Freitag, 27. April 2018

Troubleshooter´s desaster - das unlösbare Problem

Ein ehemaliger Freund hat mich vor langer Zeit als einen Mensch beschrieben, der "sehr lösungsorientiert" sei. Das ich mich bei dem Versuch ein Problem zu lösen zur Gänze verausgaben, und mich festbeißen würde, und deshalb solange an einer Sache herum doktore, bis ich dieses Problem zu meiner Zufriedenheit gelöst hätte.

Ich wäre ein "Troubleshooter" hat er gemeint.


Ein Fremdwörterlexikon im Internet beschreibt es so:
Trou|b|le|shoo|ter
[trʌ̣blʃu:tə(r)] m.; s,
jmd., der versucht, Probleme (z. B. bei Maschinen) zu lösen od. in Konfliktsituationen zu vermitteln
[engl., »Störungssucher«]

Ich denke, er hat recht. Das ist mir in den letzten Jahren erst so richtig bewußt geworden.

Viele werden sich jetzt denken, daß dies eine Eigenschaft ist, die einem im Leben weiterbringt. Das ist richtig - zum Teil. Denn diejenigen, die von dieser, meiner charakterlichen Eigenschaft profitieren, sind oft andere Menschen. Gut, ich gebe zu: Auch ich habe durch meine Hartnäckigkeit viele Dinge erreicht, die andere vermutlich nicht erreicht hätten. Ich werde in meiner Firma auf Grund meines Ideenreichtums geschätzt, und wurde wegen meiner Gabe, für schwierige Probleme unkonventionelle Lösungen zu finden schon als "Mc Gywer der Werkstatt" bezeichnet. Das ehrt mich. Ich fühle mich stolz, daß ich diese Gabe besitze. Und dennoch hat diese Gabe auch eine Schattenseite, die sich für mich als nicht unerheblich herausgestellt hat.

Ich besitze nicht die Fähigkeit, loslassen zu können.


Wer sich jetzt denkt, loslassen ist doch easy. Selbst wenn man es nicht kann...so what?
Doch ihr irrt Euch! Es ist so verdammt wichtig, auch manche Dinge einfach auf sich beruhen lassen zu können. Ein Problem einfach als unlösbar annehmen zu können, ohne sich selbst Tage, oder Monate danach immer wieder zu fragen, wie man es hätte schaffen können, diesen Knoten zu lösen.

Konkrekt ist mir das wieder aufgefallen, als ich versucht habe, meinen neuen Freund zu vögeln (ja, ihr habt richtig gelesen...).

Das Problem an der Sache hat sich wohl im Laufe meines Lebens entwickelt. Ich war ein, wie ich jetzt weiß, wohl sehr spätberufener, schwuler Mann, da ich erst mit ca. 20 meinen ersten, richtigen schwulen Sex hatte. Analverkehr war mir tatsächlich bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Ganz im Gegenteil: Ich hätte damals nie gedacht, das es wirklich geht, einen Penis in ein Arschloch zu stecken, ganz zu schweigen davon, daß ich geglaubt hätte, daß es demjenigen Spaß macht, sich so pentrieren zu lassen.
Aufgeklärt wurde ich in diesem, späten Alter von meinem ersten, damaligen Freund. Weder bei ihm, noch bei den weiteren Freunden wurde ich in Punkto "anale Penetration" gefördert, bzw. gefordert. Ich selbst hatte auch nie das Verlangen danch. Es gab so viele andere tolle Dinge, die zwei Männer zusammen im Bett anstellen konnten. Diese Tätigkeit wurde von mir einfach nicht abgefragt, womit mein Fähigkeit für diese Technik nie geschult worden ist.
Heute weiß ich, daß "Ficken" für die meisten schwulen Männer zum Standart-Repertoire gehört, und als die "Königsdisziplin" abrufbar sein muß, wenn man als richtiger schwuler Mann wahrgenommen werden will.
Ich würde gerne so wahrgenommen werden - aber es scheint bei mir nicht mehr zu funktionieren. Entweder, weil es mich einfach nicht anmacht, oder, weil ich es in meiner omnipotenten Zeit als junger Erwachsener einfach nicht gelernt habe.

Dieser Tatsache gegenwirkend habe ich, abgesehen von kurzen Affairen, bei meinen letzten 4 Freunden das große Los gezogen, und mit jedem von ihnen einen Mann erwischt, der ganz scharf drauf war, sich von mir ficken zu lassen. Murphy´s law - wieder einmal. Der Typ geht mir langsam auf die Nüsse...
Meine Angst, den aktuellen Freund deswegen irgendwann zu verlieren, bzw. auch meine Wut auf mich selbst, weil ich in dieser Sache so makelbehaftet bin, hat mir in den letzten Beziehungen in diesem Punkt immer wundervolle, erektile Dysfunktionen beschert, die ich auch zukünftig nicht los zu werden scheine. Körperlich scheine ich zu funktionieren. Geistig offenbar nicht.

Da ist er wieder: Mein Drang zur Perfektion. Mein Wunsch, ein guter Liebhaber zu sein, läßt meine Erregung samt Ständer innerhalb weniger Sekunden verschwinden.
Doch kein Problem. Ich bin doch der Problemlöser! Glaubt mir, ich habe bzgl. dieses Problems schon fast alles ausprobiert. Seien es mechanische Hilfmittel, Medikamente, oder Arztbesuche. Doch dieses Problem kann ich nicht einfach lösen wie einen Defekt an einer Maschine. Ich habe versucht, zu analysieren, was in mir vorgeht, und habe Strategien entwickelt, um diese Sache in den Griff zu bekommen. Doch es will nicht klappen. Und mit jedem erfolglosen Versuch, mit jedem mißglückten Anlauf, meinen Freund das zu geben, was er will, wird die Sache weniger erfolgsversprechend.
Ein Problem, für das ich keinen Lösung finde. Dem Troubleshooter geht die Munition aus. Weder ein scharfer Intellekt, noch handwerkliches Geschick, oder einfach nur Glück im richtigen Moment kann mir da weiterhelfen.

...verdammt! Wäre ich doch nur gelassener...

Jemand, der nicht so beschissen lösungsorientiert ist, würde sich vermutlich sagen:
"...naja, geht halt momentan nicht. Also scheiß drauf! Und wenn´s gar nie gehen wird - scheiß ebenfalls drauf! Wenn der andere damit nicht klar kommt - scheiß gleich nochmal drauf! "

Und was mache ich? Ich durchsuche das Internet, immer in der Hoffnung, doch noch "DIE" Lösung für dieses, mein Problem zu finden. Ich will nicht aufgeben! Ich ärgere mich über mich selbst. Darüber, daß ich hier vor einem Problem stehe, daß mir frech ins Gesicht grinst, weil es weiß, daß ich es nie zu fassen bekomme, damit ich ihm seinen Hals umdrehen kann!

Das einzige, was mir noch bleibt, ist zu versuchen, mich damit abzufinden. Damit, daß es Dinge gibt, die ich nicht verändern kann. Ich arbeite an mir, diese Gelassenheit zu finden, und Ruhe in meinem Gehirn einkehren zu lassen. Oft klappt es schon. Aber genauso oft, klopft auch wieder ein nerviger Typ namens "Hoffnung" bei mir im Kopf an, schimpft mich einen deinteressieren, faulen Looser, und stachelt mich an, meinen Arsch hoch zu bekommen, um weiter zu buddeln, und den wunderbaren Schatz der Erkenntnis doch endlich auszugraben.

Es nervt! Ich möchte aufgeben können! Werde ich es jemals schaffen, so gelassen zu sein? Oder ist es einfach so, daß es Menschen gibt wie mich, für die es fast unmöglich zu sein scheint, einfach ein Thema abzuhaken, ohne es erledigt zu haben? Womöglich ist es so...

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