Dienstag, 26. März 2019

Schauspieler zu sein ist zum kotzen!

...okay, ich gebe es zu: Ich esse oft vor dem Fernseher! Das bedeutet nicht etwa, daß bei mir in jedem Raum ein Fernseher steht - nein, weiß Gott nicht! Ich besitze nur ein Gerät, und dieses befindet sich in meinem gemütlichen Wohnzimmer, vor meiner gemütlichen Couch. Warum ich mein Abendessen oftmals vor dem Fernseher einnehme? Ich denke, der Mensch ißt grundsätzlich ungern alleine. Bei der Nahrungsaufnahme in Gesellschaft zu sein steckt in uns drin.

Ich wohne seit ein paar Jahren wieder alleine, und esse dementsprechend häufig auch alleine. Gerade nach einer Spätschicht vertreibt mir der Fernseher dabei die Einsamkeit, und gibt mir das Gefühl, während der Nahrungsaufnahme unter Menschen zu sein. Ja, ich mache das wirklich gerne - ein Abendessen in der Küche vorbereiten, mich dann auf die (schon erwähnte) gemütliche Couch in mein (schon erwähntes) gemütliches Wohnzimmer setzen, mich berieseln lassen, und dabei meinen leeren Magen mit leckeren Dingen befüllen.

So auch vor ein paar Tagen. Ich saß vor dem Schirm, und, weil wie so oft im regulär empfangbaren Fernsehen nichts Vernünftiges lief, wählte ich eine Serie im Pay-TV aus. Ein Weltraum-Abenteuer mit Hally Berry versprach kurzweilige Unterhaltung.
Gerade, als ich mir ein Stück leckere Wurst in den Mund schob, entschloß Hally sich die ihrerseits vor geraumer Zeit verspeisten Lebensmittel über ihren Mund in eine Toilettenschüssel zu entsorgen!



WTF??!!

Ich bin nicht zart besaitet, somit hat mir diese Szene nicht den Appetit verdorben. Was mir jedoch wie Schuppen aus den Haaren fiel ist die Erkenntnis, wie stark sich doch seit meiner Kindheit Medien, im speziellen das Fernsehen & Filme verändert haben. Ist Euch das auch schon aufgefallen? Hier ein paar Beispiele dafür...

  1. Zeit für eine Übergabe

    Es scheint so, daß Drehbuchautoren versuchen, die zu einem Film verarbeitete dünne Story eines Buchs damit aufzuwerten, uns Zuschauer mit übertrieben offenen Bildern zu konfrontieren. Seit ein paar Jahren ist es offenkundig en vogue, daß sich Charaktere in Filmen übergeben müssen. Aber warum? Erhöht das die Dramatik? Meinen die Regisseure, daß der Zuschauer nach einer solchen Szene glaubt, es handle sich um ein besonders anspruchsvollen Arte-Film? Zeigt es, daß der Schauspieler besonders professionell ist, und sich voll, und ganz in seiner Rolle verliert? Vielleicht liegt es auch am Punkt zwei (siehe unten), oder an den schlechten Drehbüchern, daß vielen Schauspieler einfach während der Arbeit so übel wird...?
    ...also bitte...
  2. Auf die Kippe, fertig, los!

    Schon als Kind wurde mir eingebläut, wie gefährlich rauchen ist. Ich gehe davon aus, daß es in der Zwischenzeit nicht gesünder ist, sich den Rauch einer Zigarette in die Lungen zu saugen. Vor einigen Jahrzehnten hat diese Erkenntnis dazu geführt, daß man nach den medialen Rauchexzessen der 70er kaum noch Menschen im Fernsehen sah die geraucht haben.
    Dieser Trend hat sich umgekehrt. Viele Charaktere in Filmen quarzen wie kaputte Öfen, und vermitteln einem das Gefühl, daß es auch ganz okay ist, wenn man sich eine Zigarette ansteckt. Gerade für jüngere Zuschauer nicht gerade ein gutes Vorbild!
    Ist das eine Art des Ausbrechens? Eine Rebellion gegen die Vernunft, in die wir von der Außenwelt oft gedrängt werden? Ich denke, das hat bestimmt etwas damit zu tun. Macht die Sache aber auch nicht besser - und wenn das schon mal jemand schreibt, der sich selber ab & zu mal eine Fluppe ansteckt!
  3. Erwecke das Kind in Dir

    Samstag Abend. Die sog. Prime-time. Um 20:15 Uhr liefen in meiner Kindheit meist die großen Samstag-Abend-Shows, wie "Einer wird gewinnen", oder "Musik ist Trumpf". Ein Programm für Erwachsene, daß aber auch die ganze Familie vor dem Fernseher versammeln sollte. Das hat damals gut funktioniert.
    In der heutigen Zeit versucht man das gleiche Konzept. Der Tatsache geschuldet, daß im Gegensatz zu meinen Kindertagen heute die Erwachsenen mehr von den Kindern beeinflußt & gesteuert werden als umgedreht, findet man nun zur besten Sendezeit Sendungen wie "Klein gegen groß", oder "Frag doch mal die Maus". Bei diesen Formaten versucht man Kindersendungen auf ein Erwachsenenmaß aufzublasen, während man im Gegenzug im Vorabendprogramm jetzt Krimis ansehen kann, in denen mehr Kunstblut vergossen wird, als zu meiner Kindheit im Spätprogramm.
  4. Heute ist heute nicht mehr heute

    Die öffenlich-rechtlichen haben in der Zeit, als wir von Schwiegertocher gesucht, und Frauentausch noch verschont geblieben sind, gegeneinander konkurriert. Um am Nachrichten-Monopol der Tagesschau zu kratzen, haben sich die Nachrichten-Macher im ZDF ein anderes Konzept ausgedacht: Nachrichten schon um 19Uhr, dafür aber 30 Minuten statt einer viertel Stunde. Ob das Konzept aufging kann ich nicht sagen, fand die Idee allerdings gut, da die doppelte Zeit zur Verfügung stand, genauer auf Dinge des Weltgeschehens einzugehen.
    Und heute heute? Die Nachrichten wurden zu Gunsten der Werbung (...sorry, da heißt sie bestimmt "sponsoring"...) auf 15 Minuten gekürzt, und man bekommt erst nach der großen, Einnahmen-bescherenden Werbesause das Wetter aufgetischt!
    Auch wenn das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender in meinen Augen um Welten besser ist, als das oft niveaulose Programm der privaten Konkurrenz frage ich mich manchmal, ob die Öffis ihren Hals gar nicht mehr voll bekommen.
Ihr werdet sagen: Alles verändert sich, natürlich auch das Fernsehen. Und ihr habt damit recht. Nichts bleibt, wie es ist. Alles ist im Fluß, wird besser, oder schlechter. Die Medien, und auch das Fernsehen haben sich für meinen Geschmack weiterentwickelt, aber dennoch heiße ich nicht alle Veränderungen gut. Gestern wie heute sind viele Entwicklungen im Fernsehen dem aktuellen Zeitgeist geschuldet. Damit bleibt für mich zu hoffen, daß sich die oben erwähnten Zustände auch wieder ändern werden. Man darf gespannt sein, was da noch kommen mag.
Einen Vorteil hat man allerdings als mündiger Fernsehkonsument: Man kann das Ding ggf. auch ausschalten, und begibt sich wie in meinem Beispiel tatsächlich unter andere Menschen, um mit diesen ein leckeres Abendessen einzunehmen. Guten Appetit!

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