Wie erschaffe ich eine erfolgreiche Internetseite?
Diese Frage haben sich bestimmt schon zig-tausende Menschen gestellt. Und einige haben offensichtlich darauf auch die richtige Antwort gefunden. Doch schauen wir uns die erfolgreichen Web-Giganten doch einmal genauer an. Warum sind sie so erfolgreich?Eine Internetseite ist dann erfolgreich, wenn sie von vielen Menschen besucht, und genutzt wird. Ist ja eigentlich ganz einfach. Man braucht also eine Idee, welcher Inhalt eine Website so interessant macht, das viele Leute diese anklicken. Jetzt muß man also nur noch herausfinden, welche Interessen die meisten Menschen verbindet.
Wenn man sich unter diesem Aspekt mal die erfolgreichsten Seiten im Internet ansieht, kommt man ganz schnell auf eine Sache, die genauso simple, wie kurios ist. Denn die meisten der erfolgreichsten Seiten im Web sprechen gerade bei uns zivilisierten Menschen die eher niederen Instinkte an:
Neid, Scham, Schadenfreude, Wollust, Habgier, Eitelkeit.
Wie ich drauf komme? Beispiele...
Suchmaschinen sprechen unsere Neugier an. Auktionsportale, und Kauf-, bzw. Verkaufsseiten im Netz locken mit außertourlichen Einnahmen, und/oder mit Dingen, die wir uns vermutlich ohne Internet nicht kaufen würden. Zum welchen Zweck Porno-, und Datingseiten ins Netz gestellt werden....tja, ist wohl klar, oder?
Sehr faszinierend finde ich soziale Netzwerke, wie Facebook & Co. Die Gründer dieser Seiten hätte sich wohl auch nicht im entferntesten Träumen lassen, das ihre Seiten im Internet so erfolgreich werden würden. Das sie so eine Zulauf haben ist nicht verwunderlich, und läßt sich am besten mit einem Spruch beschreiben, den ich mal in einem Kriminalfilm gehört habe, in dem Axel Rhode mitgespielt hat.
"Ich möchte der Held in meinem eigenen Film sein"
Das möchte wohl jeder. Da nehme ich mich auch nicht aus. Ist doch schön, wenn die anderen Leute auf einen aufmerksam werden. Wenn man bestaunt wird, wie fabelhaft man aussieht. Wie viele echt gutaussehende, und sympathische Freunde man hat, und was man Fantastisches jeden Tag erlebt.
Ich selbst war auch schon auf einem Dating-Portal für schwule Männer unterwegs. Ist noch gar nicht so lange her. GayRoyal, kennt ihr ja vielleicht. Aber ich habe mich wieder abgemeldet, nachdem ich ca. 2 Jahre dort herum gegeistert bin.
Kurz bevor ich mich dort abgemeldet habe, betrachtete ich mir noch einmal ein paar der dort vorhandenen Profile. Die sog. Homepages sind vermutlich auch nicht anders als bei anderen sozialen Netzwerken. Nur vielleicht ein bißchen "lösungsorientierter", und deshalb auch z. T. schon sehr speziell. Das ist aber auch vollkommen okay.
Der Unterschied zu anderen Netzwerken ist vermutlich, daß die Leute auf diesem Portal auf der Suche sind. Nach einem Sex-Partner, oder einer Beziehung. Freundschaften werden dort wohl eher weniger gesucht. Aber vielleicht liege ich da auch falsch.
Nach meiner Anmeldung bei GR war ich sehr oft auf den sog. blauen Seiten unterwegs. Alles war aufregend, neu, und unheimlich interessant. So eine große Auswahl an gutaussehenden Männern. Ich konnte es gar nicht fassen, das es so viele Typen gibt, die mich optisch ansprechen, und die laut ihrer Beschreibung auch noch total nett waren. "Wieso sind diese Männer überhaupt noch zu haben?" habe ich mich oft gefragt.
Auch mein eigenes Profil habe ich bis ins kleinste Detail ausgetüftelt, damit ich besonders positiv herüber komme. Hab Selfies geknipst wie ein Bekloppter, und die in meinen Augen schönsten da für die Masse publiziert. Auf das ich begehrt werde. Und das wurde ich auch zum Teil. Ich war erstaunt! Balsam für mein Ego.
Jetzt, nach wie schon gesagt 2 Jahren, haben Dating-Portale für´s erste ihren Reiz für mich verloren. Denn, obwohl ich diese Seiten immer noch gut finde, und ich sie bestimmt auch wieder nutzen werde, so gibt es jedoch auch mehrere Schattenseiten, die wohl jeder entdeckt, der diese Seiten für einen längeren Zeitraum intensiv nutzt.
Die Selbswahrnehmung täuscht
Auch wenn es immer heißt, daß es auf den Charakter ankommt (...gääähhhn...), so trifft man die Entscheidung, ob man jemanden attraktiv findet, und er als Partner, oder Freund in Frage kommt, doch erst mal über die Optik. Es gibt jedoch User von Datingseiten, die ihre Bilder verändern. Oder sie verwenden Bilder die steinalt sind. Optik-Tuning. Besseres Aussehen ohne Anstengung.Trifft man dann diese Person in Natura, ist eine Enttäuschung vorprogrammiert. Warum manche Leute sowas machen entzieht sich meiner Kenntnis. Aber evtl. haben diese Menschen auch gar kein Interesse an persönlichem Kontakt. Toll ist das trotzdem nicht. Und ehrlich schon mal gar nicht!
Das einem Charaktereigenschaften vorgegaukelt werden, die mitnichten der Wahrheit entsprechen, empfinde ich als besonders schlimm. Denn das stellt sich meist erst heraus, wenn man die betreffende Person schon ein bißchen besser kennengelernt hat, und somit schon Zeit, und Zuneigung investiert hat.
Menschen als Ware
Das ist vielleicht nicht bei allen Menschen so, die diese Internetseiten nutzen. In den Medien kann man aber verfolgen, daß das Mobbing im Internet immer mehr zu grassieren scheint. Die Hemmschwelle sinkt, die Werte, die mir in meiner Kindheit vermittelt worden sind, verlieren an Bedeutung.Ich selber konnte es bei mir schon beobachten, daß ich mir die Bilder auf den Profilen angesehen habe, wie Artikel in einem Versandhaus-Katalog. Immer schön die Daten abgleichen, um möglichst viele Gemeinsamkeiten herausfiltern zu können.
Andererseits: Sind es nicht manchmal die Unterschiede, die jemanden für uns interessant machen? Klar ist es praktisch, wenn ich gleich weiß, ob jemand eine Sexpraktik bevorzugt, mit der ich wirklich nix anzufangen weiß. Aber vielleicht wird man ja auch auf diese Weise auf Pfade geführt, die man sonst nicht betreten würde. Und so ist es vielleicht ja auch mit anderen Interessengebieten.
Man stumpft ab
Wie bei allen Dingen, die man eine gewisse Zeit lang benutzt, so verlieren auch die Angebote auf den Datingseiten irgendwann mal die Anziehungskraft. Alle Geheimnisse der Seite sind gelüftet, und die Männer der Seiten entzaubert, da viele Profile immer wieder kehren, bzw. gar nicht verschwinden. Warum denn auch? Lieber immer eine Fuß in der Türe lassen, um keine Möglichkeit unausgeschöpft zu lassen.
Also erreicht man irgendwann einmal den Punkt, wo man gelangweilt die Seiten durchblättert, und dort immer wieder die gleichen Kandidaten findet, die schon seit gefühlten Jahrzehnten immer das gleiche Profil mit den gleichen Bildern feil bieten.
Einen besonderen Menschen zu finden ist gar nichts besonderes mehr. Es ist nicht mehr der 6er im Lotto einen Partner zu finden, der einigermaßen seinen eigenen Vorstellungen von einem Freund entspricht. Jemand, mit dem man sich auch manchmal zusammenraufen muß, oder will. Weil man weiß, das nur einen Mausklick entfernt evtl. schon wieder der nächste Kandidat auf einen wartet. Warum also anstrengen?
Die Suche nach einem Partner ist effizienter und schneller geworden. Die Leute die man findet werden dabei aber immer austauschbarer, und weniger einzigartig. Und man selbst wird auch so. Austauschbar. Kein Unikat.
Zwischenzeitlich denke ich mir genau das, wenn ich mir Bilder im Internet ansehe. Selfie´s ohne Ende. Hübsche Gesichter, die man so schnell vergißt, wie man sie wahrgenommen hat. Ist das vielleicht auch der Grund, warum ich mir Gesichter immer schlechter einprägen kann? Oder ist es doch das Alter?
Zur Zeit habe ich keine Lust mehr auf Selfies. Nicht von mir, oder von anderen Leuten. Momentan geht mir diese Zur-Schau-Stellung des eigenen Gesichts sogar ein wenig auf den Sack! Ganz ehrlich. Ich glaube, ich habe eine Überdosis "soziale Netzwerke" konsumiert. Es wird wohl eine Weile brauchen, bis sich dieses Gift in meinem Körper wieder abgebaut hat.
Foto im Text:
John Steven Fernandez, "..."
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen