Gestern war mein Ex bei mir, und wir haben zusammen zu Abend gegessen. Ich weiß, es schickt sich nicht, aber wir beide haben in unserer zurück liegenden Beziehung einen Faible dafür entwickelt, das Abendessen bei laufenden Fernseher auf der Couch zu uns zu nehmen. Ja, ja, ich weiß: Verwerflich, verwerflich. Aber ich find´s gemütlich. Nicht immer, aber gerade wenn ich alleine zu Hause bin, ist es schöner beim fern sehen zu essen, als alleine an einem Tisch zu sitzen. Ich finde, das "alleine-sein" wird vom Fernseher ein wenig abgedämpft. Ich schweife mal wieder ab...Ich bin beim herum-zappen auf eine Sendung gestoßen, die ich schon (..ja, ich oute mich jetzt...) öfters angesehen habe. Nach dem Erfolg von "Bauer sucht Frau" hat RTL vor etlichen Jahren einen neuen Knaller aus der Taufe gehoben: "Schwiegertocher gesucht". Falls jemand von Euch diese Sendung noch nicht gesehen hat, hier eine kurze Beschreibung, worum´s hier geht:
Männer, die meist schon das beste Alter überschritten haben, sind auf der Suche nach einer Frau, die sie im besten Fall heiraten können. Die Kandidaten wohnen i. d. R. noch bei Ihren Müttern, die bei der Auswahl der Frauen ein deutliches Mitspracherecht haben. Moderiert wird die ganze Geschichte von der zuckersüßen Vera Int-Veen, die bei den Einspielern auch keine noch so peinliche Alliteration ausläßt.
Wie man sich schon denken kann, handelt es sich bei dieser Sendung nicht um ein Format mit Anspruch. Die in der Sendung vorkommenden Menschen sind zusammen mit der vollkommen übertrieben auf heile Welt gebürsteten Sendungsgestaltung in weiten Teilen skurril bis sureal. Die unfreiwillige Komik mancher Szenen (...oder besser: fast aller Szenen!), und die "nicht-glauben-wollen-das-es-so-was-gibt"-Beobachtungen, stoppen meine Finger, die über die Fernbedienung eigentlich den nächsten Kanal anwählen wollen.
Dennoch hat mich diese Fernsehsendung im nachhinein zum nachdenken animiert. Die Frage, die sich mir gestellt hat:
Warum sind die meisten Menschen so versessen darauf, einen Partner für´s Leben zu finden?
Ich möchte erst mal von vorne beginnen. Ich denke, die 3 primären Dinge, die die meisten Menschen in Ihrem Leben erreichen, oder erhalten wollen sind...
- Gesundheit. Denn ohne ist alles andere eher nebensächlich
- ein sicherer Job, der einem Spaß macht, und der einem ein gutes Einkommen, und finanzielle Sicherheit garantiert
- Ein Partner, damit man im Leben nicht alleine da steht.
Wie man aber schon sehen kann, ist die Suche nach einem Lebenspartner ein immens wichtiger Punkt im Leben eines jeden Menschen. Nicht umsonst drehen sich die meisten Songs um die Liebe. Kein Film, in dem es nicht auch eine Liebesgeschichte gibt. Gedichte, Malerei, Literatur...überall ist die Liebe, bzw. die Suche nach der einzigen, und wahren Liebe eins DER großen Themen. Aber warum sind wir so gestrickt?
Liegt´s an unserem instinktiven Drang, sich zu replizieren? Ist der Fortpflanzungstrieb der Schlüssel zu dieser Frage? Ich gebe zu, zumindest bei uns Männern spielt der Sex eine wichtige Rolle. Das Wort "schwanzgesteuert" kommt nicht von ungefähr. Gerade in der Zeit zwischen der Pubertät und der Midlife-Crises ist es uns Männern wichtig einen Menschen zu haben, mit dem man guten Sex erleben kann. Im Idealfall ist das auch der Mensch, mit dem man auf mentaler Ebene perfekt korrespondiert. Bei einer endgültigen Partnersuche werden die Kriterien anders definiert werden, als bei der Suche nach jemanden, den man nur für den Abbau seines Samenüberdrucks sucht. Wenn die ersten grauen Haare sprießen, rückt der sexuelle Aspekt bei vielen Männern eher in den Hintergrund. Dennoch ist auch bei älteren Menschen der Wunsch nach einem Partner vorhanden. Ein Echo der Jugend? Ein Schatten des Zwangs Kinder in die Welt zu setzen?
Oder werden wir durch unser Umfeld auf Zweisamkeit genormt? Wie schon erwähnt beschießen uns die Medien oft ungewollt schon ab dem Kindesalter damit, daß es gut ist, oder besser gesagt, daß es der Norm entspricht, sich einen Partner zu suchen. Auch in unserem Umfeld schwirren immer Pappis und Muttis um uns herum, und suggerieren uns, daß es "normal" ist, in einer Zweier-Kombo das Leben zu durchschreiten. Männer, oder Frauen, die ab einem bestimmten Alter nicht unter der Haube sind, entsprechen nicht der gängigen Norm, und sind deswegen schon verdächtig. Entweder, sie sind schwul, lesbisch, oder haben sonst irgendeine Macke. Ich sage nur "Schwiegertocher gesucht". Ist das vielleicht der Auslöser unserer besessenen Suche nach einem Menschen, der uns "vervollständigen" soll?
Wie würde sich wohl ein Mensch entwickeln, wenn man ihm (..oder ihr...) diese gesellschaftliche Norm nicht anerzieht? Würde er/sie sich in einen Einsiedler entwickeln, der nur dem reinen Trieb nachgeht, wenn er/sie einen anderen Menschen über den Weg läuft?
Bei mir scheint sich zur Zeit meine neue Beziehung leider wieder in ihre Bestandteile aufzulösen. Wie ein Stück Zucker, daß in einem heißen Tee verschwindet. Und komischerweise bin ich, zumindest momentan, so gar nicht daran interessiert, wieder jemanden kennen zu lernen.
Ich bin soz., zumindest momentan, ein Alien unter den restlichen Menschen, die auf der Suche nach dem großen Glück sind. Das große Glück hatte ich die letzten Jahrzehnte zur genüge. Rückblickend war es wohl doch nicht so "groß", wie man es sich vorstellt, wenn man noch Solo durch die Welt geht. Und der alte, wohl auch ein wenig anstößige Spruch "kein Fick ist so gut, wie man es sich beim wichsen vorgestellt hat" trifft wohl nicht nur auf Sex zu, sondern auch auf alle anderen Bereiche des Lebens.
Wenn ich Euch also einen Rat mit auf den Weg geben darf, wenn ihr gerade dabei seid, die Dating-Portale im Internet zu durchpflügen:
Es kann sein, daß Euch die große Liebe Eures Lebens über den Weg läuft. Und es kann auch sein, daß dieser besondere Mensch das gleiche für Euch empfindet, wie ihr für denjenigen. Und ein kleiner Teil von Euch wird vielleicht auch das Glück haben zu den Menschen zu gehören, die tatsächlich mit ihrem Traumpartner zusammen alt werden. Ohne Streiterein, ohne Scheidung, ohne Zweifel, daß ihr den/die richtige/n gefunden habt.
Richtet Euch eher mal darauf ein, daß ihr evtl. mit jemanden nur eine gewisse Zeit zusammen seid. Solange, bis ihr merkt, daß es doch nicht der/die Richtige war. Und wenn ihr dann wieder Single seid ist das auch okay. Und wenn ihr immer schon Single ward, und nie das Verlangen danach gehabt habt, dem Traumprinzen/Traumprinzessin zu suchen, und zu finden, ist das ebenfalls vollkommen in Ordnung.
Für mich selbst habe ich die Entscheidung getroffen, es mal wirklich langsam angehen zu lassen. Mich nicht dem angeborenen, oder auch anerzogenen Zwang zu unterwerfen, einen Partner für´s Leben treffen zu müssen. Bin mal gespannt, wie mein Leben dann weiter geht.
Foto im Text:
Yvi24, "Liebeserklärung"
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
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