhaltensregeln fußt, die gläubigen Christen während ihrer Erziehung mit auf den Weg gegeben werden.
Eigentlich würde ich aus diesen Gründen gerne wieder eintreten...aber ein Kircheneintritt nur aus schlechtem Gewissen? Wegen Geld? In der Kirche zu sein hat doch ausschließlich etwas mit "glauben" zu tun, und nicht mit so profanen Dingen wie Geld! Eine Zwickmühle.
(Dazu noch eine kleine Randbemerkung von mir, ein Tipp an die Jungs der public relations - Abteilung der Diozösen: Wer nicht wirbt, der stirbt! Ein wenig positive Publicity könnte den regulären Kirchen nicht schaden, und diesbezüglich wäre meines Wissens genug Material vorhanden, daß man nur noch über der Gesellschaft ausschütten müßte. Dann wären die Sache mit den schwindenden Mitgliederzahlen, und auch mit den Nachwuchsproblemen evtl. nicht so groß, wie sie momentan sind. Aber das mal nur so nebenbei..)
Gibt es einen Weg zurück, bzw. einen Neustart?
Manche Menschen finden zu Gott durch einen Schicksalsschlag, aus Not & Elend, aus Hoffnungslosigkeit, aus Angst vor einer schlimmen Zukunft, oder aus Dankbarkeit über ein geschehenes, privates Wunder.
Dabei haben mich persönlich Schicksalsschläge eher von Gott entfernt, und "Wunder" habe ich bisher immer als glückliche Fügung gesehen.
Vielleicht geht es mir ja so, wie vielen anderen Menschen, die dann wieder zu Gott finden, wenn sie alt (...also richtig alt 😉 ...) werden. Wenn man sich mit dem eigenen Dahinscheiden beschäftigt. Wenn einen die Angst packt, man selbst könnte nur ein durch Zufall entstandener, und durch biologische Umstände zusammengehaltener, zeitlich begrenzter Zellhaufen sein, und der wertvolle Charakter, den man sich in Jahrzehnten mühsam erarbeitet hat, könnte nach dem eigenen Tod einfach im Nichts verpuffen. Das man vergessen wird wie die Menschen, die bereits lange vor einem gegangen sind, und von einem nichts mehr zurückbleibt, als ein paar schäbige Knochen. Oder daß man alles lieb gewonnene zurücklassen muß, und sich in eine unbekannte, furchteinflössende, und körperlose Zukunft verabschiedet, fernab von allem bisher gekannten. Da wäre es doch schön zu wissen, daß da jemand auf der anderen Seite wartet, und einen an der Hand nimmt, oder?
Wie es kommen wird, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob es einen Himmel, oder einen Hölle gibt, und man tatäschlich nach dem Tod mit dem Aufzug aufwärts, oder abwärts fährt. Ich weiß nicht, ob das Licht, daß angeblich schon so viele nach dem klinischen Tod gesehen haben, tatsächlich die Landelichter des Himmels sind, oder einfach nur ein letztes Aufblinken von ein paar Synapsen im absterbenden Gehirn.
Ich weiß nicht, ob der "liebe Gott" bei meinem erscheinen zu mir sagt: "...mei Bua, jetzt hast Dich so lange nicht um mich gekümmert, jetzt brauchst a nimmer daher kommen mit Deiner aufgesetzten Frömmigkeit!" (...in dem Fall muß ich ehrlich zugeben: Das würde mir schon sehr stinken!)
Aber wer weiß...vielleicht kommt mein Glauben auch ganz einfach, und unerwartet zurück - oder er hält sich bis zum Ende von mir fern. Ich werde es live, und in Farbe mitbekommen, und bin schon sehr gespannt darauf zu sehen, wie sich das entwickelt.

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