Dienstag, 1. November 2016

Das Gesundheits - Roulette

Ein wenig schwere Kost am Allerheiligen-Tag. Das paßt ja irgendwie...

Alles was lebt, stirbt irgendwann einmal. So ist es von der Natur vorgesehen, und nicht änderbar. Jedes Lebewesen auf diesem Planeten hat jedoch einen angeborenen Trieb, nicht in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Sogar Insekten, die laut Wissenschaft oft nur durch ein paar Nervenzellen gesteuert werden, erkennen Gefahr, und treten beim Auftreten dieser die Flucht an, oder gehen in einen Verteidigungsmodus. Das ist wirklich erstaunlich, nicht wahr?

Auch wir Menschen, die sog. Perle der Schöpfung, tragen diese Angst in uns. Die Angst, zu sterben. Als letzten Schutzmechanismus haben wir denkenden Säugetiere uns eine Mauer aus Religionen und esoterischen Lehren aufgebaut, die die Angst vor dem Tod ein wenig abdämpfen soll. Ich glaube das sogar überzeugte Atheisten auf dem Sterbebett ein Gebet zu einem Gott schicken, in der Hoffnung, daß das nicht das Ende ihres Seins ist. Sondern das jemand für sie da ist, wenn die Seele den Körper verläßt, und man in eine andere Welt übertritt.



Nüchtern, und wissenschaftlich betrachtet, gibt es keine Beweise dafür, daß wir nach unserem Tod tatsächlich neue Bewohner des "Himmels", oder der "Hölle" werden. Sobald das Licht des Lebens aus unserem Antlitz verschwunden ist, dient unser Körper nur noch als Nahrung für im Boden lebende Insekten. Schön zu wissen, das selbst wenn man sein ganzes Leben nur damit verbracht hat, anderen den Sauerstoff weg zu atmen, man abschließend zumindest ein paar Lebewesen einen leckeren Snack zukommen lassen kann. Bäääh! Widerlich! Zum Glück gibt´s auch noch Feuerbestattungen.

Wie ich auf dieses düstere Thema komme?

Vor kurzem habe ich mir eine Reportage im Fernsehen angesehen. Es ging um Feinstaub. Naiv wie ich bin, bin ich, wie vermutlich die meisten anderen Menschen auch, davon ausgegangen, daß der böse, böse Feinstaub nur in der Luft von chinesischen Großstädten die Lungen der dort lebenden Bevölkerung schädigt. Okay, ich kann mir auch vorstellen, daß es bei uns in Großstädten mit viel Verkehr, und Industrie erhöhte Feinstaubbelastungen geben kann. Der schlimme Finger Dieselmotor ist da wohl einer der Hauptverursacher. Zumindest dann, wenn man den Berichten der Presse glauben schenkt.
Das allerdings auch Feinstaub auf dem Land vorkommt, war mir neu. Gemessen wurde in der Reportage in einer Gegend, die man optisch nur als Idylle bezeichnen kann. Dicke Kühe grasten auf einer satt-grünen Wiese, die Sonne lachte, und unter leichtem Wind bogen sich die Blumen auf den Feldern. Ein Landhaus-Stilleben. Der Traum der jungen Großstadt-Familie.
Doch selbst hier, irgendwo im nirgendwo, konnte man Feinstaub messen. Erzeugt durch die Rindviecher, die Bodenbearbeitung der Landwirte, und durch Spritzmittel, das vom Wind kilometerweit über die Prärie geblasen wird. Kurios!

Nicht mal auf dem Land ist man sicher. Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf. Und ich habe damit begonnen, die Dinge mal zu summieren, die uns nach dem Leben trachten. Da kommt ganz schön was zusammen:
Radioaktive Belastung durch Tschernobyl. Gäbe es das nicht, hätten wir auch noch die Erdstrahlung, UV-Licht der Sonne, und den Handy-Datenverkehr, mit denen wir beschossen werden. Strahlung kommt auch Dank des Verzehrs von Wild und Pilzen, sowie Waldbeeren in unsere Körper. Diesen schädigen wir von innen auch noch mit Transfetten, Akrylamid von den Pommes, und Bratkartoffeln, und natürlich durch den anderen ganzen Mist, der durch die industrielle Fertigung unseres Essen vorhanden ist. Wie beispielsweise Weichmacher, und sonstige Kunststoffrückstände, Schwermetalle, und andere Krebserregende Substanzen. Apropos Krebserregend: Auch das Nitrat im Grundwasser, das sich im menschlichen Körper zu Nitrit wandelt, ist so ein Stoff. Doch nitratfreies Wasser ist mir nicht bekannt. Euch?
Schadstoffe in unserer Kleidung. Schadstoffe in unserem Essen. Schadstoffe in der Luft. Schadstoffe im Wasser. In Baumaterialien, aus denen unsere Wohnungen gemacht sind. Elektrosmog.
Aber das reicht natürlich noch nicht. Wir haben ja auch noch ein buntes Potpourri aus Bakterien, und Viren, die uns nach dem Leben trachten. Zumindest die Heteros dürfen sich freuen, denn das schlimme Aids bekommen ja nur wir Schwulen (Vorsicht! Sarkasmus-Alarm!).

Eigentlich ganz schön heftig, wenn man das so liest. Ich bin mir sicher, ich habe bei weitem noch nicht alles aufgezählt. Wenn man sich das so überlegt, dann ist es wirklich erstaunlich, daß wir alle nicht augenblicklich tot umfallen, findet ihr nicht?
Ich muß da immer an einen Ausbilder denken, denn ich mal bei einem Lehrgang für Schweißtechnik hatte. Er sagte uns am Beginn des Kurses, das man am Ende des Kurses, also nach einer Woche, bestimmt bei uns im Urin, und im Blut Schadstoffe finden würde, die aus der Arbeit des Metall-schweißens resultieren. Er beruhigte uns aber dann mit den Worten:


"...ihr braucht´s aber keine Angst haben. So a Mensch, der hält schon a bisserl was aus..."

Ihr werdet es mir vielleicht nicht glauben, aber genau das denke ich zwischenzeitlich auch. Klar gibt es genug "Schlimmi-schlimmi-Sachen", die uns umgeben, und die nicht gerade förderlich sind, für unsere Gesundheit. Da man aber sowieso keine Chance hat, allen diesen Dingen tatsächlich aus dem Weg zu gehen, ohne sich alle anerzogenen Genüsse des Lebens zu verwehren, sollte man die Sache vielleicht ja ein wenig gelassener Betrachten. Vielleicht sollte uns nicht jede Meldung, die uns in Fernseh-Reportagen, oder in Zeitungsartikeln, präsentiert wird, gleich in hysterischen Aktionismus ausbrechen lassen. Vielleicht kommt unser Körper tatsächlich mit vielen der uns umgebenden Einflüssen besser zurecht, als wir es vorhersehen können.

Wenn man sich die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland von früher ansieht, bekommt man erstaunliche Zahlen zu lesen. Auf einer Seite im Internet konnte ich einer Grafik entnehmen, daß sich die Lebenserwartung der Menschen hier im Land vom Jahre 1900 bis zum Jahr 2000 um ca. 30 Jahre erhöht hat. Und es ist kein Ende in Sicht. Die Menschen werden immer älter. Im Gegensatz dazu wird gefühlt aber das Thema "alte Menschen", oder "Tod" von unserer Gesellschaft immer mehr ausgeblendet. Was nicht verwunderlich ist. Keiner möchte "alt" sein. Keine möchte sterben müssen. Und nur wenige haben den Drang, sich mit alten Menschen, und Sterbenden auseinander zu setzen. Siehe Pflegekräfte-Mangel.
Richtig bewußt geworden ist mir das erst seit meine Eltern den 80er überschritten haben, und nun auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind. Erst jetzt beginne ich damit, mich mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Erst jetzt, wo ich mich auch schon auf die 50 zu bewege. Eigentlich viel zu spät!

Zusammenfassend denke ich, daß man auch trotz eines absolut gesunden Lebensstils nicht davor gefeit ist, früher ins Gras zu beißen. Ich denke auch, daß wir vielleicht mit dem Thema Tod ein wenig gechillter umgehen sollten. Uns auch mehr mit alten Menschen beschäftigen sollten, um aus der daraus resultierenden Situation zu lernen. Uns damit anfreunden sollten, daß wir trotz aller Bemühungen nicht ewig leben werden. Und das ein langes Leben auch kein Garant dafür ist, das es zum Schluß hin nicht in einem Fiasko enden kann, bei dem man sich sogar ein erlösendes Ende herbei wünschen würde.

Denkt mal drüber nach, wenn ihr Euch das nächste Mal ein leckeres Essen, ein Bierchen, oder was Süßes verkneift.



Foto im Text:
Florian Furtner, "Boandlkramer"
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

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