In den letzten Jahren bin ich selber oft auf einem Datingportal unterwegs, immer auf der Suche nach dem Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Ich weiß nicht warum, aber es scheint so, als wären die Männer, die für mich dafür in Frage kommen, grundsätzlich minimun 400 km von mir entfernt. So wir mir geht es vielen anderen Kerlen, die sich wie ich im Internet herumtreiben, um dort einen Partner zu finden. Es kann also nicht an meiner Örtlichkeit liegen, sondern scheint ein generelles Problem zu sein. Ist es Murphy´s Law? Ist es eine Strafe Gottes für unser sündiges Handeln? Oder muß es so sein, damit sich die Bevökerung durchmischt? Ich habe zumindest das Gefühl, das dieses Phänomen nur bei schwulen Männern aufzutreten scheint. Alle Hetero-Pärchen, die sich in meinem Dunstkreis aufhalten, haben sich in unmittelbarer Nähe kennen-, und lieben gelernt. Da ich immer wieder in die Situation komme, von einem interessanten Mann angetickert zu werden, der sich meilenweit von mir entfernt befindet, stelle ich mir häufiger die Frage, ob eine Kontaktaufnahme zu einem weit entfernten Mann sinn macht.
Zumindest scheint ein Kontakt zu einem Outlander das Denkvermögen anzuregen. So geht es zumindest mir. Je mehr ich mich mit einem auserwählten Fremden in der Ferne austausche, sei es über einen Chat, oder über das Telefon, desto mehr kämpfen zwei Seelen in meiner Brust über die Vorherschaft meines Lebens. Eine Seite sagt mir, daß es abgrund schwachsinnig ist, alles, also wirklich alles bisher im Leben erreichte über Bord zu werfen, um mit jemanden eine Partnerschaft zu beginnen, deren Ausgang so ungewiß ist, wie das Wetter im nächsten Sommerurlaub. Auf der anderen Seite denke ich mir, das nur neue Herausforderungen mich in meinem Leben weiter gebracht haben, und sich viele Dinge meist nicht so dramatisch entwickelt haben, wie ich es befürchtet hatte. Wieder einmal bin ich unschlüssig, welchen Weg ich einschlage soll. Meine weiblichen Chromosomen haben in dieser Frage die Oberhand.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich, wie ich als Opa den Enkeln meiner Neffen erzähle, welch bewegtes Leben ich hatte. Deswegen, weil ich oft umgezogen bin. Deswegen, weil ich durch meinen dauernden Standortwechsel eine unvorstellbare Anzahl an Erlebnissen hatte - gute, wie schlechte. Deswegen, weil ich immer wieder andere Partner hatte, denen zuliebe ich von einem Bundesland in ein anderes gezogen bin, immer auf der Suche nach dem Glück meines Lebens. Bescheuert oder?
Die andere Variate: Ich habe meinen Ur-Neffen keine spannenden Stories zu bieten, lebe jedoch seit langer Zeit in einer finanziell sicheren Lage an dem gleichen Standort, allerdings alleine. Was denkt ihr ist die bessere Option?
Wäre ich nicht so verdammt heimatverbunden, wäre es vermutlich leichter für mich. Es ist schon witzig, daß mir das vorher noch nie aufgefallen ist. Erst neulich, als ich nach einem Kurzurlaub aus Thüringen mit dem Zug wieder nach Hause gefahren bin, ist mir das bewußt geworden. Dann, als ich nach stundenlanger Zugfahrt aus dem Fenster meines IC geschaut haben, und endlich wieder den Anblick der Sonne genießen durfte, die am Horizont hinter den Alpen hoch am Himmel stand. Ich wußte, ich bin wieder zurück - zu Hause. Da, wo ich herkomme. Da, wo meine Wurzeln sind. Ich hätte nicht gedacht, daß sich meine mir vertraute Umgebung, die ich seit Jahrzehnten kenne, so in mein Unterbewußtsein gebrannt hat. Seltsam, oder?
Es ist eine Abwägungs-Sache. Ungewisse Zukunft mit der Chance auf das absolute Glück, oder ein gleichbleibender Strom an Sicherheit, und Zufriedenheit. What´s my kind of choice? Das ist die Frage...
Sicherlich fragt ihr Euch, warum zum Henker ich unbedingt umziehen muß. Wenn ich jemanden kennenlerne, könnte doch auch dieser Jemand zu mir ziehen. Die Antwort ist leicht: Ich möchte das nicht. Das aus folgenden Gründen.
- Zum einen ist es schön, beim Scheitern einer Partnerschaft einfach sein Hab & Gut zusammen zu packen, und den Ort zu verlassen, der einem nichts mehr bedeutet - ohne Mietverträge zu kündigen, oder eine Immobilie verkaufen zu müssen. Man hat nicht das Problem, das sich plötzlich jemand in der eigenen Wohnung befindet, der dort weg sollte. Auch dann, wenn er vielleicht nicht freiwillig gehen will!
- Ich gehe davon aus, daß es anderen genauso schwer fällt, ihre gewohnte, anvertraute Umgebung zu verlassen, wie es mir auch gehen würde. Das möchte ich keinem zumuten. Schon gar nicht dem jenigen, den ich liebe.
- Es besteht die Gefahr, daß sich der neue Partner ganz und gar auf mich, bzw. meine Person ausrichtet, keine Freunde findet, sich nicht mit neuen Kollegen im neuen Job anfreundet, und somit in meiner Freizeit omnipräsent ist.
Was denkt ihr? Hat eine Fernbeziehung auf die Dauer eine Chance?

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