Kennt Ihr diesen Kinofilm aus den frühen 80er Jahren? Als Jugendlicher habe ich mir diesen Streifen angesehen, und hatte tagelang Alpträume deswegen. Warum? Gute Frage, aber ich denke, Filme, in denen die Menschheit auf ihre Ausrottung zusteuert sprechen wohl in besonderem Maße meine unterbewußten Ängste an.Falls ihr diesen Film noch nicht gesehen habt: Die Handlung beschreibt, wie Außerirdische Pflanzen auf die Erde schicken, aus deren Früchten Replikate von Menschen wachsen, die die Originale dann ersetzen. Die komplette Bevölkerung der Erde wird somit Stück für Stück unterwandert, und ausgetauscht. Gruselig!
An den Film erinnert wurde ich letztes Wochenende, als ich mal wieder meine Eltern besucht hab. Beide haben zwischenzeitlich ein hohes Alter erreicht, sind aber dafür noch recht flott unterwegs. Großer Wehmutstropfen: Meine Mutter scheint seit 2 Jahren an einer Alters-Demenz erkrankt zu sein.
Im Laufe dieses Zeitraums mußte ich immer mehr den geistigen Verfall meiner Mutter miterleben. Normale Alltagswörter fielen ihr nicht mehr ein. Die Lust, im Garten zu arbeiten, spazieren zu gehen, oder einfach nur zu kochen, entschwand immer mehr aus ihrem Leben. Die Orientierung wurde immer schlechter. Heute kann sie sich weder daran erinnern, wo sie schon gewohnt hat, wo sie sich momentan befindet, und wie sie von ihrer jetzigen Position wieder ein eigentlich bekanntes Ziel erreichen könnte. Auch gruselig! Aber hier ist es leider keine Fiktion!
Wie bei dem Hollywood-Steifen verwandeln sich Menschen, die man Jahrzehnte lang gekannt, und gemocht hat, in unbekannte Personen. In Leute, die einen nicht mehr erkennen, wenn sie einen sehen. Menschen, die plötzlich von einem sanften, gutmütigen, liebevollen Menschen zu einem aggressiven, ungerechten, und unzufriedenen Individuum mutieren.
Das ist wohl der Preis, den wir für unser immer weiter steigendes Alter dank moderner Medizin zu zahlen haben. Früher gab es die Demenz nicht. Alte Leute fingen halt einfach an zu spinnen, wurden "sonderbar", oder "komisch". Doch das war eher die Ausnahme. Denn bevor Menschen ein alter erreicht hatten, bei denen evtl. solche Symptome zum Vorschein gekommen wären, sind sie einfach verstorben. Es war zwar traurig mit ansehen zu müssen, wie einen geliebte Menschen verlassen, aber man wußte, daß ist nun mal so. Keiner lebt ewig.
Die Zahlen von Demenz-Erkrankungen steigen in dem gleichen Maß, in dem wir immer älter werden. Dabei scheint noch nicht mal ein gesunder Lebenswandel den Eintritt dieser Krankheit verhindern zu können. Was eine Demenz tatsächlich auslöst, scheint wohl noch nicht genau erforscht zu sein. Welche Arten es gibt, und wie sich die Erkrankung dann bemerkbar macht aber schon eher.
Ich denke, es wird wohl wie bei vielen Dingen eine Kombination aus verschiedenen Faktoren einen Rolle spielen. Eine vererbte Veranlagung, ungünstige Lebensumstände, und bestimmt auch zu einem großen Teil der eigene Schweinehund, der einen lieber auf der Couch vor dem Fernseher gefangen hält, anstatt dem Gehirn seines Besitzers mit frischen Input in Form von einem Theaterbesuch, oder dem Studium der Tageszeitung zu trainieren.
Bei meiner Mutter hat der Schweinehund auf jeden Fall einen großen Teil des jetzigen Zustandes zu verantworten. Vielleicht ist es aber auch im hohen Alter einfach nicht mehr zu schaffen, den eigenen Schweinehund in seine Hütte zu treiben. Vielleicht braucht man ab einem gewissen Alter einfach jemanden, der einem bei seinem Kampf unterstützt. Die eigenen Kinder, Freunde, und Bekannte sind da bestimmt hilfreich. Vielleicht werde ich es am eigenen Leibe erfahren, wie es ist, sich in ein Alien zu verwandeln. Dann werde ich hier an meinem Rechner sitzen, diesen Artikel lesen, und mir denken: Was für ein Schwachsinn!
Foto im Text:
Alyssa L. Miller, "A Silent Calling"
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
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