Diesen Film vom Quer-Magazin des Bayerischen Rundfunks habe ich kürzlich bei YT entdeckt...
Ich fühlte mich sofort angesprochen. Erst vor einigen Wochen wurde mir wieder einmal bewußt, wie teuer es doch geworden ist, in der heutigen Zeit ein Fahrzeughalter zu sein. Gibt es dafür eine Lösung?
Schon immer war ich ein Auto-Narr. Das ist ein Wesenzug von mir, der mir vermutlich von meinem Vater mit in die Wiege gelegt worden ist. Meine Passion, an alten Fahrzeugen zu schrauben, ist wohl ein Resultat meiner Liebe zu motorbetriebenen Fortbewegungsmitteln. Den Führerschein zu erwerben war für mich ein Lebensziel, daß ich mit bereits 17 Jahren in Angriff genommen hatte. Mit 18 Jahren durfte ich nun endlich selbst hinter das Steuer, und ich erinnere mich noch gut an meine erste Fahrt mit dem Wagen meines Vaters. Ein wirklich erhebendes Gefühl. Im Laufe der Jahre besaß ich wirklich viele Autos. Ein reines Fortbewegungsmittel waren die KFZ´s jedoch nie für mich, eher Ausdruck meiner Pesönlichkeit, Statussymbol, Hobby, und, wenn man so will, eine Art Sportgerät. Das man mit den Dingern mühelos entfernte Ziele erreichen konnte war dabei eher ein netter Nebeneffekt. Ich fuhr alles, vom Sport-, bis zum Gelände-Wagen, wohl immer auch auf der Suche nach dem perfekt zu mir passenden Gefährt. Das man dieses Ziel jedoch nie erreichen wird, habe ich erst im Laufe des Lebens begriffen. Das machte mir jedoch auch nichts aus, denn jedes neue Auto war, und ist für mich immer ein neues Abenteuer gewesen.
Da ich meist keine weiten Strecken fahren mußte, und auch auf persönlichen Gründen nie zu 100% auf ein zuverlässiges Auto angewiesen war, fuhr ich in der Regel alte "Krücken", die ich aufgrund meines handwerklichen Geschicks selbst repariert habe. Das ich auch oft wegen technischer Ausfälle auf die Hilfe von Freunden, oder auch dem ADAC angewiesen war, war ein erwartbares Übel, daß ich aufgrund der horrenden Preise für Neuwagen jedoch gerne ich Kauf genommen habe. Alles im Allen bin ich jahrelang auf diese Weise sehr günstig unterwegs gewesen, und habe vermutlich weit weniger Geld in meine Mobilität investiert, als viele andere Menschen.
Aus familiären Gründen war es aber irgendwann soweit: Ich brauchte ein "zuverlässiges" Fahrzeug. In der Zwischenzeit hatte ich überdies ein Alter erreicht, in dem ich es auch Leid war, immer beim Herumdrehen des Zündschlüssels ein kleines Stoßgebet aussprechen zu müssen. Nach einem weiteren, sehr kostspieligen Versuch, ein offenkundig gut gepflegtes Gebrauchtfahrzeug zu nutzen, welche dann unerwartet den Dienst quittierte, rang ich mich entgegen meiner bisherigen Überzeugung durch, und gönnte mir im zarten Alter von 48 Jahren meinen ersten Neuwagen. Ein günstiger Reimport aus Litauen, mit 0 km auf der Uhr, und wenig technischem Schnick-Schnack. Dieses Fahrzeug fahre ich nun schon seit Jahren, und war bisher damit sehr zufrieden.
...wirklich "sehr zufrieden", hmmm?
Okay, mal abgesehen von der Last der nun anfallenden Kosten für die Kundendienste, und die Vollkaskoversicherung war ich nun jahrelang unbeschwert, und sicher unterwegs. Selbst geschraubt hatte ich an dem Wagen aufgrund der Garantie nie, und die Vollkasko war selbstverständlich ein Muß bei einem neuen Auto. Ich habe gerne dieses Geld investiert. Garantierte es mir doch, daß ich mir über eine Panne keine Sorgen machen muß - daß dachte ich zumindest! Denn obwohl mein treues Roß immer noch aussieht wie ein Neuwagen (...gute Pflege sein Dank...) kündigt sich nun ein Getriebeschaden an, der offenkundig nicht meinem Fahrstil geschuldet ist. Wie war das möglich?
Schuld an dieser Entwicklung ist meiner Meinung nach das maßlose Profitverhalten der Autohersteller, und deren Aktionäre. Statt wie früher möglichst langlebige Kraftfahrzeuge zu bauen, leidet die Qualtiät unter dem Kostendruck bei der Herstellung. Ein Wagen mit 100.000 Kilometern kann deswegen auch schon Defekte aufweisen, die Zweifel an einem Weiterfahren des Fahrzeugs für den Endkunden aufkeimen lassen. Auch, daß die Fahrzeuge immer komplexer werden ist ein Problem, da viele Werkstätten den Anforderungen, die an ihre Mitarbeiter gestellt werden, nicht mehr gerecht werden können. Kosten, die für eine Reparatur dann unnötig anfallen, trägt im Zweifel der Eigentümer des Gefährts. Und das Alles geschieht, während die Fahrzeuge immer teuerer werden, und zwar beim Kauf, und auch im Unterhalt.
Ja, es stimmt!
Mit fast keinem anderen Eigentum kann man innerhalb so kurzer Zeit so viel Geld verbrennen, wie mit einem eigenen PKW. Addiert man alle Kosten eines Neuwagens, welche innerhalb eines Jahres anfallen, wirft das die Frage der Sinnhaftigkeit eines eigenen PKW´s auf. Doch haben wir überhaupt eine Wahl?
Viele Autobesitzer gerade auf dem Land sind auf ein solches Fortbewegungsmittel angewiesen. Für die Fahrt zur Arbeit, Einkäufe, soziales Leben. So auch für mich, da ich nicht in der Großstadt wohne. Selbst der Bahnhof, der sich in meiner Stadt befindet, ist kein adäquater Ersatz für ein eigenes Auto.
Da ich selbst erst vor kurzem das Vergnügen hatte, für eine Reparatur einen für mich unagemessenen Betrag berappen zu müssen, habe ich mich entschlossen, nun doch wieder selbst tätig zu werden, und Reparaturen, so es mir möglich ist, selbst durchzuführen. Ein Privileg, daß die meinsten Menschen mangels Know-How, und fehlendem Platz jedoch nicht haben. Was ihnen bleibt ist zu hoffen, einen möglichst reparaturarmen, und sparsamen Wagen zu besitzen, der die in der Zwischenzeit unverschämt hohen Haltungskosten eines privaten PKW auf einem niedrigen Niveau hält.
Doch wie geht´s weiter?
Ehrlich gesagt befürchte ich, daß wir uns von dem Gedanken verabschieden müssen, so einfach und problemlos mobil zu sein, wie wir es in großen Teilen bisher waren. Ich gehe davon aus, daß die Kosten für individuelle Mobilität irgendwann in einer hoffentlich erst fernen Zukunft auf ein Maß steigen, daß es den meisten Bürgern der Mittelschicht nicht mehr ermöglicht, sich ein eigenes Auto zu leisten. Lebenshaltungskosten, wie Miete, Lebensmittel, Steuern, etc. steigen Jahr für Jahr, während das Einkommen des Einzelnen diesem Trend nicht folgen kann. Das zur Verfügung stehende Geld wird knapper, und man wird sich in der Zukunft gut überlegen müssen, für was dieses Geld Verwendung findet. Ob es dann tatsächlich noch für ein eigenes Auto reichen wird, halte ich für unwahrscheinlich. Ich gehe eher davon aus, daß ein eigener PKW ein Status-Symbol werden wird, welches sich nur gut betuchte Menschen leisten können. Es bleibt zu hoffen, daß andere Verkehrmittel alá ÖPNV diese Entwicklung, so sie eintreffen sollte, so auffangen werden, daß sich für den Einzelnen das Pendeln zum Arbeitsplatz finanziell noch lohnt.
Aber wer weiß? Vielleicht liege ich total falsch. Wir werden es die kommenden Jahre wohl alle selbst herausfinden.
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