Die neue Lust an der Eintönigkeit
Hatte ich schon erwähnt, daß ich eine Faible für ältere Fahrzeuge habe? Angefangen hatte diese Sache, als ich mir im zarten Alter von 17 Jahren mein erstes Restaurierungsobjekt zugelegt habe. Mit meinem Ford 17M, den ich für 600 DM in München kaufte, ging ich bis zum Erwerb meines Führerscheins an unzähligen Tagen meinem armen Bruder, und seiner Werkstatt-Crew gehörig auf die Nerven - was mir nebenbei erwähnt, heute ziemlich peinlich ist. Aber so ist das, wenn man jung, und ohne Lebenserfahrung ist.Nach diesem automotiven Grundstein hatte ich immer wieder wechselnde, ältere Fahrzeuge aus den 70er-80er Jahren in meinem Besitz. Unter anderem war auch ein sog. "Knudsen-Taunus" dabei. Ein Modell, welches in meiner Kindheit bereits von meinem Vater gefahren wurde. Ich kann mich noch gut an das quietsch-gelbe Auto meines Papas erinneren. Aber auch meine Oldtimer waren knallrot, mintgrün, oder Lila-metallic.
Schrecklich, oder? Oder vielleicht doch nicht?
Amy Winehouse hatte beim schreiben ihres Mega-Knallers wohl sicherlich nicht die Intuition, die ich mit diesen drei Worten "back to black" verbinde. In dem Song ging es um Trennungsschmerz und Depression, welche ich jedoch auch bekomme, schaue ich mir die Farb-Paletten der Autohersteller, Möbeldesigner, und Architekten an.
Ich weiß nicht, wann diese Sache losging. Ich erinnere mich jedoch an meine Verwunderung, als ich vor vielen Jahren einen neuen Ikea Katalog in Händen hielt, und in diesem überwiegend schwarze Möbel angepriesen wurden. Nicht jedoch, wie in den 80er-Miami-Vice-Zeiten in Verbindung mit krachenden Pastellfarben. Dieses Mal schmiegten sich schwarze Hochglanz Küchenfronten zu tristen Eß-Möbeln in Buche gebeizt, und das ganze Essemble stand in einem kargen Raum mit Sichtbeton-Wänden. Schon damals konnte ich an dieser Art der Innenarchitektur nichts erkennen, was mich zu einem Kauf bewogen hätte. Doch das war offenkundig nur der Vorbote zu dem, was sich bis in die heutige Zeit durchgesetzt, und verstärkt hat: Das vermeiden von fröhlichen Farben.
Einige könnten nun erwähnen, daß gerade dadurch andere, vielleicht stillere Farben besser zur Geltung kommen. Ich vermute jedoch, daß diese neue Schlichheit jedem noch so schnöden Alltagsprodukt eine gewisse Exklusivität verleiht. Gerade bei oben genannten Kraftfahrzeugen zählt dieses Argument. Waren doch in der Vergangenheit schwarze Limousinen schon immer Staatskarossen, und Premiumherstellern vorbehalten, die gerne von Menschen der Oberschicht gefahren werden. Da zwischenzeitlich das durch die sozialen Netzwerke geschuldete Geltungsbedürfnis vieler Menschen auf diese Weise gepflegt werden kann, verspricht der Besitz eines silbernen, schwarzen, oder weißen Autos eine Steigerung des eigenen Egos - wer möchte nicht zu den Leuten gehören, die es in ihrem Leben weit gebracht haben?
Dieser Trend ist überall zu beobachten. Vor einigen Jahren arbeitete ich an manchen Abenden in der Garderobe eines Augsburger Clubs, um mir ein paar Extra-Euros zu verdienen. Wer da bei einem verlorenem Garderoben-Ticket nach einer schwarzen Jacke suchen mußte, war oft gezwungen so lange zu bleiben, bis nach Ladenschluß alle anderen Jacken von Ihren Besitzern in Empfang genommen worden waren. Die Masse an schwarzen Jacken, die damals schon getragen wurden, war einfach zu groß, um für mich als Angestellten diese noch voneinander unterscheiden zu können. Auch jetzt begegnen mir in der freien Wildbahn fast nur noch Menschen, die entweder schwarze, dunkelgraue, oder dunkelblaue Bekleidung tragen, was gerade in der dunklen Jahreszeit des Winters der Verkehrssicherheit entgegen wirkt. Doch praktische Beweggründe sind nicht der Grund dieses Farbentrends, sondern ästhetische. Offenbar scheint auch hier das Verlangen der Masse zu gedeckten, wenn nicht sogar tristen Farben zu tendieren. Diese Uniformität ist vermutlich auf die Unfähigkeit vieler Menschen zurück zu führen, innovativ, oder mutig im Umgang mit ihrer Kleidung umzugehen, wie wir Bommer es in den 80er Jahren erleben durften. Was für eine langweilige Entwicklung!
Der Hang zur Tristesse macht auch vor der Baubranche nicht halt. Waren die Stadtplaner in der Vergangenheit bestrebt, Häuser dem geltenden Ortsbild anzugleichen, so entstehen in der Gegenwart Neubeu-Krebsgeschwüre an vielen Ortsrändern, deren schwarze Dächer, schwarz eingerahmte Schießscharten-Fenster, und dunkelgraue Eingangbereiche so individuell sind, daß man jedes Neubeugebiet problemlos in jede Stadt im Bundesgebiet verpflanzen könnte, ohne das sich dieses vom Gesamtbild der Stadt abhebt. Ich persönlich finde diese Entwicklung furchtbar, und einen großen Verlust, regionaler Eigenständigkeit. Ich befürchte jedoch, daß dieser farbenfrohe Trend anhalten wird.
Warum gerade in der heutigen Zeit die Deutschen Regenbogenfarben weiß-grau-schwarz so beliebt sind, ist mir gerade in Bezug auf die stellenweise deprimierende Weltlage schleierhaft. Ich hätte erwartet, daß sich gerade deswegen die Menschen mit bunten, fröhlichen Farben umgeben, welche die Stimmungslage in eine positive Richtung lenkt. Doch auch bei dieser Sache scheine ich nicht mehr am Puls der Zeit zu sein, und meine Mitmenschen zu verstehen. Zum Glück beginnt bald der Frühling, wo zumindest die Natur uns wieder mit Farben beschenkt, die gut für unsere Seele sind. Ich freue mich drauf!

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