Ja, auch ich zähle mich zu der Generation, die mit dem Prädikat "Boomer" versehen worden ist. Also den Menschen, die in einer Zeit auf die Welt gekommen sind, als Kinder zu haben offenkundig noch einfach war, oder die Menschen ihre Prioritäten bezüglich ihrer Reprokuktion anders gesetzt haben. Ein Boomer zu sein bedeutete in der Vergangenheit, mit vielen anderen um eine Lehrstelle kämpfen zu müssen. In Schulklassen von 30 Kindern aufwärts unterrichtet zu werden. In Mehrfamilienhäusern aufzuwachsen, in denen auch die Nachbarn mindestens zwei Kinder hatten, und Einzelpersonen in Appartments eher die Ausnahme statt der Regel waren. Es gab genug Spielkameraden für Freundschaften im nicht-virtuellen Raum - vermutlich auch deswegen, weil der "virtuelle Raum" nur in Sci-Fi-Filmen im Fernsehen der Realität angehörte. Zu den Boomern gehören also alle Menschen, die wie ich zu den sog. geburtenstarken Jahrgängen gehören, und die wie ich, nun ein Alter erreicht haben, in denen der Ausstieg aus dem Berufsleben in nicht mehr allzu ferner Zukunft liegt. Das scheint für dieses Land ein Problem zu sein.
Das Thema wird in den Medien gerade seit dem Regierungswechsel starkt diskutiert. Gerne auch von Politikern der Regierung, die nun seit über 100 Tagen im Amt sind. Kein Wunder eigentlich: Das vor allem bei der Finanzierung der Renten ein Problem auftreten wird, ist schon seit den 80er-Jahren bekannt. Sich der Sache anzunehmen, war aber offenbar keine Regierung im Stande. Nun steht das System vor großen Problemen, die wieder einmal von den Bürgern geschultert werden sollen.
Doch einmal von vorne...
Erst kürlich habe ich mir diese Dokumentation des ZDF bezüglich des zu erwartenden Kollaps unseres Rentensystems angesehen => Was kann unsere Altersvorsorge noch retten?, in der der Weg, den unser Rentensystem genommen hat, recht sachlich erzählt wird. Dabei kommen Rentner der aktuellen Generation, Arbeitnehmer, Wirtschaftweise, und Politiker zu Wort. Zahlen, und Fakten werden genannt und erklärt, die mir im Nachgang jedoch stellenweise unklar waren. Zum Glück kann man sich in der heutigen Zeit viele Zusammenhänge durch die Recherche im Internet verständlich machen. So auch zum Beispiel die Aussage, daß die Regierung jedes Jahr ein Viertel des Bundeshaushaltes in die Rentenkasse zusätzlich zu den Beiträgen der Einzahler dazuschießen muß. Ein Betrag, der unter anderem erklären soll, warum das Rentensystem unbedingt reformiert werden muß.
Dabei haben sich mir drei Fragen aufgedrängt:
- Was wird mit diesen zusätzlichen Geldern tatsächlich finanziert?
- Da unsere Bürgervertreten nicht unbedingt dafür bekannt sind, sparsam mit unser aller Einnahmen umzugehen: Was würde wohl mit diesem Geld passieren, wenn es nicht für die Rentner/innen ausgegeben werden würde?
- Warum reicht das eingezahlte Geld der Beitragszahler bei fast Vollbeschäftigung nicht aus, um alle Rentner zu finanzieren?
Das Geld vom Staat wird nicht nur für Renten verwendet. Wie ich diesem Beitrag der Deutschen Rentenversicherung entnehmen konnte, entfallen für reine Rentenzahlungen von der staatlichen Geldspritze ca. 75%. Näheres kann dem Bericht entnommen werden.
Auf die zweite Frage wird es wohl nie eine verlässliche Antwort geben. Ich gehe jedoch davon aus, daß ein Großteil des Geldes vermutlich, wie die von den jetzigen Sondervermögen auch, in irgendwelche dunklen Kanäle versickern würde.
Warum das Geld der Beitragszahler nicht für alle Rentner reicht, wird jedoch oft mit dem demografischen Wandel unserer Gesellschaft begründet. Dies schient jedoch nur zu einem Teil zu stimmen. Denn ein nicht unerheblicher Teil des in die Rentenkasse eingezahlen Geldes wurde, und wird vom Staat für sog. "versicherungsfremde Leistungen" genutzt, die in ersten Linie nichts mit den eigentlich Renten zu tun haben. Beispiele sind die Mütterrente, Reparationszahlungen folgend aus den Kriegsjahren, etc. Gut aufgeschlüsselt, bzw. erklärt wird dies in einem Artikel der IGM, den ich im WWW gefunden habe. Fazit dieses Berichts ist, daß sogar mehr als die von den zusätzlichen Staatsgeldern finanzierten Zuschüße für die Rentenkasse für gesamtgesellschaftliche Leistungen verwendet werden. Je nach Berechnung würden im ungünstigten Fall 37 Milliarden Euro für allgemeine Leistungen, die eigentlich über Steuern finanziert werden müßten, von den Beitragszahlern im Rentnensystem bereitgestellt.
Nicht beachtet wird in der Reportage des ZDF der Beamtenstatus, der die Bürger zusätzliche Milliardenbeiträge kostest, die nicht einmal anteilmäßig durch Beitragszahler, also von Beamten, finanziert werden müssen. Das dies zu Ungerechtigkeiten zu Lasten von normalen Arbeitnehmern führt, wurde von der Frankfurter Rundschau im Mai diesen Jahres thematisiert - zu recht.
Wie man schon erkennen kann, sind eigentlich nicht die Rentner das Problem dieses Systems. Oft wird es jedoch so dargestellt. Bei Parteitagen stellt sich somit ein Herr Linnemann, oder ein Herr Merz vor das Rednerpult, und redet gerade den Menschen ein schlechtes Gewissen ein, die dafür Sorgen tragen, daß das durch die unfähige Arbeit von Politikern marode Rentenkonstrukt zur Zeit überhaupt noch am Leben gehalten werden kann. Ein Umstand, der mich jedes Mal ärgert, sobald ein Politiker äußert, die Leute müßten endlich begreifen, daß "die fetten Jahre vorbei" seien, und wir verwöhnten Wohlstands-Brazen nun endlich wieder "mehr arbeiten" sollten. Gratulation: Durch diese Äußerungen fernab ihrer Basis treiben solche Politiker die Wähler in Scharen in die Armen von extremen Parteien.
Wünschenswert, aber absolut utopisch, wäre es, man würde gerade bei dieser Sache die Parteipolitik, und die Lobbyarbeit ruhen lassen, und würde sich stattdessen konstruktiv mit der eigentlichen Problematik beschäftigen, ohne jedoch dabei verschiedene Personengruppen gegeneinander auszuspielen. Also einfach praktikable Lösungen zu erarbeiten, und diese dann umsetzen. So, wie es schon vor Jahrzehnten die Schweden, und andere Nachbarn um uns herum gemacht haben.
Da die Deutschen jedoch aufgrund ihrer Arroganz immer einen nationalen Sonderweg gehen müssen (Stichwort: Autobahn-Maut), wird eine Lösung dieses Rentnen-Problems so lange auf sich warten lassen, bis das System nicht mehr funktionsfähig ist - wenigstens darauf kann man sich verlassen.

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