Gestern...
...war es wieder einmal so weit: Ich hatte das Vergnügen, mit der Bahn verreisen zudürfen. Anlaß ist eine Operation an meinem Auge, die es mir verbietet, mich mit dem eigenen Auto fort zu bewegen. Mein Augenarzt, den ich zwei Ortschaften weiter erreichen wollte, war jedoch von dem Zielbahnhof in einem 20-Minuten-Spaziergang erreichbar. Ich habe eine Bahn-Card-25, die DB-Navigator-App auf dem Smartphone, und den Willen, auch der Umwelt zuliebe meine Reise über den öffentlichen Nahverkehr zu bestreiten. Was sollte da also noch schief gehen?
Einfach Alles!!
Schon auf dem Weg zum Bahnhof informierte mich bei einem kurzem Blick auf mein Handy die Deutsche Bahn, daß mein Zug aufgrund eines Oberleitungsschadens ausfällt. Ist das nicht toll? Da ich schon auf dem halben Weg zum Bahnhof war dachte ich mir, ich gehe trotzdem weiter, da die Bahn bestimmt einen Schienen-Ersatzverkehr eingerichtet hat. Mit zugekniffenem, und tränenden Auge führte ich also meine Reise fort. Am Bahnhof angekommen war eine Nachfrage im Reisezentrum nicht möglich - Mittagspause. Die beiden Mitarbeiterinnen, die sich im Innern angeregt unterhielten, zeigten sich von der Menschenmenge vor den gläsernen Schiebetüren unbeeindruckt. Ein Blick auf ein Schild mit den Öffnungszeiten verriet mir, daß ich noch bis 12:50 Uhr (...wer bitte wenn nicht ein Beamter kommt auf solche Zeiten?) warten mußte, bis meine Fragen persönlich beantwortet werden konnten. Okay, dachte ich mir, nutze ich derweil nochmals die App der Bahn. Dort wurde mir u. a. angeboten, mit einem Bus in die nächste Ortschaft zu fahren. Dieser hatte jedoch auch schon Verspätung. Laut App würde ich außerdem in dem Ort, in dem ich in einen weiteren Bus umsteigen müßte, den Folge-Bus aufgrund der Verspätung des ersten Busses verpassen, und somit dort mindestens 1 Stunde in der Kälte warten müssen. Ob dies dann tatsächlich so wäre werde ich wohl nie erfahren, da die Mitarbeiterinnen der Bahn pünktlich ihre Mittagspause abfeierten.
Mir wurde noch eine weitere Zugverbindung angeboten, die ein einhalb Stunden später direkt meinen Zielbahnhof anlaufen würde - laut App! Ob dem tatsächlich so wäre konnte ich leider in diesem Augenblick nicht erfragen, da die Mitarbeiterinnen im Service-Punkt gerade ihre Mittagspause...na, ist ja auch egal!
Somit reihte ich mich in die Schlange der Wartenden ein. 15 Minuten später. Die Türen öffneten sich. Vor mir einigen Leute, die sich von den beiden überforderten, aber jetzt vermutlich zumindest gesättigten Bahn Mitarbeiterinnen das komplette deutsche Schienennetz erklären ließen.
Eine gefühlte Ewigkeit später erreichte ich den Schalter, und erfuhr, daß ich am Besten den Folgezug nehmen sollte, denn der fuhr angeblich pünktlich, und mein Ticket, im Internet bestellt konnte ich verwenden. Das war ja schon mal was. Trotz meiner Zweifel ging ich zum Bahnsteig. Eine halbe Stunde hatte ich noch zu warten. Es war saukalt, und mein operiertes Auge tränte vor sich hin. Um die Zeit zu nutzen wollte ich via App die Rückreise buchen. Auch hier mußte ich feststellen, daß aufgrund des Oberleitungsschadens viele Züge "vermutlich" ausfallen würden, und ich evtl. erst gegen Abend wieder zu Hause ankommen würde. Das ich meinen Termin beim Augenarzt nicht pünktlich würde einhalten können, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht mehr zu erwähnen.
Zum Glück war ein Bekannter von mir dann so nett, mich mit den Auto zum Arzt zu bringen. Fahrzeit: 15 Minuten, eine halbe Stunde beim Arzt, Rückfahrzeit 15 Minuten. Mit der Bahn wäre ich erst gegen Abend zu Hause gewesen.
Apropos Abend: Am gleichen Tag habe ich in den Nachrichten gesehen, daß die Mitarbeiter der Bahn kommenden Woche streiken wollen, denn "ihre Nerven liegen blank", wie sich der Reporter so schön ausdrückte. Mindestens 650 Euro (650 Euro!!!) mehr Geld hätten sie gerne.
Für den Service? Für das Angebot, daß die Deutsche Bahn bietet? Für Mitarbeiter die im direkten Kundenkontakt unhöflich, und oft überfordert sind?
Das nenne ich sportlich!
Ach ja, ich hatte ja noch etwas vergessen...
Hatte ich schon erwähnt, daß ich meinen Augenarzt telefonisch nicht erreichen kann, weil (wie ich bei Nachfrage von den Arzthelferinnen erfahren habe) sie zu wenig Personal haben, und somit nicht ans Telefon gehen können.
Quizfrage: Was wird jemanden mit einer Augenerkrankung leichter fallen: Ein Telefonat, oder ein Kontaktformular im Internet auszufüllen?
Vom Wartebereich aus konnte ich beobachten, wie die beiden Arzthelferinnen hinter ihrem Empfangstresen saßen, und sich über privaten Kram unterhielten, während vermutlich etliche Patienten wie ich vergeblich versuchten, dort via Telefon Fragen abzuklären.
Mal ganz ehrlich: Was ist nur los mit Euch? Egal ob Bahn Mitarbeiter, Kellner, Arzthelfer, oder Bäckereifachverkäufer: Ich werde das Gefühl nicht los, daß es offenbar zur Zeit vielen Angestellten im Kundenbereich total egal ist, ob einem Kunden durch seine Arbeit geholfen werden kann. Warum arbeiten solche, an anderen Menschen desintressierten Menschen überhaupt in solchen Jobs? Wäre es nicht besser für diese Leute, und auch für ihre unzufriedenen Kunden, wenn sie ihr Geld mit Arbeiten ohne Kundenkontakt verdienen würden? Und ist es den Firmen-Chefs eigentlich ebenfalls Wurst, ob ein Kunde zufrieden ist?
Ich weiß nicht, wohin diese Reise in der Service-, und Dienstleitungswüste Deutschland endet. Ich bin mir jedoch sicher, daß es kein gutes Ende nehmen wird.

1 Kommentar:
...gerade bei YT gefunden => https://www.youtube.com/watch?v=lAB6E6DowEM
Offenbar bin ich nicht der Einzige, dem es so geht...
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