Freitag, 3. Januar 2025

Work! Work! Work! ( ...or, let it be... )

Kennt Ihr das Gefühl, etwas "machen" zu müssen? Einen inneren Drang, vorwärts zu gehen, um Stillstand zu vermeiden? Die Zeit sinnvoll zu nutzen, und sich nicht der Prokrastination hinzugeben? Immer öfter habe ich das Verlangen selbst meine frei verfügbare Zeit mit Tätigkeiten zu füllen, die für mich einen Sinn ergeben. Die Sinnhaftigkeit besteht dabei in der Regel dabei, daß am Ende meines Schaffens ein sichtbares "Produkt" im weitesten Sinne entsteht, und nicht etwa nur ein schnödes, alleinstehendes Gefühl ohne eigene Physis. Auch jetzt, in dem Moment an dem ich hier sitze und diesen Artikel schreibe, weiß ich, daß letztlich durch meine investierte Zeit etwas entsteht, an dem ich mich ggf. auch noch Wochen danach erfreuen kann. Ist das eine Alterserscheinung, oder eine Folge meines/unseres Lifestyles?

Ihr kennt das Gefühl sicherlich auch. Diese innere Unruhe, die uns nicht still sitzen läßt. Still halten zu müssen befriedigt uns nicht in dem Moment, sondern erfüllt uns mit Unzufriedenheit.

Zufrieden, oder unzufrieden => gut, oder schlecht?

Viele Menschen gehen davon aus, daß Unzufriedenheit ein negatives Gefühl ist. Schaue ich mir die derzeitige Entwicklung in den Nachrichten an, kann ich das bestätigen. Anders ist es  mir nicht zu erklären, warum andere Menschen Parteinen wie der AfD ihre Stimme geben, oder ein Mensch wie Donald Trump zum Präsidenten gewählt wird. Diese Form von Unzufriedenheit ist meiner Meinung nach eine Folge unserer zivilisatorischen Entwicklung, und nichts anderes als ein impertinentes Verhalten als Resultat unserer Verwöhntheit. In diesem Fall halte ich die Unzufriedenheit, die jeder sachlichen Grundlage entbehrt, als tatsächlich etwas Negatives.

Doch Unzufriedenheit hat auch eine andere, in meinen Augen positive Seite. Ist sie doch der Antriebsmotor für uns, die als Initialzündung für herausragende Erfindungen, technischer, oder gesellschaftlicher Innovationen dient. Uns das Leben leichter machen zu wollen war schon immer die Motivation, die unser Gehirn zu Höchstleistungen getrieben hat. Unzufriedenheit mit einer Lebenssituation hat uns zu einer Spezies entwicklen lassen, die derzeit auf diesem Planeten am weitesten evolviert ist - mit allen guten und schlechten Seiten, die sich daraus entwickelt haben.
Grundlegend ist diese Form der Unzufriedenheit aber als positiv zu betrachten.

Wann ist positiv negativ?

Der Drang, etwas zu "schaffen" ist uns Menschen in die Wiege gelegt. Doch so, wie viele andere, menschliche Eigenschaften, die uns während unserer Entwicklung weitergebracht haben, scheint es mir, daß auch der stetige Wunsch danach, nicht untätig herumzusitzen, in ausuferdem Maß eine persönlich schädigende Wirkung auf den Einzelnen haben kann. Ähnlich der eigentlich positiven Wirkung von Sport auf unsere Gesundheit, die durch exzessive körperliche Belastungen, wie zum Beispiel beim Bodybuilding, sich negativ auf unseren Körper auswirken kann.

Doch wie merkt man, auf welcher Seite man sich befindet? Diese Frage stelle ich mir oft. Ich kann mir vorstellen, daß man bei sich selbst das erst in einem Stadium feststellt, an dem schwere negative Auswirkungen gravierende Folgen auf die eigene Lebenssituation haben. Wenn sich Freunde von einem abwenden, sich das Verhältnis zum Partner erheblich, und dauerhaft verschlechtert, oder im schlimmsten Fall gesundheitliche Schäden festzustellen sind.

Ob ich selbst bereits auf der "dunklen Seite der Macht" bin, wage ich zu bezweifeln. Ich kann, trotz meines Schaffensdrangs, auch noch das Ausschlafen an einem Wochenendtag, oder einen Urlaub ohne Arbeit genießen. Ich gebe aber zu, daß ich nach ein paar Tagen des Nichts-Tuens ein Kribbeln in meinem Rücken vernehme, daß mir zu erkennen gibt, daß es wieder einmal Zeit wäre, produktiv zu sein. Das werde ich mir wohl nie abgewöhnen können, denn diese Eigenschaft gehört so zu mir, wie meine schlechten Augen, oder meine immer höher werdende Stirn. Beunruhigt bin ich deswegen jedoch noch nicht. Ich hoffe vielmehr, daß es auch zukünftig Menschen in meinen Umfeld gibt, die mich im Falle des Falles einbremsen, und mir aufzeigen, daß man auch dann ein liebenswertes Wesen ist, wenn man die Hände in den Schoß legt.



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