Die meisten werden sich wohl denken, das es hysterisch ist, wenn ein "gstandenes Mannsbild", wie man in Bayern zu einem Mann meines Erscheinungsbildes sagt, wegen einer Katze Tränen vergißt. Wegen einer kleinen Katze! Wegen einem Hund...naja, daß ich natürlich was anderes. Als käme es bei Trauer auf Größe an!
Oh, wie Du mir fehlst! Wenn ich an Dich denke, zerreißt es mir das Herz. Dabei hatte ich versucht, das Ruder herum zu reißen. Ich habe Deine Diabetes jeden Tag mit zwei Spritzen bekämpft. Habe Dir extra Futter gegen die voran schreitende Niereninsuffizienz besorgt - was Du nebenbei nicht geliebt hast. Selbst, nach der Diagnose Krebs in der Vorderpfote habe ich nicht aufgegeben, und Dir nach der Operation jeden Tag die Pfote neu verbunden. Doch alles war umsonst! Du bist nicht mehr an meiner Seite, und der Gedanke daran, die Zukunft nun ohne Dich beschreiten zu müssen, macht mir mein Herz so unendlich schwer.
Fast zwanzig Jahre warst Du an meiner Seite. Du hast das Licht der Welt in meiner Küche, unter meiner Eckbank, zusammen mit Deinen 4 Geschwistern erblickt. Deine Mutter, die mir ein Jahr zuvor als winziges Kätzchen zugelaufen ist, und von der ich damals dachte, sie wäre ein Kater, hat Dich zu meiner Überraschung als Ergebnis eines Tet-á-tetes mit einem räudigen Straßenkater erzeugt, und Dich in dem Katzentransportkorb zur Welt gebracht, in dem Du zwanzig Jahre später in meinen Händen gestorben bist😢.
Schon als kleines Kätzchen bist Du uns immer nachgelaufen. Du hattest gerade erst die Augen geöffnet, und die ersten, neugierigen Gehversuche in meinem Haus aufgenommen, als Du Deine Verbindung zu uns Menschen entdeckt hast. Ohne Scheu saßest Du als winziger Wurm schon mit uns auf der Couch, und bist uns auf Schritt und Tritt gefolgt. Obwohl wir es vorgehabt hatten, konnten wir Dich, so wie Deine Geschwister, nicht an andere, nette Familien abgeben. Und so bist Du letztendlich bei mir geblieben - bis gestern.
Seit Du weg bist, merke ich erst, wie einsam ich bin. Deine Mutter ist zum Glück noch da. Dennoch ist es nicht mehr das Gleiche. Das Haus, in dem wir Drei die letzten Jahrzehnte verbracht haben, ist nicht mehr das Selbe, wie noch vor einigen Tagen. Momentan fühle ich mich wie Tom Hanks im Film "Cast Away", als sein geliebter, einziger Freund "Wilson" von seinem Floß ins Wasser gefallen, und untergegangen ist. Alleine. Einsam.
Einer der Gründe, der das Leben hier in der Einöde so lebenswert gemacht hat, warst Du. Auf dem Weg zu meinem Haus, war das Wetter auch noch so mies, der Alltag noch so unbefriedigend, und die Lebenssituation noch so beschissen, habe ich gewußt, daß Du auf mich wartest, und mich schnurrend, und mit Deiner unverwechselbaren Stimme, quietschend empfängst. Das ich Dich hochnehmen, an mich drücken, und Dir über Dein schwarz-weißes Fell streicheln konnte, und augenblicklich alle schlimme Dinge nur noch halb so schlimm waren.
Wir beide waren seelenverwandt. Das hat mein Freund damals schon erkannt.
"Ihr zwei habt nur Blödsinn im Kopf!"
hatte er uns attestiert. Ich finde, er hatte recht! Deswegen warst Du auch immer wie mein tierischer Zwilling. Mein Baby. Mein Kind. Mein Dolly-Knolli, mein Rudi Rüssel, meine Schweinenase, mein Brock. Oh, wie ich Dich vermissen werde! Es tut so weh daran zu denken, daß Du nun unweit meiner Terrasse, auf der ich heute noch die Überreste Deines Verbandes in Form eines Stückchens Mullbinde gefunden habe, über einen halben Meter tief im Boden vergraben bist. Auch, wenn ich Dir Dein letztes Bettchen so schön wie möglich gemacht habe. Ich es mit Moos ausgekleidet habe, und Dir für die letzte Reise eine Schüssel Deiner geliebten Knabberkekse, und Deine kleine Plüschmaus mit in Dein Bettchen gelegt habe, würde ich am liebsten wieder einen Spaten zur Hand nehmen, und Dich dort unten wieder befreien. Weil ich es immer noch nicht fassen kann, daß Du jetzt tot, und somit nicht mehr an meiner Seite bist.
Mein geliebtes Dolly: Ich werde Dich nie im Leben vergessen, und freue mich darauf, Dich irgendwann einmal wieder zu sehen. Vergiß mich nicht!

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