Mittwoch, 5. Oktober 2016

Ein Partner als Sinn des Lebens - Nachschlag!

In meinem fast gleichnamigen, ersten Beitrag mit diesem Titel habe ich versucht, für mich zu erklären, warum in aller Welt wir so darauf aus sind, einen Partner zu finden. Ihn/Sie zu besitzen. Mit ihm/ihr alt zu werden.

Als ich heute Abend aus dem Gebäude meiner Arbeit in die kühle Nachtluft getreten bin, sind mir die vielleicht wichtigsten Gründe erschienen, warum wir einen Lebensgefährten suchen.





1. Sicherheit 


Das muß es sein. Unser Sicherheits-Denken ist, so denke ich zumindest heute, wohl der größte Auslöser für unsere Suche nach der einzig wahren Liebe. Der Gedanke fiel mir in den Schoß, als ich mich gerade auf mein Fahrrad gesetzt, und die ersten paar Meter meines Heimwegs angetreten habe.
Was würde denn passieren, wenn ich jetzt in einer dunklen, unbeleuchteten Unterführung eine Unfall hätte? Wen würde ich anrufen können? Wer würde sich um mich kümmern, wenn ich auf Grund eines Unfalls in einem Krankenhaus liege? Wer würde sich Sorgen um mich machen, würde sich zu Hause um alles kümmern? Mich mit frischen Klamotten, und Pralinen versorgen?

Antwort: Keiner! Denn ich lebe alleine.

Es ist nicht leicht alleine zu sein. Alleine durch das Leben zu gehen erfordert Kraft. Mehr Kraft, als als Team die Unwegsamkeiten des Alltags zu bestreiten. Denn alleine zu sein bedeutet Unsicherheit

Viele, die schon lange in einer festen Beziehung leben, träumen davon, wie schön es doch wäre, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Unabhängig tun und lassen zu können was man will. Niemanden Rechenschaft ablegen zu müssen. Im Traum sieht diese neue Realität verlockend aus. Auch deswegen, weil man diesen Traum aus einer sichern Position aus führt.
Beispiel: In unserer werkseigenen Kantine kann ich oft Gespräche belauschen, die ich bisher noch nie verstanden habe. Kollegen reden oft von Ihren Frauen abfällig. "Die Alte" hat wieder mal dieses, oder jenes verbockt, oder ihrem Mann den Spaß an irgendeiner Sache versaut. Da ist dann die Rede davon, daß man mal wieder das machen mußte, was "die Alte" befohlen hat, obwohl man doch gar keine Lust dazu hatte. Und am liebsten würde man sich ja eh scheiden lassen, und die sexy Sekretärin begatten, die gerade eben neu eingestellt worden ist.
Ganz ehrlich: Diese Gelaber kann ich zwischenzeitlich nicht mehr hören. Ganz davon abgesehen, das die oben erwähnte Sekretärin sich vermutlich eher die Fingernägel ausreißen lassen würde, bevor sie mit dem Waldschrat ins Bett geht, der diese Sprüche vom Stapel gelassen hat. So tritt hier genau der Fall ein, den ich oben versucht habe zu beschreiben:
Der Kollege von mir stellt sich die Realität anders vor, als sie sein würde, würde er tatsächlich seine angekündigten Schritte in die Tat umsetzen. Und eigentlich weiß er das auch, weswegen er einen Teufel tun wird, sich von seiner Gattin tatsächlich zu trennen. Die Unsicherheit einer Trennung bereitet ihn zwar einen gewissen Nervenkitzel, aber den Mut zu haben, diesen Schritt tatsächlich in die Tat umzusetzen, wird er wohl nie aufbringen. Zu groß ist die Verlockung, die die vertraute Wohlfühlzone der Zweisamkeit bietet.

2. Freude & Leid teilen können


Ein Sprichwort sagt: Geteilte Freude ist doppelte Freude, und geteiltes Leid ist halbes Leid.
Leid zu teilen fällt eigentlich eher in die "Sicherheit-Denken-Kategorie" von oben. Ich denke alle Menschen haben Angst davor, in einer Leidens-Situation, wie zum Beispiel dem plötzlichen Tod eines Angehörigen, alleine da zu stehen. Auch hier denke ich greift eher das Sicherheitsdenken von uns Menschen.

Anderes verhält es sich mit der Freude. Es ist menschlich, andere an seiner Freude teilhaben zu lassen. Denn so freut man sich nicht nur über die eigentliche Sache, an der es sich zu erfreuen gilt, sondern man kann sich auch noch an der Freude anderer erfreuen, die sich über die gleiche Sache freuen können. Und wem gönnt man diese geschenkte Freude natürlich am meisten? Rischtisch: Seinem Schatziputzileinchen. Deswegen werden tagtäglich auch tausende Fotos durch soziale Medien, Whatsapp, und YouTube geschossen, um seine Herzallerliebsten mit freudigen Fotos und Videos zu versorgen.

Genau so einen Gedanken hatte ich heute Abend auch: Leichter Nebel waberte über den Hof, als ich zu meinem Fahrrad ging. Die Luft war klar, und kühl. Man konnte den herannahenden Wetterwechsel von Sommer auf Herbst fast greifen. Es war still. Die Hektik des Alltags war verflogen, und ich freute mich auf mein gemütliches zu Hause, meine Katzen, und auf ein leckeres Abendessen, das ich entspannt vor dem Fernseher zu mir nehmen wollte. Ein ganzer Sack voller schöner Gedanken, und Ideen, die sich wie Bilder in meinem Gehirn manifestierten. Diese Bilder hätte ich auch gerne mit meinem "Herzallerliebsten" geteilt -  wenn es ihn gäbe. Und schon denke ich wieder drüber nach, ob alleine sein wirklich so eine tolle Idee ist. Sehnsüchte werden geweckt. Da ist er wieder, der Wunsch nach Zweisamkeit.

Was so ein Feierabend doch alles auslösen kann. Echt schräg!  



Foto im Text:
Steve Evans , "Love is in the air..."
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

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