Sich zu verlieben ist einfach...Du sitzt vor Deinem Rechner, oder streichelst Dein Handy - bist online auf einer der zwischenzeitlich weit verbreiteten Datingplattformen. Plötzlich ein Smilie. Es folgt ein Chat. Man telefoniert. Trifft sich.
Bäng! Es knallt, und Endorphine überfluten Dein Blut. Kennen wir alle.
Oder...
Du sitzt in einem Cafe, oder in der dunklen Ecke eines Clubs. Du bist entweder total unvoreingenommen, oder hast es vielleicht sogar drauf ausgelegt jemanden kennenzulernen. Plötzlich trifft Dich der Blick zweier Augen, der Dich nicht mehr losläßt. Ein Lächeln. Kurzes Blick senken, und dann wieder Augenkontakt herstellen. Du merkst, da passiert gerade etwas. Er/Sie schlendert zu Dir herüber, und Dein Puls steigt. Ein kurzes
"Hallo"
Bäng! Es knallt, und Endorphine überfluten Dein Blut. Kennen wir alle.
Später...
Du bist jetzt ein "Ihr".
Ein "...der Michael & die ...", oder ein "...der Michael & der..."
Singular ist out. Und Du bist glücklich, daß es so ist. Immer noch Glückshormone im Blut, und ein permanentes Idiontengrinsen ist Dir auf das Gesicht getackert. Jeder soll es erfahren. A dream comes true. Verdammt, ist das schön...
Später...
"Ihr" seid ein Paar. Der Alltag ist auch da, und macht sich in Euerer Wohnung breit. Du liebst Deinen Freund, doch die Endorphine sind wieder weißen Blutkörperchen gewichen. Ihr kennt Euch gut jetzt. Du weißt, wie Dein Freund schläft. Und das schnarchen ist jetzt nicht mehr ein lieblicher Elfengesang, sondern nervt ein wenig - aber nur ein wenig! Kennen wir alle.
Später...
Die Jahre sind vergangen. Du bemerkst immer mehr Dinge, die Dir vorher nicht aufgefallen sind:
Der schlechte Mundgeruch beim Guten-Morgen-Kuss.
Das verpinkelte Klo.
Zigarettenkippen in den Blumenkästen.
"...und hey: Wo sind eigentlich meine Endorphine abgeblieben? Ich brauche das Zeug hier, und zwar schnell! Verdammte Kacke..."
Später...
Du bist genervt. Was machst Du eigentlich hier? Warum fühlst Du Dich eingesperrt, und ausgenutzt?
Nur weil Du dauernd Deinem Freund hinterher putzen mußt?
Nur, weil Du im Gästezimmer schlafen mußt, weil es im Schlafzimmer so laut ist wie in der U-Bahn zur Rushour?
Nur, weil Du nur noch Sex mit Deiner rechten Hand hast, und Wärme nur noch vom Heizkörper bekommst?
Nur deswegen?
Ach komm schon...
Später...
"Ich MUSS hier raus"
Ist das so schwer zu verstehen?
...verdammt, verdammt, verdammt....
Später...
Ein unausweichlicher Schritt folgt nun: Du mußt Schluß machen. Aber wie?
Ohne den anderen zu sehr zu verletzen.
Ohne an Schuldgefühlen zu ersticken.
Ohne jahrenlangen Psychoterror.
Wie soll das gehen?
Früher hat es mit einem Auge-zu-Auge-Gespräch nicht funktioniert. Alles was schief gehen konnte, lief schief.
Dabei hat doch die Brigitte im Internet geschrieben:
"Nur persönlich ist es dufte. Alles andere ist feig, unreif, und blöde. Aba echt, hey!"
Doch nochmal Depressionen? Nochmal Psycho-Tripp?
Nein, Danke!!
Verdammt, es muß auch anderes gehen!
Du kannst schreiben. Das weißt Du. Warum also nicht?
Kein Streitgespräch.
Keine Tränen, die einem das Leben zur Hölle machen.
Ein Brief ist Dein Werkzeug.
Es ist, wie wenn man von einem Flugzeug aus eine Bombe auf eine Stadt abwirft. Man hört den Knall, aber sieht nicht, wieviel Leid man angerichtet hat. Erst wenn sich der Rauch verzogen hat, und die Aufräumtrupps vor Ort waren, kehrt man zurück.
Sieht doch alles gar nichtso schlimm aus, oder?
Verdammtes Schwein gehabt, mein Freund!!
Ein Selbstversuch. Kennen wir alle.
Wieder einmal.
Was erwartet Dich/Mich(!) dieses Mal?
Ich bin's so verdammt leid!
Verdammt, verdammt, verdammt...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen