Sonntag, 11. Juni 2017

Wendepunkt

Ich bin wieder da. Ich weiß, diesen Blog lesen fast keine Menschen außer mir, was mir ehrlich gesagt auch relativ egal ist. Diesen Blog schreibe ich überwiegend für mich. Als Katalysator, der meine Gedanken sortiert. Da meine Worte Dank Internet öffentlich sind, fühle ich mich aber verpflichtet, der handvoll Menschen, die diesen Blog tatsächlich lesen, mitzuteilen, warum ich die letzte Zeit offline war. Ich hege die Hoffnung, daß die hier geschriebenen Zeilen evtl. jemanden helfen könnten, dem es so ähnlich geht wie mir.



Ich dachte es geht aufwärts. Ich dachte, ich habe das Schlimmste hinter mir gelassen. Doch dann kam dieser Urlaub. Ein Urlaub, der die Erinnerungen an meine Vergangenheit wieder in mein Bewußtsein gerückt, und meine Selbstzweifel in neue Höhen katapultiert hat. Meine Schuldgefühle für die wichtigsten Menschen meines Lebens sind über mir zusammen geschlagen wie eine Flutwelle, die alles unter sich begräbt. Meine Lebens-Luft war weg. Ich war am ertrinken, und brauchte jemanden, der mich aus dem Wasser zieht. Doch da war niemand. Zumindest niemand, der mir vertraut war. Was nun?


Aus Verzweiflung, und aus Mangel an Alternativen habe ich mich meinem Hausarzt anvertraut. In einer für mich peinlichen Vorstellung habe ich ihm gebeichtet was seit Jahren in mir vorgeht. Mein Hausarzt war sehr verständnisvoll. Er hat mir eine Überweisung zu einem Phychotherapeuten ausgestellt. "Depression / Angstzustände" steht da geschrieben - ich denke, das kommt der Sache schon sehr nahe. Also werde ich im Juli mein erstes Gespräch mit einem Therapeuten führen, in der Hoffnung, daß wir einen Draht zueinander haben. Wie in einem schlechten Film. Mein Arzt hat mir homöophatische Antidepressiva verschrieben, die allerdings erst in einer Woche ihre volle Wirkung entfalten sollten. Ich bin gespannt, ob ich nach dem Eintreten der Wirkung dieser Tabletten herumlaufe wie ein Zombie. Oder so, als wäre ich total high, was ja nicht gerade einer gewissen unfreiwillige Komik entbehrt. Ein Selbstversuch. Bin mal gespannt.

Im Internet finden sich etliche Artikel zum Thema Depression. Wußtet Ihr, daß in einem Jahr in Deutschland mehr Menschen auf Grund eines Suizid sterben, als es Verkehrstote, oder Drogentote gibt? Wußtet Ihr, daß ca. 4 Millionen Menschen in Deuschland depressiv sind, aber nur 35% von Ihnen etwas dagegen unternehmen? Eigentlich müßte es doch deswegen viel mehr Aufklärung geben. Komisch, daß man in den Medien davon so wenig mitbekommt. Ist vielleicht zu wenig spektakulär. Oder es ist den meisten Menschen einfach zu peinlich, darüber zu reden. Gerade bei uns Männern geht das ja gar nicht. Wir sind ja schließlich und endlich die Harten! Die Erfolgreichen! Die mit einem Schwanz! Wir sind keine Muschis, und weinen auch nicht in der Öffentlichkeit. Schon gar nicht, wenn wir ein trauriges Lied im Radio hören, daß uns total an die Nieren geht. Soweit kommt's noch! Wer als Mann so etwas macht ist ein Weichei, oder noch schlimmer, ein schwules Mädchen. Also schäm Dich, geh ins Fitness-Studio, trink ein paar Biere, und schluck runter was Dich quält.

Genau das habe ich immer gemacht. Ich hab's runter geschluckt. Doch irgendwann einmal ist auch der größte Magen gefüllt, und was dann? Dann geht's Dir so wie mir, und jemand muß Dir helfen, den ganzen Dreck wieder loszuwerden, den Du über Jahre geschluckt hast. Jemand, der Dir hilft, daß ganze wieder rauszuholen. Jemand der Dir hilft, alles auszukotzen. So, daß es Dir wieder besser geht.
...ach ja, was ich noch sagen wollte: Vielen Dank für das tolle Männlichkeitsbild, daß mir seit meiner Kindheit von allen Seiten in den Schädel geprügelt worden ist. War mir für mein bisheriges Leben eine tolle Hilfe.

...und für alle, die sich jetzt evtl. Sorgen machen: Glücklicherweise bin ich ein ängstlicher, und neugieriger Mensch, weswegen eine Selbsttötung für mich bisher noch nie eine Option war um meine Probleme zu lösen. Ich weiß wie sich das anfühlt, wenn jemand plötzlich nicht mehr da ist. Wenn man auch nur einen Menschen hat, der einem nahe steht, dann macht man so etwas nicht! Basta!

Es gibt verschiede Symptome, mit denen sich eine Depression bemerkbar macht. Dabei gibt es unzählige Definitionen von Depressionen, und auch, wie sich diese bemerkbar macht. Die meisten dieser Definitionen treffen bei mir zu. Ich gehe deswegen davon aus, daß mein Hausarzt mit seiner Diagnose recht hat.
Wenn ich jedoch selbst eine Definition für meinen Zustand abgeben müßte, würde ich das so beschreiben:
Wenn Du in einer ruhigen Minute über Dich, und Dein Leben nachdenkst, und dabei die negativen Gedanken überwiegen, dann ist das ein sicheres Anzeichen dafür, das irgendwas mit Deinem Seelen-Zustand nicht in Ordnung ist. Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum, also über Monate an, solltest Du darüber nachdenken, aktiv zu werden.
Bei mir hat es, wenn ich vom Tod meines damaligen Freundes ausgehe, 17 Jahre gedauert, bis ich mir dessen bewußt geworden bin. Siebzehn beschissene, vergeudete Jahre, in denen unter der von außen normal erscheinenden Oberfläche ein mentaler Tumor in meibem Unterbewußtsein meinen Geist vergiftet hat.

...doch jetzt wird operiert...

Das war jetzt der Newsflash für diesen Blog. Wie es weitergeht werde ich vermutlich hier posten - außer es wird zu peinlich!

P.S: Als ich den Blog gestartet habe, hätte ich nicht gedacht, das er sich in diese Richtung entwickelt. Verrückt, oder?

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