Freitag, 20. Januar 2017

Der Freak in einer Freakshow

Das folgende Video findet sich auch auf meinem Internetprofil bei GR. Diejenigen, die von dort aus hierher verlinkt wurden, kennen es ja vielleicht sogar.
Es ist der Song Freak von der ehemaligen Grungeband "Silverchair" die in den 90-Jahren zusammen mit den großen 4 (Soundgarden, Nirvana, Alice in Chains, Pearl Jam) den Grunge-Sound mitbestimmt hat. Vielleicht hat sich der eine, oder andere gefragt, warum ich dieses Video dort mit der Überschrift versehen habe...


Ein Video wie für mich gemacht





Noch vor einem Jahr hätte ich das ausschließlich mit der Begründung versehen, das ich, wie schon erwähnt, nicht dem typischen Schwulenbild entspreche, und mich deshalb als Außenseiter fühle. Zwischenzeitlich ist allerdings noch ein anderer Aspekt dazu gekommen. Eine Sache, die mir noch viel mehr Kopfzerbrechen bereitet, als die Tatsache, keine Heimat zu haben.

Immer öfter komme ich mir vor,wie ein Mensch, der in Gegensätzen lebt. Das eine wollend, dabei das andere bekommend. Verzehrt von dem Wunsch, den Partner für's Leben zu treffen. Dennoch aber so uneins mit sich selbst, wenn die Wahl auf eine Person gefallen ist. Psycho! Die unterschwellige Angst schwingt in meinen Gedanken mit, daß ich tatsächlich nicht mehr alle Latten am Zaun habe. Bin ich wirklich gerade dabei, balabala zu werden? So eine Art verfrühte Alters-Demenz?

Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Schon seit ich denken kann, wünsche ich mir einen lieben, und in meinen Augen attraktiven Mann, mit dem ich mein Leben verbringe. Jemanden, der mich ergänzt. Jemanden, der mich vervollständigt.

Ich lerne jemanden kennen. Wir verlieben uns ineinander. Wir treffen uns. Wir halten Kontakt, wenn wir uns nicht persönlich gegenüber stehen. Trotz aller Nähe, die ich versuche aufzubauen, läßt mein Interesse aber an dieser Person relativ schnell nach. Doch warum ist das so? Bin ich tatsächlich beziehungsunfähig, wie mir schon von einem ehemaligen Freund attestiert worden ist? Ist es ein Phänomen des älter werdens? Oder hab ich einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank? Ich zweifle an mir selbst. Oder liegt es doch an den anderen?

Ein guter Freund von mir ist der Meinung, daß grundsätzlich alle schwulen Männer, die auf Online-Portalen nach einem Partner suchen, einen "Schlag" haben. Wenn das stimmt, bin auch ich ein Mann, der offensichtlich nicht mehr richtig tickt. Eben ein Freak in einer Freakshow. Ein Verrückter in einer psychatrischen Anstalt. Wie groß ist wohl die Chance, in diesem Sammelbecken der gestörten Persönlichkeiten einen Freund für's Leben zu finden? Jemanden, an dem man tatsächlich nicht schon nach kurzer Zeit die Lust verliert? Jemanden, der einem nicht schon nach einem Monat auf die Nerven geht?

Prüfe ich die These in Gedanken auf Richtigkeit, so drängt sich im nächsten Schritt die Frage auf, wo man einen Lebenspartner suchen muß, wenn man nicht jemanden kennen lernen möchte, der einen Dachschaden hat? Früher muß das ja auch irgendwie geklappt haben! Die Chance, das man als schwuler Mann jemanden im Alltagssituationen über den Weg läuft, sich verliebt, und den Rest den Lebens miteinander teilt, ist so klein, wie der Anteil von Erdbeeren in einem Erdbeer-Joghurt. Ein Lotto-Spiel, das fast ausschließlich Verlierer kennt. Doch wir alle werden älter. Das Ende der fetten Jahre ist nur einen Wimpernschlag entfernt. Viel zu kurz scheint die Zeit, die einem bleibt, um den richtigen Partner kennen zu lernen, und mit ihm ein erfülltes Leben zu leben. Ist das bei Heteros aus so? Muß man dort auch 1000 Frösche küssen, bevor man den Prinzen sein eigen nennen darf?

Kein Wunder also, das ich, wie viele andere schwule Männer auf einer Online-Partnerbörse angemeldet bin. Immer in der Hoffnung, daß die These meines Freundes falsch ist. Das sich dort auch Männer finden lassen, die nicht irgendeine Macke haben. Jemand, der mir beweist, daß ich nicht beziehungsunfähig bin. Jemand, der so zu mir paßt wie ein gut sitzender Handschuh, den ich am liebsten dauernd tragen würde. Also jemand, dessen Persönlichkeit so faszinieren, facettenreich, und interessant ist, daß sich nicht schon nach ein paar Monaten die Langeweile einstellt. Jemanden, der mir durch seine Anwesenheit mein Vertrauen an mich selbst wieder gibt.

Ich hoffe, ich lerne diesen "Jemand" irgendwann einmal kennen. Irgendwann dann, wenn es für eine Partnerschaft noch nicht zu spät ist, und noch nicht der ganze Sand meines Lebens durch die Sanduhr gerieselt ist.

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