Donnerstag, 23. Februar 2023

Die Sache mit der Gurke

 Achtung, jetzt wird es wieder schmuddelig!

...werden sich jetzt bestimmt einige denken, die schon alleine durch die phallische Ausstrahlung einer Gurke in ihren Gedanken beflügelt werden. Doch so isses eigentlich gar nicht, obwohl die beiden Sachen in diesem Fall schon zusammen hängen.

Ein TV-Junkie bin ich eigentlich nicht. Dennoch verbringe ich, wie schon mal hier geschrieben, gerade am Abend gerne einmal ein wenig Zeit vor der Glotze. Neulich kam wieder mal nichts Vernünftiges im Fernsehen. Das kenne wir ja. Zum Glück bin ich Besitzer eines Gerätes, mit dessen Hilfe ich von einem bekannten Anbieter Bezahlfernsehen empfangen kann. Beim Durchblättern des Angebots bin ich tatsächlich über eine schwule Serie aus England gestolpert, die den markigen Namen "Cucumber", also Gurke trägt.

In dieser geht es in erster Linie um ein schwules Paar, das in einer festen, monogamen Beziehung lebt. Beide sind annähernd in meinem Alter, was für einen schwulen Film ungewöhnlich ist, und mich gerade deswegen neugierig gemacht hat. Henry und Lance sind nach außen hin ein tolles Paar: Sie scheinen sich zu ergänzen, und eine harmonische Freundschaft zu führen. Ein ideales Vorzeigpaar eigentlich. 

Eigentlich...

Denn unter dem Deckmantel Ihres offiziellen, öffentlichen Auftritts brodelt es bereits. Vor allem Lance leidet unter ihrem spärlich vorkommenden Sex-Lebens, welches die beiden, obwohl bekannt, totschweigen. Das hat Folgen. Nach einem ausgelassenen Abend in einem Club nehmen die beiden für einen Dreier einer Mann mit nach Hause. Während Lance sich mit dem jungen Mann vergnügt gesteht sich Herny erst jetzt ein, daß er Lance Bedürfnisse zu lange vernachlässigt hat. Nach einem Streit trennen sich die beiden, und versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber nur soviel: Ich fand die Serie mehr als sehenswert, und bin schon auf die kommende Staffel gespannt (ich hoffe, da kommt noch was!).

Was mich bewogen hat, mich hier über die Serie auszulassen, ist, das Henry mir in vielen Teilen sehr ähnlich ist. Nicht nur die Unart, Probleme in einer Beziehung um des Friedens Willen nicht anzusprechen eint uns. Vor allem aber Henry's Abneigung gegen das Ficken verhält sich bei mir ebenso hartnäckig. Alle anderen Akteure dieses Plots sind dagegen ganz wild drauf, sich ihre Hintern von anderen Männern penetrieren zu lassen. Henry steht mit seiner ablehnenden Haltung allein auf weiter Flur. Wenn ich mir die Anzeigen von GR in Erinnerung rufe, dann scheint es in der Tat so zu sein, daß sehr viele Männer die Penetration untereinander sehr genießen, und als überaus befriedigend empfinden.

Ich hatte mich hier bereits als Mann geoutet, der dieser Art der sexualen Betätigung nicht ablehnend, aber eher skeptisch gegenübersteht. Wie, und warum sich dieser Umstand bei mir so entwickelt hat, ist für mich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch schwer nachzuvollziehen.

Im Alter von 22 ließ ich bei mir einen operative Eingriff an meinem besten Stück durchführen, um eine dort vorhandene Induratio Penis Plastica (Peniskrümmung) beseitigen zu lassen. Auslöser dafür war einer meiner ersten Freunde, der gerne von mir penetriert werden wollte. In einer für diese Zeit normalen, aber zwischenzeitlich überholten, und ziemlich blutige Methode wurde mein Penis begradigt. Im Zuge dessen mußte ich beschnitten werden. Als ich noch jünger war, und mein bestes Stück offenbar noch nicht so abgestumpft aufgrund meiner Beschneidung war, hatte ich in der Tat ein paar Zusammentreffen mit anderen Männern, bei denen ich als aktiver Part tatsächlich erfreuliche Höhepunkte in den Kehrseiten meiner Bettgenossen feiern konnte. Das hat sich jedoch in der Zwischenzeit verändert. Zum einen macht es mich nicht mehr "geil" (sorry für das Wort, aber anders ist es schlecht auszudrücken). Der Gedanke, mit einen anderen Mann so zusammen zu kommen, erregt mich einfach nicht mehr, was natürlich der Standhaftigkeit entgegen wirkt. Andererseits hatte ich auch schon den Fall, selber meinen Allerwertesten zur Verfügung zu stellen. Wenn früher meine Prostata noch für diese Berührungen sensibel genug war, um mir schöne Gefühle zu bereiten, so scheine ich auch in dieser Körperregion zwischenzeitlich nicht mehr im Stande zu sein, sexuell angenehme Gefühle zu empfinden.

Ist das alles vielleicht doch eine Alters-Erscheinung? Das ist eine Frage, die mir seit ich die Serie gesehen habe, oft durch den Kopf geht. Ganz nebenbei würde mich auch interessieren, ob "Ficken" bei schwulen Männern tatsächlich so einen hohen Stellenwert hat, weil es viele Schwule so erregt, oder ob es viele über sich ergehen lassen, um nicht im Ranking einen Downgrade zu erhalten.

Was meint Ihr? 

Mich hat diese nicht-vorhandene Vorliebe für's Ficken immer sehr belastet. Ich habe mich lange Zeit dafür geschämt, als schwuler Mann in dieser Hinsicht so makelbehaftet zu sein. Über diesen Punkt bin ich hinweg. Ich bin nicht perfekt. Ich habe mich dazu entschlossen, mich nicht mehr zu schämen, wenn ich manches nicht kann, oder nicht mag - und meistens klappt das auch sehr gut!
Als Homosexueller hat man es nicht leicht. Befeuert durch den ewigen Leistungsdruck unserer Gesellschaft, gerade auch in dem sexuellen Bereich, greifen nicht wenige zu drastischen Mitteln, um beim Austausch von Körperflüssigkeiten einen möglichst bewunderungswürdigen Eindruck zu hinterlassen. Die Männer, die das nicht wollen, oder können, leiden vermutlich genauso wie ich darunter gelitten habe, in dieser Disziplin nicht mit den anderen mithalten zu können. Der Grund, warum ich delikate, und sehr private Details von mir in diesem Post veröffentliche hat damit zu tun. Ich würde mich freuen, wenn ich mit meinen offenen Worten anderen dabei helfen kann, sich so anzunehmen, wie sie sind - auch wenn das oberflächlich gesehen unperfekt ist.

1 Kommentar:

Exilostfriese hat gesagt…

Hinsichtlich Analverkehr gibt es 4 Arten von Männern:
Solche, die ihn nur aktiv mögen.
Solche, die ihn nur passiv mögen.
Solche, die ihn aktiv und passiv mögen.
Solche, die ihn gar nicht mögen.
Es gibt diese vier Gruppen bei homo- und heterosexuellen Männern. Vermutlich in gleicher Verteilung, wenn sich denn alle trauen würden, herauszufinden, zu welcher Gruppe sie tatsächlich gehören.
Und es ist ok, zu irgendeiner dieser Gruppen zu gehören.
Es ist allerdings schade für Betroffene, eine erotische Zone gehabt und verloren zu haben.