Ich bin beziehungserprobt. Denke ich zumindest. Ich denke es deswegen, da ich, seit dem ich im gebärfähigen Alter bin, offensichtlich von einer Beziehung in die Nächste stolpere. Ein richtiger Freund von ONS (One-Night-Stands) war ich eigentlich nie. Abgesehen vielleicht von den wenigen Ausnahmen, in der meine Vernunft von den Hormonen in meinen Körper besiegt worden ist. Ich habe stets nach der großen Liebe gesucht. Nach dem idealen Mix aus geilem Sex, Vertrautheit, Geborgenheit, Sicherheit, Verständnis, und Liebe. Die Suche nach Mr. Perfect.Außer mir suchen auch noch ein paar Millionen andere Menschen nach diesem Typ. Auch wenn es Männer gibt, denen eine Beziehung zu anstrengend ist, die lieber alleine bleiben wollen, und denen Sex pur als zwischenmenschlicher Kontakt genügt, denke ich, daß doch der überwiegende Teil der Männer gerade im reiferen Alter auf der Suche nach jemanden ist, der die unvollständige Seite seines Selbst vervollständigt.
Rückblickend hat in allen meinen Beziehungen irgendwas elementares gefehlt. Das war wohl auch der Grund, warum selbst nach vielen Jahren diese Beziehungen wieder in die Brüche gegangen sind. Mich beschleicht das Gefühl, daß ich zu anspruchsvoll sein könnte. Doch wo soll man bei der Auswahl eines tatsächlichen Lebenspartners Kompromisse machen?
Ein Sprichwort sagt, das der "goldene Mittelweg" der einzige Weg ist, der einen nie ans Ziel führen wird. Bei meiner Suche nach einem Freund für die Ewigkeit habe ich das auch immer im Hinterköpfchen. In der Vergangenheit haben genau die Dinge, die ich in einer Beziehung vermißt habe, dieser dann letztendlich den Todesstoß versetzt.
Was klar ist: Eigentlich will man keine Kompromisse machen. Ich will keine Kompromisse mehr machen. Zumindest nicht bei den zwei fundamentalen Säulen einer Beziehung, die ich als "Körper" & "Geist" für mich definiert habe. Mein "Mr. Perfect" muß mich körperlich, also sexuell, und optisch ansprechen. Und er muß von mir genauso in diesen Punkten angesprochen werden. Mr.Perfect muß aber auch geistig mit mir auf einer Wellenlänge senden. Was nützt mir ein perfekter Body, wenn ich mich mit meinem Partner nicht über Dinge austauschen kann, die mich interessieren? Fast noch wichtiger: Die Frage nach dem Humor. Wenn´s da nicht paßt, wird es schwierig. Aus meiner bisherigen Erfahrung würde ich sagen, das diese beiden Parameter bei seinem Partner passen müssen. Das wird auch bei Hetero-Partnerschaften nicht anders sein.
Um also Mr. Perfect zu finden, bedient man sich in der heutigen Zeit dem Internet. Vorbei die Zeiten, in denen man einen anderen Partner in einer Disco, einem Club, einer Bar, oder beim Cruisen kennen gelernt hat.
Die Suche im www funktioniert zumindest bei mir nach diesem Prinzip. Ich filtere aus den Kandidaten, die optisch für eine Partnerschaft in Betracht kommen, die heraus, die mit meinen gewünschten Eigenschaften in Bezug auf Sexualität, Charakter, Alter, Lebenseinstellungen, und Entfernung am besten zusammen passen, und wäge dann ab, ob auf Grund dieser Kombination von Aussehen und Eigenschaften eine Partnerschaft möglich wäre.
Fast so, als wenn man sich ein Auto kauft. Eigentlich ja wirklich total krank. Oder ist es eher so, daß man auf diese Art der Suche zumindest annähernd die Chance bekommt, tatsächlich jemanden kennen zu lernen, mit dem eine Partnerschaft auf lange Sicht funktionieren kann?
Ich frage mich in letzter Zeit häufig, wie das in der Vergangenheit funktionieren konnte. Bei Heteros ist die Chance, jemanden für´s Leben kennen zu lernen, noch relativ groß, da diese Bevölkerungsgruppe einfach den überwiegenden Teil der Menschen ausmacht. Aber bei schwulen Männer?
Wenn man das Glück hat, und in einer großen Stadt mit dementsprechender Szene wohnt, ist zumindest genug heiratsfähiges Material in den Lokalen vorhanden. Lebt man allerdings fernab dieser Oasen schwulen Lebens, kann das doch früher eigentlich gar nicht funktioniert haben. Oder doch? Es gibt doch genug ältere Paar, die auch ohne Internet den richtigen Dauer-Bett-Beschwerer gefunden haben. War das Zufall? Oder sind die Leute früher einfach kompromissbereiter gewesen?
Eine weitere Frage, die sich mir stellt: Wenn ich zu Kompromissen bereit bin, bin ich dann auch glücklich mit meiner Auswahl des Partners? Oder geht es mir dann genauso, wie es mir in meinen zurückliegenden Beziehungen gegangen ist? Das ich Gefühle, und Zeit investiere in eine Sache, die dann evtl. auf Grund der Nicht-Kompatibilität von menschlichen Eigenschaften drauf programmiert ist zu scheitern?
Ja, ich bin beziehungserprobt. Und die Folge meiner Erfahrungen ist, daß ich meine Naivität verloren habe. Die Unbeschwertheit, sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Sich der Gefahr auszusetzen, zu scheitern. Manche Menschen sind für eine Beziehung nicht geschaffen, sei es grundsätzlich, oder auf Grund von Erfahrungen. Vielleicht bin ich auch einer von ihnen.
Foto im Text:
Aljosa, "When two become one"
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen