Für Menschen wie mich kann das Ganze jedoch auch aus dem Ruder laufen. Dann nämlich, wenn der Wunsch Zeit für sich zu haben dazu führt, daß man sich immer mehr von anderen Menschen zurückzieht. So geschehen bei mir, weswegen ich in dieser Hinsicht aus meinen eigenen Erfahrungen reden kann. Wie schon geschrieben ist der Weg zurück zu anderen Menschen ein steiniger, vor allem auch, weil 24 Stunden Tageszeit meist zu wenig sind, um Arbeit, Schlafen, und Freizeitaktivitäten unter einen Hut zu bringen. Irgendwas bleibt meist auf der Strecke. Bei mir waren es zum großen Teil meine spärlichen Freundschaften.
Einsamkeit scheint ein Phänomen unserer Zeit zu sein. Erst kürzlich, als ich auf meinem Browser eine neuen Tab aufgemacht habe, wurde mir dieser Artikel zum Lesen angeboten. Er handelt unter anderen davon, daß sogar die Bundesregierung die Einsamkeit bekämpfen will, und diese Absicht im Koalitionvertrag der beiden Volksparteien festgeschrieben hat:
„Gesellschaft und Demokratie leben von Gemeinschaft. Familiäre Bindung und ein stabiles Netz mit vielfältigen sozialen Kontakten fördern das individuelle Wohlergehen und verhindern Einsamkeit. Angesichts einer zunehmend individualisierten, mobilen und digitalen Gesellschaft werden wir Strategien und Konzepte entwickeln, die Einsamkeit in allen Altersgruppen vorbeugen und Vereinsamung bekämpfen.“Hört, hört! Erstaunlich dabei finde ich, daß für das immer weiter Voranschreiten einer Vereinsamungsbewegung die "mobile & digitale Gesellschaft" verantwortlich sein soll. Bestimmt fördern die neuen Medien die Vereinsamung, weil viele lieber alleine zu Hause an ihrem Rechner sitzen, anstatt sich wie anno dazumal auf den Weg in das nächste Wirtshaus zu machen. Und wer nicht glaubt, das Smartphones ein Kommunikationskiller sind, der muß sich nur mal in ein Wartezimmer beim Arzt, oder in einen vollen Zug zur Rushour setzen.
Aber ich denke, das ist nur eine Hälfte der Wahrheit.
Wir, die zivilisierte Welt, entwickelt sich zu einem Volk von Individualisten. Viele Menschen sehen sich als den Mittelpunkt der Welt - zugegebener Weise ist natürlich auch jeder der persönliche Mittelpunkt seiner persönlichen Welt. Früher fügte man sich als Mitglied dieser Gesellschaft jedoch in diese ein, versuchte dort einen möglichst guten Platz zu bekommen. Heute jedoch distanzieren sich viele eher von "der Gesellschaft". Vermutlich, weil sie etwas besseres sind. Besser als der Pöbel, also der Rest der sie umgebenden Menschen. Zu negativ findet Ihr?
Versuchen nicht immer mehr Menschen sich durch ihr Verhalten, ihren Lebensstil, oder ihr Äußeres von den sie umgebenden Menschen abzuheben? Aus der Masse herauszustechen, um besser wahrgenommen zu werden? Mir kommt es schon so vor. Beispiele?
Um mich nicht wieder in Kleinigkeiten zu verlieren hier nur ein paar Stichpunkte: Tätowierungen, Piercings, Schönheits-OP´s, SUV fahren statt Kleinwagen, Öko sein & Bio einkaufen, Veganer sein, Rauchen & Nichtrauchen (aber immer schön militant), bloggen, youtube-Filmchen aufnehmen, Selfies, Facebook, Istagram, etc.
Man will raus aus der Masse, was ja irgendwie auch verständlich ist. Geht mir ähnlich, weswegen ich das auch nicht verurteilen kann. Nach was ich mich jedoch sehne ist das Gefühl, ein wichtiger Teil von etwas Größerem zu sein. Als Teil einer Community etwas beizutragen, daß irgendetwas besser läuft als vorher, und dafür mit der Gesellschaft anderer belohnt zu werden - irgendwas in der Art. Ich kann das schlecht ausdrücken, aber vielleicht weiß der eine, oder andere, was ich damit meine.
Vielleicht ist es aber auch die Angst, irgendwann wirklich einmal ganz alleine dazustehen. Wie jemand, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat, und mutterseelenalleine in eine neue Stadt zieht. Oder einen Familienvater, der für seine Familie, den Hausbau, und für das liebe Geld alle Brücken zu Jugendfreunden abgebrochen hat, und er nun im hohen Alter ohne Kinder & Frau alleine im Alterheim verschimmelt. Das denke ich will doch keiner, oder? Ich jedenfalls nicht!
Deshalb heißt es: Raus aus der Hütte, und Freundschaften pflegen, so gut es eben geht. Und wenn man es schon nicht schafft, seinen Arsch aus der Wohnung zu bekommen, so gibt es zu Glück ja noch das Telefon. Alles ist besser als Whatapps & Emails zu verschicken. Da kann man ja auch gleich Texte in einen Blog schreiben, die dann eh keiner liest. In diesem Sinne...

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