Samstag, 20. August 2016

Jason Bourne - Tod einer Legende

Okay, ich hätte es nicht tun sollen.

Da ich in den letzten 25 Jahren schon unzählige Filme im Fernsehen, und im Kino angesehen habe, hätte ich es eigentlich besser wissen sollen. Aber die Neugier auf den neuesten Bourne-Film war dann doch einfach zu groß. Endlich wieder ein Bourne-Film mit Matt Damon!

Für alle, die noch keinen der Bourne-Filme gesehen haben, hier ein (wirklich!) kurzer, grober Abriss der Story:
Ein Mann mit Gedächtnisverlust findet in den ursprünglichen drei Teilen der Trilogie Stück für Stück heraus , daß er zu einer geheimen Elite eines Spezial-Sonderkommandos gehört, daß im Auftrag der Regierung unliebsame Leute aus dem Weg räumt. Da die Regierung natürlich nicht möchte, daß diese Tatsache an Tageslicht gelangt, wird Mr. Bourne quer durch die Welt gejagt, und versucht dabei, seine Vergangenheit wieder zu rekonstruieren.





Im Gegensatz zu utopischen Agentenfilmen ála James Bond, oder Bumm-Bumm-Bäng-Filmen, wie der Transporter, oder TripleX vertrömen die ersten drei Bourne-Filme ("Die Bourne-Identität", "die Bourne Verschwörung", "das Bourne Ultimatum") eine gewisse Authensität, und faszinieren durch die mal nicht amerikanischen Schauspielplätze, die etwas kühle Erzählweise, und das glaubwürdige, professionelle Schauspiel der Akteure. Vor allem Matt Damon, der in den ersten drei Teilen den verwirrten Jason Bourne spielt, glänzt in dieser Rolle. Die wilden Verfolgungsjagden, und realistischen Kampfszenen kreuz und quer durch etliche Metropolen Europas geben diesen Filmen genau das, was diese ersten drei Filme von den übrigen Action-Filmen angenehm abhebt.

Wie es bei erfolgreichen Filmen leider doch des öfteren vorkommt, versucht man an den Erfolg anzuknüpfen, indem man noch ein paar Teile hinter her schiebt. Hier das erste Mal geschehen im Jahr 2010 ("Das Bourne-Vermächtnis").
Das schöne an diesem Film: Es geht nicht darum, direkt an die ursprüngliche Trilogie anzuknüpfen, sondern es handelt sich um einen Film mit neuer Handlung, der auf die ursprüngliche Trilogie aufbaut. Es werden Teile der ursprüngliche Story verwendet, und geschickt in die neue Story eingebaut. Wer Matt Damon in diesem Film sehen möchte, wird allerdings enttäuscht sein: Die Hauptrolle in diesem Streifen wird von  Jeremy Renner gespielt, doch er macht seinen Job wirklich ganz passabel. Alles in allem ist dieser Film ein netter Abendfüller, und Couchbegleiter - allerdings reicht er nicht an die Klasse der ersten drei Filme heran.

Der vermeintlich neueste Clou der Bourne-Macher kam diesen Monat in unsere Kinos. Und als Fan der ersten drei Teile habe ich mich schon darauf gefreut, Matt Damon wieder in einem Bourne-Film zu sehen. Und wie es so ist, wenn die Erwartungen an etwas groß sind, ist das Erleben des Ereignisses meist ernüchternd. So leider für mich auch hier, als ich mir am letzten Samstag diesen Film gegeben habe, und zwar wie es sich gehört im Kino.
Dieses war nicht mal zur Hälfte mit Menschen besetzt. Ob dies darauf zurück zuführen war, das es letzten Samstag ein lauschiger Sommerabend in Augsburg war, oder einfach deswegen, weil das Interesse an diesem Film doch nicht so groß ist wie von dem Machern des Films erwartet, entzieht sich meiner Kenntnis.

Vielleicht hat es sich aber schon herumgesprochen, daß es sich bei dem  wohl vorerst letzten Teil der Bourne-Geschichten leider um einen sehr, sehr, sehr, sehr, sehr lauen Aufguß der vorigen drei "echten" Bourne-Filme handelt.

Die dünne Story dient hier offensichtlich nur als Einfassung für Action-Szenen, die aber auch bei weitem nicht mit denen der ersten drei Filme konkurrieren können. Warum z. B. die ehemalige Weg-Gefährting von Jason Bourne Nicky Parson (gespielt von Julia Stiles) in einer dubiosen Hacker-Halle die CIA-Computer anzapft, um Informationen über geheime Operationen zu stehlen bleibt dem Zuschauer genauso verborgen, wie die Antwort darauf, warum sie dann diese Info´s auf Biegen und Brechen Jason Bourne zukommen lassen muß! Angeblich ja deswegen, weil für Mr. Bourne da soooo wertvolle Infos über seine Vergangenheit drauf sind.

Genauso lächerlich ist die Darstellung des amerikanischen Geheimdienstes in diesem Film. Denn der ist hier in der Lage binnen Sekunden Überwachungskameras in ausländischen Metropolen anzuzapfen, oder in einer Demonstration mit tausenden Menschen 2 einzelne Personen zu finden, und weitere Sekunden später Einsatz-Teams an den Ort des Geschehens zu schicken - 80er-Jahre-Actionfilme lassen grüßen! Wären die in der Realität genauso gut, hätte es den 11. September wohl nie gegeben!

Herausragende Charaktere wie beispielsweise die "Marie Kreutz", gespielt von der wunderbaren Franka Potente, oder "Pamela Landy", dargestellt von Joan Allen, sucht man in dem neuesten Streifen leider vergeblich. Der Widersacher von Jason Bourne auf Büro-Ebene wird im neuen Film von Tommy Lee Jones verkörpert. Wie gehabt spielt er hier wieder einmal seine übliche Rolle des alles überblickenden Ober-Muftis, der zackige Kommandos an seine fleißigen Arbeiter-Bienen gibt, und beim Auftauchen von unerwarteten Problemen sein eh schon faltiges Gesicht in noch mehr in Falten legt - Chuck Norris ist ein Gesichtsakrobat dagegen. Genauso blaß wirken auch der auf Bourne angesetzte Killer Asset (gespielt von Vincent Cassel), und die kühle Computer-Expertin des CIA Heather Lee (gespielt von Alicia Vikander).

Wer denkt, das die hanebüchene Story wenigstens durch die Crash-Bum-Bang-Szenen ausgeglichen werden, wird leider auch hier enttäuscht. Die Verfolgungsjagden spielen sich zu einem großen Teil im Dunkeln ab, was aber leider interessante Details der Hatz verschluckt. Von einer "Kamera-Führung" kann man leider nicht sprechen, da diese Sequenzen des Film so stark verwackelt sind, das der Verdacht nahe liegt, daß der Kameramann während seiner Arbeit vor Desinteresse gelangweilt einen Hamburger gegessen, oder seinen Facebook-Account auf einen neuen Stand gebracht hat.

Das die Lautstärke des gesprochenen Wortes im Gegensatz zu der der Umgebungsgeräusche relativ leise ist, kann man auch schon bei vielen Filmen im Fernsehen belauschen. Auch wenn sich mir der Sinn dahinter nicht erschließt, so tritt dieses Phänomen auch bei diesem Film auf. Und das ist dann auch das, was man zum größten Teil ins Gehör gehämmert bekommt: quietschende Reifen, Schüsse, das Krachen, wenn sich Autoblech verbiegt. Das ist jammerschade, denn viele Sequenzen in den ursprünglichen 3 Teilen wurden von einem sehr eingängigen Sound untermalt, wie z. B. dem Song "At the banks" aus dem Soundtrack, der durch seine Streicher den Spannungsbogen mit aufgebaut, und aufrecht erhalten hat. Selbst das bekannte Bourne-Theme von Moby "Extreme Ways" verschwindet, und taucht nur noch am Ende des Films kurz auf, so als wollte man damit den Zuschauer daran erinnern, daß er sich gerade einen Jason-Bourne-Film angesehen hat.

Fazit:

 Wer wie ich die ersten drei "echten" Bourne-Filme liebt, sollte auf dieses Vergnügen des jetzt fünften Teils verzichten. Solltest Du Dir aber doch ein eigenes Bild von dem Film machen wollen, so empfehle ich Dir, daß Du Dir als Kino-Besucher einen Sitz ganz hinten im Kino wählst. Solltest Du wie ich in der Mitte, oder noch schlechter vorne sitzen, wirst Du bei entsprechender Größe der Leinwand nämlich sonst gar nix mehr von den Action-Szenen mitbekommen. Und für evtl. aufkommende Langeweile empfehle ich vor dem Eintritt ins Kino den Kauf von Popkorn, und Bier.



Foto im Text:
Graham , "Warner Grand Theater"
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de


Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

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