Bestimmt werden sich jetzt einigen Fragen, was das wohl für eine magische Eigenschaft sein mag, die wir angeblich laut meiner Theorie verloren haben. Um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, hier ein kleines Beispiel:
Du wachst in der Früh auf. Etwas ist anders in Deiner Wohnung. Es ist kalt. Verwundert stehst Du auf, und legst Deine Hand auf einen Heizkörper. Kalt! Die Heizung scheint wohl nicht mehr zu funktionieren. Verdammt! Du wählst die Nummer eines Heizungsnotdienstes. Nach drei Stunden klingelt es an Deiner Tür, und Du öffnest. Statt dem erwarteten Heizungsmonteur in blauer Latzhose, und mit einem Werkzeugkasten in der Hand steht ein schmächtiger, sehr junger Knabe vor Dir, der in einem Anzug gekleidet einen Laptop aufgeklappt auf seinem Arm trägt. Statt sich im Keller um die Heizung zu kümmern, versucht er über WLAN eine Verbindung zu der Heizung herzustellen, um den Fehlerspeicher auszulesen. Die Verbindung kommt jedoch nicht zu Stande, und der Mitarbeiter verläßt unverrichteter Dinge wieder den Ort des Geschehens. Du beginnst zu frieren. Was nun?
Welche Meinung habt ihr über den Handwerker? Ist er der richtige Mann für den Job? Oder denkt ihr nicht eher, daß der Typ keine Ahnung von Heizungen hat? Das er vielleicht sogar gar kein Interesse daran hat, die Anlage wieder zum laufen zu bringen? Das er augenscheinlich mit der Aufgabe total überfordert ist? Wer kennt nicht solche Situationen, wo man sich als Hilfesuchender alleine gelassen fühlt? Ich kenne das.
Falls dieses imaginäre Beispiel mir passieren würde, dann hätte ich zu dem Handwerker eine klare Meinung: Ich würde denken, daß der gute Mann nur vorgibt, ein Handwerker zu sein. Schon alleine sein Auftreten, daß nicht erkennen läßt, daß es sich um eine Fachkraft für Sanitär und Heizung handelt, würde mir eines klar machen: Der Mann ist nicht authentisch. Er ist jemand, der vorgibt, etwas zu sein, was er nicht ist, oder etwas zu können, was er nicht kann.
Genau diese Authentizität habe wir verloren. Authentizität ist ein synonym für "glaubwürdig. Also es mit einer Person, oder Institution zu tun zu haben, die sich als würdig erweist, daß man ihr glaubt, und vertraut. Wir sind immer auf der Suche nach dieser Vetrauenswürdigkeit, weil das einer unserer fundamentalen Bausteine ist, der es ermöglicht, daß wir als Gesellschaft funktionieren. Anderen zu vertrauen, ist eine der grundlegenden Säulen, die unser Zusammenleben überhaupt erst möglich macht.
Was aber tun, wenn man jemanden vertraut, und dabei oft enttäuscht wird?
Wenn Du Dir für viel Geld ein Produkt mit deutschem Namen kaufst, daß Dank "made in germany" eine herausragende Qualität haben soll, und bei dem es sich herausstellt, daß es doch in Fernost produziert worden ist, und nur der Name recyclet worden ist?
Wenn Politiker einem vor der Wahl etwas versprechen, was sie nach der Wahl nicht einhalten?
Wenn eine Firma einen Facharbeiter einstellt, bei dem sich nach einiger Zeit herausstellt, daß er die angegebenen Basisqualifikationen nicht bereitstellen kann, und beim Einstellungsgespräch einfach gelogen hat?
Ich denke, das Ergebnis dieser Geisteshaltung kann man zur Zeit überall sehen. Die Menschen werden gegenüber anderen, Firmen, Politikern, und Institutionen immer mißtrauischer, wenden sich von ihnen ab, und stehen ihnen skeptisch, und ablehnend gegenüber. Gerade bei der Politik ist das besonders frapierend, egal, ob auf Bundesebene, oder auch in den Kommunen.
Können wir diese Entwicklung aufhalten?
Das Problem: Wer immer wieder von entsprechenden Stellen angelogen wird, verliert unweigerlich das Vertrauen in andere Personen. Dieses wieder herzustellen ist schwierig, wie man an der derzeitigen Situation, die Wahl betreffend, anschaulich beobachten kann. Schnell wenden sich die Menschen Politikern zu, die unverbraucht sind, und zumindst den Anschein erwecken, daß sie authentisch sind - siehe BSW. Den Populisten muß man dabei zu Gute halten, daß zumindest ich den Eindruck habe, daß sie sich so glaubwürdig verkaufen, daß sie damit Wählerstimmen aufsammeln können. Das dies nur eine "Verkaufsstrategie" ist, die für die sie Wählenden zukünftig nicht aufgeht, ist mir dabei sonnenklar.
Das Leben ist kein Ponyhof. Es wird immer wieder vorkommen, daß man angelogen, über den Tisch gezogen, und verarscht wird. Das gab es schon immer, und das wird es auch immer geben. Diese Tatsache scheint in unserer menschlichen DNA zu liegen, und wird immer ein Teil von uns bleiben. Deswegen ist meiner Meinung nach Resignation nicht die Lösung dieses Dilemmas.
Ich denke, man muß sich bewußt machen, daß nicht alles, was einem erzählt wird, auch tatsächlich der Wahrheit entspricht. Man muß sich immer im Klaren sein, daß man im Umkehrschluß aber auch nicht immer, und von jeder Person angelogen wird. Eine gewisse Skepsiss scheint mir angebracht, die jedoch nie unser eigentlich offenes, menschliches Wesen komplett vereinnahmen darf. Denn, wenn es soweit kommt, daß man nichts, und niemanden sein Vertrauen schenken kann, dann wird dieser Planet ein Ort werden, an dem kein Mensch mehr wohnen möchte. Beispiele für solche Orte gibt es in Autokratien schon zur Genüge. Ich denke, daß sollte uns ein mahnendes Beispiel dafür sein, wie es zukünftig nicht sein sollte. Denkt daran, wenn ihr bei der anstehenden Wahl Euer Kreuzchen macht, aber auch im Umgang mit Euren Mitmenschen.

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