Sonntag, 4. September 2016

Ein Mann und sein Rock!

Wer meinen Blog kennt, der weiß,  hier geht´s jetzt nicht um Kleidungsstücke. Auch wenn man das jetzt auf Grund meiner sexuellen Neigung vielleicht denken könnte. Es ist für mich immer noch ein Mysterium , warum soooo viele, gerade schwule Männer sich von Andrea Berg, Nicole, dem Napalm-Duo, oder den spastelruter Katzen beschallen lassen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, warum ich in dieser Hinsicht anders ticke als offensichtlich die meisten anderen schwulen Männer, versuche ich nachfolgend einfach mal die Geschehnisse in meiner Vergangenheit aufzuschreiben, die für meine musikalische Prägung verantwortlich gewesen sein könnten.



Ich fange mal ganz von vorne an: Meine Mutter war in meiner Kindheit eine Frau, die gerne gesungen, und Radio gehört hat. Dieser Geräusche-Input in frühesten Kindertagen prägt einen Menschen, und legt vermutlich den Grundstein für ein generelles Interesse an Musik. Irgendwann in der Zeit, als ich meinen Kinder-Kokon langsam abgestreift, und mich in einen Teenager verwandelt habe, war sie plötzlich da: Die Lust daran, Musik zu "konsumieren".

Das erste Hilfsmittel, daß im Haushalt meiner Familie zum Musik konsumieren Verwendung fand, war ein altes Nordmende Radio, daß bei uns in der Küche stand. Ein Gerät, daß man jetzt vermutlich als "Vintage" bezeichnen würde. Dieses Radio war soz. mein Einstiegs-Werkzeug in die Welt der Musik.
Mein Vater war schon immer leicht von neuer Technik zu begeistern. Auf Grund dieser Tatsache dauert es nicht lange, bis unsere Familie im Besitz eines Radio-Cassetten-Rekorders war. Ich kann mich noch erinnern, als wäre es erst gestern gewesen, da hat mir meine Mutter gezeigt, daß man mit diesem Gerät auch Songs aus dem Radio aufnehmen kann! Faszination! Seine Lieblingsmusik auf eine Cassette aufnehmen, und auch wieder abspielen zu können war für mich ein Aha-Erlebnis. Etliche Casetten wurden in meinen frühen Teenager-Jahren von mir aufgenommen, und bei Bedarf mit neuerer Musik überzeichnet. Songs aufgenommen aus dem Radio. Mein Interesse an Tonträgern war erwacht. 

So richtig geprägt hat mich allerdings einer meiner älteren Brüder, der das Privileg hatte, seine wilden Jahre in den 70ern erleben zu dürfen. Er hatte damals schon eine stattliche Musiksammlung in Form von Schallplatten, von denen er mir 3 Stück ausgeliehen hat.


    Obwohl Supertramp ja nicht gerade eine Hard-Rock-Band ist, faszinierte mich das Wechselspiel der hellen Stimme von Roger Hodson, und die rauhe Röhre von Rick Davis . Eines der bekanntesten Supertramp-Lieder aller Zeiten ist auf diesem Album verewigt, welcher den Titel "School" trägt. Das etwas melancholische Mundharmonika-Spiel am Anfang des Songs, welches mich ein wenig an den Western "Spiel mir das Lied vom Tod" erinnert, garantiert Gänsehaut!




    Deep Purple dürfte wohl jedem bekannt sein, auch demjenigen, der mit Hard-Rock und Metal nix am Hut hat. Das legendäre Gitarren-Riff von "Smoke on the water" ist wohl der bekannteste Gitarren-Part eines Liedes, der je geschrieben worden ist. Obwohl auf dem oben bereits erwähnten Album "Burn" dieses Lied nicht beinhaltet ist, so kann man die musikalische Genialität von Deep Purple mit jedem Lied auf dieser Scheibe neu entdecken. Jeder dieser Songs erinnert mich an meine Teenager-Zeit, und versprüht mehr 70er-Jahre-Flair, als jede Flower-Power-Party, die ich jemals besucht habe.




    Die dritte LP meines Bruders war von der Band Rainbow, die von dem Deep Purple Mitglied Ritchie Blackmore gegründet worden ist, um nach einer Trennung von Deep Purple ein eigenes Soloprojekt zu gründen. Der Einfluß von Deep Purple ist in den Songs dieses Albums "Rising" deutlich zu hören. Unterstützt werden die musikalisch gewaltigen Songs durch die eingängige Stimme des ebenfalls legendären Sängers Ronny James Dio . Besonders auffällig an der Platte: Auf der B-Seite befinden sich tatsächlich nur 2 Songs, da diese absolute Überlänge haben. Einen davon mit dem Titel Stargazer könnt ihr Euch über dem Text hier ansehen.

    Nun, da ich vom Schallplatten-Virus befallen war, habe auch ich damit begonnen, mir Schallplatten zu kaufen. Als Kind der 80er-Jahre habe ich mir auch etliche LP´s und Singles von nicht Hard-Rock-Künstlern ála Tina Turner, Genesis, oder Fleetwood Mac besorgt. Ich bin aber immer wieder zurück gekehrt zu meinen musikalischen Wurzeln, zu den rockigeren Alben von Whitesnake, Bon Jovi, und Surviver.

    Eine meiner Lieblingsband der "Neuzeit", also der Endphase meiner Teenager-Zeit, war Guns´n Roses, die mit ihrem progressiven Sound, und ihren provokanten Texten genau meinen damaligen Rebellen-Geist getroffen haben.
    Rebellisch deswegen, da mir mein Schwulsein in der Zwischenzeit richtig bewußt geworden ist. Mit allen Erkenntnissen, die dazu gehören. Wie z.B. das ich nie so sein werde wie die anderen. Oder daß ich zukünftig machen kann was ich will um mich anzupassen, und mich dennoch die anderen Menschen der Gesellschaft nie vorurteilsfrei akzeptieren werden. Rebellisch deswegen, weil ich mir ab diesem Zeitpunkt geschworen habe, auf eine Gesellschaft zu scheißen, die mich nicht akzeptiert. Wollen mich die Leute nicht, will ich die Leute auch nicht, also fickt Euch! FUCK YOU!
    Ja genau, Fuck you! Dieses "Fuck you" ist bei den Songs von Guns´n Roses auch sehr oft verwendet worden, und ich habe die Jungs dafür geliebt. Dafür, daß sie meiner Enttäuschung über mich und den Rest der Welt mit ihren Liedern eine Stimme gegeben haben.

    Aus Seatle kam dann wie aus dem Nichts eine neue Rockart, die mich besonders stark geprägt hat. Man kann auch sagen, die Musik hat mich echt "umgehauen". Der aus dem Punk entstandene Grunge verbindet geschickt Metal- und Punk-Elemente auf melancholische Weise, und hat mich damit Mitten in meine Seele getroffen. Durch den Song "Smells like Teen Spirit" von der Band "Nirvana" ist Grunge von einem Mauerblümchen zum Mainstream mutiert, und hat somit einen gewaltigen Gegenpart zu dem Plastik-Eurodance-Schrott dieses Jahrzehntes geliefert - was für ein Glück! Denn ohne den Erfolg, den der  Grunge in dieser Zeit hatte, wären solche Bands wie die Foo Fighters wohl nie entstanden.


    Was mich an dieser Art des Rock so faszinierte, hatte ich schon in einem älteren Blog-Beitrag kurz erwähnt. Nach meiner Rebellen-Phase brach nun eine Zeit für mich an, die man als die "Hoffnungslos-Zeit" bezeichnen könnte. Und die Heroes des Grunge, wie Nirvana, Pearl Jam, Alice in Chains, und Soundgarden spielten den Soundtrack zu meinem Leben.
    Zwischenzeitlich war ich mental ein wenig ausgebrannt. Ich war es Leid, auf die intoleranten Menschen um mich herum permanent sauer zu sein. Andere Menschen wurden mir immer unwichtiger, bis total bedeutungslos. Mein Groll ist einer gewissen, leicht aggressiven Form der Resignation gewichen, die perfekt auf die musikalische Schablone der Grunge-Rocker gepaßt hat. Meine Einstellung gegenüber anderen Menschen habe ich zwischenzeitlich nur wenig geändert. In meinem Innern bin ich immer noch der gleiche Grunger der ich damals geworden bin. Will heißen, ich weiß, daß mind. 80% der mich umgebenden Menschen einfach den Intellekt eines Bratwürstchens haben, besonders wenn es darum geht, andere Lebewesen ihrer Spezies zu verstehen, und sich in sie hinein zu versetzen. Ich habe auch keine Lust mehr, andere davon überzeugen zu müssen, das Homosexualität nix schlimmes ist, und sie weder in der Umkleide, noch in Kindergärten, oder Schulen Angst vor diesen Menschen haben müssen. Es ödet mich an, immer wieder gegen die gleichen Vorurteile ankämpfen zu müssen. Ich bin es einfach Leid! Die Erkenntnis jedoch, daß Menschen so sind wie sie sind, und weder von mir, noch von sonst jemanden geändert werden können, erfüllt mich mit Ärger und mit Trauer, die sich in der Musik des Grunge, des Alternativ, oder des Metal für mich am Besten ausdrückt.

    Einige der Lieder die ich gerne höre, habe ich zwischenzeitlich auf meinem YouTube-Kanal gesammelt. Wenn Du also hören willst, was sich eine schwuler Metaler wie ich an musikalischem Input zuführt, klick doch einfach mal rein.
    P.S.: Ist auch etliches für Bärenliebhaber drin ;-)



    Foto im Text:
    Lars Seubert, "gitarre + Hände II"
    http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
    Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

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