Hurra! Der ESC steht wieder vor der Tür. So unvermeindlich wie Weihnachten, Sylvester, oder eine immer wieder kehrende Herpesblase an der eigenen Lippe. Vor kurzem fand der deutsche Vorendscheid für das Jahr 2023 statt. Welches musikalische Meisterwerk würden die Deutschen wohl dieses Jahr ins Rennen schicken? Und Surprise: Die Wahl fiel 2023 auf eine Gothik-Band (?) aus Deutschland - offenbar dicht gefolgt von dem Mallorca Blödelsänger Ikke Hüftgold (sorry hierbei für das "offenbar", aber diese mediale Perle ist leider an mir vorbei gesendet worden). Sagt das etwas über den deutschen Mainstream Musikgeschmack aus? Wer weiß das schon so genau...
Ich wollte meinen Unmut darüber als Kommentar unter einem der YT-Filmchen begründen. Meine Sicht der Dinge. Warum ich das Lied von der Melodie, und den Texten einfallslos finde. Mir die Band bei ihrem Auftritt erscheint, wie eine schlechte Ramstein-Kopie (...die ich nebenbei ebenfalls nicht besonders gut finde). Das ich der Meinung bin, daß das Lied dieses Jahr ungefähr so neu, und innovativ ist, wie sich einen Golf zu kaufen - Stichwort "Maneskin", oder "Lordy".
Ich hielt jedoch inne, und hab mich nicht dazu geäußert. Warum eigentlich?
Ich unterhalte selbst einen kleinen, feinen Youtube Kanal. Ursprünglicher Hintergrund dafür ist, daß ich ungern Suche, und somit meine Lieblingsvideos in Playlisten einsortiere, um diese dann ggf. wieder zu finden. Irgendwann habe ich mit dem Motorradfahren begonnen. Ziemlich zeitgleich kam mir der Gedanke, daß es egoistisch von mir ist, wenn ich von den Videos anderer Youtuber partizipiere, jedoch selbst wie ein gesichtsloses Profil auf einer Datingseite gar nichts davon zurückgebe. Das Thema Video-Dreh, und Filmbearbeitung hat mich interessiert, weswegen ich damit begonnen habe, selbst ein paar Filmchen zu drehen, und auf meinem YT-Kanal zu veröffentlichen. Damit macht man sich angreifbar. Deswegen, weil man der Öffentlichkeit etwas von sich Preis gibt. Die Schattenseite eines in meinen Augen guten Gedanken.
Mir aufgrund meiner Meinungsäußerung einen Shitstorm einzufangen, der es mir vielleicht zukünftig unmöglich machen wird, meinen jahrelang erarbeiteten Kanal in der Weise weiter zu führen, ist meine Befürchtung. Ist das jedoch okay? Sollte man mit seiner Meinung hinter dem Berg halten, weil man sonst Angst haben muß, Repressalien dafür in Kauf nehmen zu müssen? Eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist.
Zum Teil finde ich es auch nervig. Lese ich mir die Kommentare unter Filmen bei Youtube durch, habe ich oft den Eindruck, daß sich jeder, also wirklich jeder, dazu berufen fühlt, seine Meinung über irgendwelche Dinge ungefiltert in den Äther zu blasen - und wenn ich ehrlich bin, nervt das auch ziemlich. Ich fand die Idee von einem Comedian sehr innovativ. Jeder, der einen Kommentar abgibt, soll dafür einen kleinen Geldbetrag, wie beispielsweise 50 Cent, zahlen. So würde man der Menge der oft unsachlichen Randbemerkungen ein wenig Einhalt gebieten. Schöner Nebeneffekt: Meinungsäußerung wäre nicht mehr beliebig, sondern hätte tatsächlich einen "Wert". Jeder Kommentator müßte sich vor Abgabe seiner Meinung die Frage stellen, ob daß, was er zu sagen hat, ihm in der Tat so wichtig ist, daß er auch dafür bereit wäre, Geld dafür zu bezahlen. Da dies aber leider nicht so ist, verpuffen viele der Kommentare in der schieren Anzahl der Konkurrenten. Werden oft nicht gelesen, auch wenn der eine, oder andere Kommentar einen wichtigen Denkanstoß geben könnten.
Auch wenn ich den diesjährigen Beitrag Deutschland zum ESC aus verschiedenen Gründen nicht mag, werde ich das nicht kommentieren - der Blog hier ausgenommen, denn den liest so gut wie niemand. Somit bewege ich mich zumindest hier auf einem sicheren Terrain.
Ich mußte realisieren, daß es mir aus den o. g. Gründen es nicht mehr Wert ist, meine Meinung zu oftmals unwichtigen Dingen des Lebens in der Öffentlichkeit kund zu tun. Mein Frieden ist mir lieber geworden, als der Drang, meine Sicht der Dinge zu veröffentlichen.
Doch ist diese Entwicklung tatsächlich gut?
Ich vermute, daß es bereits vielen anderen Internet-Nutzern so ergeht wie mir. Auch wenn ich intellektuell sicherlich nicht zur Cremé-de-la-cremé der deutschen Nerds gehöre, beschleicht mich doch das Gefühl, ich gebe das Feld der Kommentare frei für Menschen, die kein Problem damit haben, unsachliche, beleidigende, oder faktisch falsche Dinge zu posten. Wird denen zukünftig kein Gegengewicht entgegen gesetzt, muß man sich nicht wundern, daß sich Fake-News vielleicht noch schneller verbreiten, als es jetzt schon der Fall ist.
Die Wahrheit ist wohl, daß jeder selbst für sich entscheiden muß, ob, und was er in Internet veröffentlicht, und kommentiert. Man muß selbst abwägen, ob einem das, was man zu sagen hat, wichtiger ist, als eine nicht steuerbare Gegenreaktion von anderen Menschen.

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