Es ist mal wieder soweit. Ich muß mir
hier dem Mist von meiner Seele schreiben, da ich leider keine Freunde
habe, denen ich mich anvertrauen kann. Ihr müßt Euch das hier nicht
antun. Klickt bei Bedarf einfach weiter. An einen Ort der Freude
versprüht. Falls ihr Euch das aber doch antun wollt...bitte schön:
Ich kann mich noch gut daran erinnern,
das ich diese Wort das erste Mal in der Schule gehört habe. Damals
wurde uns der Begriff der Osmose anhand eines Versuchs im
Biologie-Unterricht erklärt. Ein Versuch, der vermutlich aus
Tier-ethischen Gründen heute so nicht mehr statt finden würde. Bei
dem Versuch wurde eine mit einfärbten Wasser gefüllte Schweineblase
in ein Aquarium gelegt, in dem sich ungefärbtes, normales
Leitungswasser befunden hatte. Dieses Aquarium verschwand dann für 2
Tage in einem Nebenraum, bevor es während einer weiteren
Biologie-Stunde wieder gezeigt wurde. Zu unserem Erstaunen hatten
sich die beiden Flüssigkeiten innerhalb, und außerhalb der
Schweineblase komplett ausgeglichen. Das Wasser hatte nun innerhalb,
und außerhalb der Blase die gleiche Farbe. Das Prinzip der Osmose
wurde uns damit im wahrsten Sinne augenscheinlich erklärt: Zwei
flüssige Medien, die ungleiche Zustände haben, versuchen sich auszugleichen. Physik. Faszinierend, oder?
Schon öfters habe ich mir die Frage
gestellt, ob dieses Prinzip auch bei anderen Dingen greift. Letztens
erst vor ein paar Tagen. Ich habe mir meinen Kopf drüber zerbrochen,
während ich wieder einmal gut angetrunken vor meiner Haustür stand,
und mir eine selbst gedrehte Zigarette in die Lunge sog – und daß,
obwohl ich vor 15 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatte. Warum
stand ich hier, rauchte, und war betrunken?
Ich muß mir eingestehen, daß ich
offenbar zu Depressionen neige. Genau wie Schilddrüsenerkrankungen,
oder Brustkrebs neigen eigentlich eher Frauen dazu depressiv zu
werden. Entweder liegt es daran, daß ich schwul bin, oder aber, die
X-Chromosome in meinem Körper haben die Oberhand, wenn es um meine
geistige Verfassung geht. Wie dem auch sei: Seit der Trennung von
meinem langjährigen Partner fühle ich mich überwiegend schlecht.
Ich bin niedergeschlagen, neige dazu, daß mir bei traurigen Bildern
im Fernsehen, oder beim hören von getragener Musik die Tränen in
die Augen schießen. Ich habe einen Kloß im Hals, wenn ich mich mal
wieder mit meinem Ex getroffen habe, und dieses Treffen die schönen
Erinnerungen der Vergangenheit wieder an die Oberfläche meines
Bewußtseins spült. So wie Stunden bevor ich mich rauchend vor
meiner Haustür stehend wieder fand.
Es begann mit einem schönen, sonnigen
Tag, den ich mit meinem ehemaligen Lebensgefährten verbracht hatte,
und der damit endetet, daß wir beiden beim Essen am Küchentisch
saßen wie vor meiner MLC. Da, wo die Welt zumindest aus meiner
heutigen Perspektive noch halbwegs in Ordnung war. Wir hatten uns
wie immer gut unterhalten haben, weil wir trotz allem, was ich ihm
angetan habe, immer noch auf der gleichen Wellenlänge senden. Eine
Tatsache, die mich immer mehr davon zu überzeugen scheint, daß eine
gut funktionierende Beziehung halt doch aus mehr besteht, als aus
Sex, und dem Austausch von Zärtlichkeiten. Gerade als ich meinen Ex
fragen wolltel, ob er nicht noch Lust hätte auf eine Runde gemütliches
Fernsehen auf der Couch, klingelte das Telefon.
Mein neuer Freund rief an. Sofort
änderte sich die Situation. Hektisch brach mein Ex auf. Er wollte verständlicherweise nicht wieder einmal mitanhören, wie sein immer
noch geliebter ehemaliger, vermeintlicher Noch-Partner mit einem anderen Mann telefoniert,
lachend, und offenkundig verliebt. Zu sehr schmerzt diese Art von
Audio-Input. Ich spürte, wie sich die entspannte Situation plötzlich
spannte. Ich konnte förmlich körperlich fühlen, wie sich Körper &
Geist meines Gegenübers verstreifte. Ich sah, wie sich vor die
vorher noch lachenden Augen plötzlich ein tod-trauriger Schleier
der Resegnation legte. Ich wollte ihm sagen, er solle kurz warten. Das
Telefonat wird nicht lange dauern, und dann könnten wir zum
gemütlichen Teil übergehen: Auf der Couch herum lümmeln,
Fernsehen, die Katzen auf einem herum turnen lassen, und sie
steicheln.
Doch es ist zu spät. Hektisch verließ
mein Freund die Szene, flüchtete förmlich in sein Auto, vergaß
sogar seine Jacke bei mir.
Er ließ mich zurück - mit einem
unsagbaren schlimmen Scheiß-Gefühl, das nicht nur in meinem Kopf zu
spüren war, sondern, daß von meinem ganzen Körper besitzt zu
ergreifen schien. Ein Gefühl, als würde man in der Sonne liegen,
und dann langsam mit dem ganzen Körper in einen kalten See
eingetaucht werden. Einem See der so kalt ist, daß es einem die
komplette Wärme aus dem Körper zieht. Eine Kälte, die in den
Körper kriecht, alle Sinne taub werden läßt, und die jede schöne
Erinnerung der letzten Stunden abzutöten schien.
Die Freunde über den schönen Abend,
und meine Freude, mit meinem ehemaligen Weggefährten wieder einmal
einen schönen Abend verbracht zu haben, war verflogen. Ersetzt
worden, durch ein übergroßes Gefühl der Schuld. Ja, ich bin
verdammt nochmal schuld daran, daß es dem Menschen so beschissen
geht, der für mich immer noch der wichtigste Mensch in meinem Leben
ist. Dem ich ohne zu zögern einen Niere spenden würde. Dem ich
vertraue. Doch statt ihm Freude zu bereiten, würge ich ihm jedes Mal
wenn wir uns treffen Eine rein. Jedes Mal dann, wenn ich mal wieder
ein seltenes Lachen auf seinem Gesicht sehen darf. Das macht mich
fertig, und ich will das nicht mehr tun! Das muß aufhören!
...ich schweife mal wieder ab. Wo war
ich stehen geblieben? Ach ja, die Osmose...
Laut dem chinesischen Verständnis von
Körper & Geist sollten diese beiden Teile eines Menschen im
Einklang stehen. Das berühmte Jing & Jang. Ein gesunder Geist
braucht einen gesunden Körper braucht einen gesunden Geist. Habt Ihr
bestimmt schon oft gehört. Wie verhält es sich aber, wenn zwischen
Körper und Geist eine Disharmonie herrscht, so wie bei mir? Wenn der
Geist aus dem Tritt ist, der Körper aber offensichtlich keine
größeren Beschwerden hat?
Diese Gedanken waberten durch meine
Gehirnwindungen, während ich an der scheußlichen Zigarette zog, und
mir den Rauch in die Lunge zwang. Warum stand ich also hier?
Angesoffen, und rauchend? Warum hatte ich mir mehrere Biere und
etliche Jägermeister einverleibt, eine Zigarette mit furztrockenem
Tabak gedreht, und rauchte diese, obwohl sie mir eigentlich nicht
schmeckte, mir schwindlig wurde, und übel? Ich denke, ich weiß es.
Wie durch einen inneren Zwang will mein
Unterbewußtsein, daß es meinem Körper genauso dreckig geht, wie
meinem Geist. Sozusagen „Menschliche Osmose“. Ein krankhaftes
Ausgleichsverhalten. Mein kaputter Kopf will auch den Rest meines
Körpers kasteien. Damit beide Teile meines Ichs wieder im Einklang
miteinander sind. Und es funktioniert. Mir ist kotzübel den Rest des
Abends. Ich verbringe eine geschlagene Stunde vor der Kloschüssel,
da ich Angst habe, auf der Couch einzuschlafen, und diese dann voll
zu reihern. Physik konnte ich schon in der Schule nicht leiden, und
das hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt nicht verändert!
Besser wäre es natürlich, mein
halbwegs gesunder Körper würde meine Denkfabrik positiv verändern,
doch diese Variante scheint während der menschlichen Evolution
verloren gegangen zu sein. Oder ich habe es verlernt, dieses Verfahren anzuwenden. Schade eigentlich. Wenn nicht sogar tragisch.
Wie wird meine Zukunft wohl aussehen?
Ich denke, es gibt zwei Möglichkeiten, wie das ganze enden wird:
- Entweder mein Geist kriegt seinen Arsch hoch, und versucht sich wie in der Vergangenheit selbst aus dem Loch zu ziehen, in dem er sich schon so lange befindet. Da meine depressive Stimmung aber nun schon so lange anhält denke ich, daß mein Geist ohne Unterstützung von außen nicht hin bekommen. Somit befürchte ich, daß Variante zwei eintreten könnte...
- Mein Gehirn wird es schaffen, meinen Körper so lange zu bestrafen, bis ich das Zeitliche segne. Nicht allerdings mit einem Suizid, denn für so etwas hab ich zu kleine Eier in der Hose. Sondern mit Aktionen wie dem Konsum von schädlichen Stoffen wie Alkohol und Nikotin. Wenigstens wird mein Geist damit einer evtl. drohenden Alzheimer-Erkrankung ein Schnippchen schlagen. Ist ja auch was.
Nicht gerade tolle Aussichten, findet
ihr nicht auch? Aber vielleicht übertreibe ich ja auch wieder einmal. Vielleicht wird ja alles in einem Happy-End enden, bei dem im Hintergrund leise Geigenmusik spielt, wie in einem Heimatfilm aus den 50ern. Trotzdem hier ein Tipp an alle Männer: Sollten bei Euch die
Hormone zwischen dem 40 und 60 Lebensjahr anfangen verrückt zu
spielen, dann redet mit Eurem Partner darüber. Ich hab's nicht
getan, und jetzt hab ich den Salat! Ein beschissenes Spiel, aber wer
weiß für was es gut ist.
Foto im Text:
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| reinholdbayer, "Schwein gehabt" |
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