(*).....Tick...Tack....Tick....Tack....Tick....Tack....Tick...Tack....Tick....Tack....Tick....Tack....Tick...
...es ist schon wieder
Februar! die Zeit scheint nur so dahin zu rasen....
Ich erinnere mich: Vor über 2 Jahren
hatten meine Hormone mich dazu veranlaßt, mein Leben komplett
umzukrempeln. Ich wollte nicht mehr den mir bis zum erbrechen
bekannten, ausgetretenen Trampelpfad meines bisherigen Lebens folgen,
sondern neue, und deshalb aufregende Straßen erkunden, die mich in
bisher nie bekannte Regionen vorstoßen lassen sollten.
Blicken wir also mal zurück, was mir
mein Aufbruch ins Neue bisher gebracht hat. Vielleicht hilft das dem einen, oder andern von Euch, der auch vor der Entscheidung steht, in einem drastischen Schritt sein Leben verändern zu wollen. Doch vorher noch kurz zur Erinnerung die Dinge, die mir vor meinem Reset an meinem Leben nicht gefallen haben. Da wären...
- ...meine Partnerschaft, welche jahrelang ohne körperliche Nähe in jeder Form von statten lief, und in mir eine unerträgliche Sehnsucht nach Geborgenheit auslöste.
- ...ein Leben, daß außer Geld verdienen mit einem nur halbwegs befriedigenden Job, und Geld ausgeben für Arbeiten in meiner Freizeit, nur an 30 Tagen im Jahr von Kurzurlauben in der Sonne Spaniens unterbrochen worden ist.
- ...das Gefühl, nicht mehr zu leben, sondern nur noch da zu sein, um zu funktionieren. Um meinen eigenen, und den Anforderungen, und Erwartungen anderer Menschen gerecht zu werden.
Ich wollte das Alles
ändern.
!! Alles !!
Wie die meisten Menschen, die
freiwillig etwas ändern, tat ich das unter der Prämisse, die für
mich unzufriedenstellenden Punkte meines Lebens zu meinem Vorteil zu
verbessern. Es scheint nun der richtige Zeitpunkt zu sein, um eine Bilanz zu ziehen. Welche meiner Kritikpunkte haben sich seit meiner Lebensumstellung geändert?
Zu 1.:
Nachdem ich eine
für alle Seiten sehr, sehr schmerzhafte Trennung von meinem
bisherigen Freund in die Tat umgesetzt habe (…ich berichtete
bereits...), sind bisher 3 andere Männer in mein Leben getreten.
- Nummer 1 wohnt bei mir um die Ecke, sah in meinen Augen verdammt gut aus, war aber rückblickend nicht ehrlich zu mir, und auch augenscheinlich eher auf mein Geld aus, als auf meine Person.
- Nummer 2 wohnt schon ein wenig weiter von mir entfernt. Er ist ein wirklich lieber Kerl, der allerdings schon nach kurzer Zeit mehr an Unterhaltungselekronik interessiert zu sein schien, als an seinem zukünftigen Lebenspartner. Das führe ich darauf zurück, daß die Beziehung zu mir wohl eher einer „Vernunftehe“ näher stand, als einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung (Stichwort "Torschußpanik").
- Nummer 3, mit dem ich gerade liiert bin, wohnt schon sehr weit (!) von meinem Heimathafen entfernt. Er kommt meinem Ideal von einem Partner sehr nahe, scheint aber, wie offensichtlich viele andere schwule Männer auch, Probleme mit seinen Finanzen zu haben. Außerdem habe ich den Eindruck, daß wir temporär nicht auf der gleichen Frequenz senden. Na ja, schauen wir mal, wie sich das weiter entwickelt...
Hat sich also
dieser Punkt verbessert? Mein Bauchgefühl sagt mir bisher Nein!
Ich denke, mein Weg geht in die richtige Richtung. Sollte es bei dieser Reise ein Ziel geben, bin ich dort aber noch nicht angekommen.
Mir helfen die Erfahrungen der letzten beiden Jahre selbstsicherer zu werden, und zu analysieren, was ich eigentlich von einem Partner erwarte. Meine neu gewonnene Freiheit gibt mir die Möglichkeit, mich auszuprobieren, und mir im klaren zu werden, welche Dinge mir an meinem Lebensgefährten wichtig sind.
Auch hatte ich das Glück, Dank der oben bereits erwähnten Männer meinen "Kuschelspeicher" wieder ein wenig nach zu füllen. Es erfüllt mich mit Hoffnung, das ich entgegen der immer präsenten, öffentlichen Gier nach seelenlosem Sex dann doch nicht der einzige Mann zu sein scheine, der dankbar ist, sein eigenes Defizit körperlicher Nähe mit der Hilfe eines anderen Menschen dezimieren zu können.
Dennoch stellt sich die Suche nach einem tatsächlichen Lebenspartner viel schwieriger dar, als ich mir das vorher in meinen Träumen ausgemalt hatte. Das liegt an folgenden Punkten:
Mir helfen die Erfahrungen der letzten beiden Jahre selbstsicherer zu werden, und zu analysieren, was ich eigentlich von einem Partner erwarte. Meine neu gewonnene Freiheit gibt mir die Möglichkeit, mich auszuprobieren, und mir im klaren zu werden, welche Dinge mir an meinem Lebensgefährten wichtig sind.
Auch hatte ich das Glück, Dank der oben bereits erwähnten Männer meinen "Kuschelspeicher" wieder ein wenig nach zu füllen. Es erfüllt mich mit Hoffnung, das ich entgegen der immer präsenten, öffentlichen Gier nach seelenlosem Sex dann doch nicht der einzige Mann zu sein scheine, der dankbar ist, sein eigenes Defizit körperlicher Nähe mit der Hilfe eines anderen Menschen dezimieren zu können.
Dennoch stellt sich die Suche nach einem tatsächlichen Lebenspartner viel schwieriger dar, als ich mir das vorher in meinen Träumen ausgemalt hatte. Das liegt an folgenden Punkten:
- Zum einen hängt mir meine langjährige Ex-Partnerschaft nach, was mir die Fähigkeit raubt, unbefangen einen neue Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen. Es ist makaber, aber manchmal beneide ich Menschen, die vergessen können. Wie meine Mutter, die vor 2 Jahren an einer Demenz erkrankt ist. Solche Leute können jeden Tag neu starten, ohne ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Vergangenheit haben zu müssen. Oder wie es der Verräter Cypher in dem ersten Matrix-Teil zu dem Agenten Mr. Smith gesagt hat: „Unwissenheit kann ein Segen sein“. Ich muß mich mit dem Geschehenen auseinandersetzen, und versuchen, die dunklen Vergangenheits-Wolken zu bekämpfen, die sich vor meine Zukunfts-Sonne schieben. Das kostet mich zur Zeit die meiste Kraft.
-
Zum anderen gibt es zu meinem Erstaunen extrem viele Männer, die
Probleme damit haben, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sei es
finanziell, bei der Strukturierung ihres Alltags, oder auch was das
Zwischenmenschliche betrifft.
Mein Problem ist vermutlich, daß, wenn ich an jemanden interessiert bin, ich bei dieser Person Werte-Maßstäbe anlege, die mir durch die Erziehung meiner Eltern, und durch die Erfahrungen in meinem bisherigen Leben in Fleisch & Blut übergegangen sind. Werte wie Ehrlichkeit, das Vermitteln von Nähe & Geborgenheit, ein offenes Miteinander, verantwortungsvollen Umgang mit Geld, Fleiß & Ordentlichkeit, die Fähigkeit, Emphatie für andere empfinden zu können. Vielleicht ist das ein Phänomen dieser kurzlebigen Zeit, oder einfach der Werteverfall. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß es leider nicht viele Männer zu geben scheint, denen diese Werte genau so wichtig sind wie mir. Für eine Partnerschaft bis zum Lebensende ist es für mich jedoch zwingend notwendig, das mein Freund in dieser Beziehung annähernd so tickt wie ich.
Zu 2.:
Obwohl ich des öfteren in der Vergangenheit die
Möglichkeit gehabt hätte meinen jetzigen Job gegen einen anderen zu tauschen, so verdiene ich meine Brötchen immer noch, wie schon seit Jahrzehnten beim gleichen
Arbeitgeber. Das hat wohl in erster Linie damit zu tun, das ich Angst habe, aus meiner Wohlfühlecke zu kriechen, und neben
meiner gefühlsmäßigen Schieflage auch noch in eine berufliches,
und finanzielles Risiko einzugehen. Hier überwiegt eindeutig mein Sicherheitsdenken.
In Jahren vor der MLC habe ich oft meine Freizeit ausschließlich mit Arbeit befüllt. Zum Teil war das freiwillig, weil ich einfach gerne mit meinen Händen Dinge erschaffe. Zum anderen, bereitet es mir Freude, wenn ich Menschen die ich mag mit meinem Know-How unterstützen kann. Dabei bin ich in einen Trott geraten, in dem ich verlernt habe, Dinge zu tun, die mir wirklich wichtig sind.
Meine MLC hat auch meine Freizeitaktivitäten, bzw. deren Sinnhaftigkeit auf eine Probe gestellt. Zwischenzeitlich hat das „erleben-können“ schöner Momente in meinem Leben eine weit höhere Priorität für mich, als das dauernde Abarbeiten einer imaginären To-Do-Liste, die sich stetig in meinem Kopf befindet. Das drückt das Tempo, das Dinge in meinem Kopf Realität werden läßt. Die gedankliche Arbeitsliste, die immer noch vorhanden ist, straft mich jedes Mal mit einem vorwurfsvollen Blick, wenn ich wieder einmal an sie denken muß. Aber diesem Blick kann ich jetzt länger standhalten als vor meiner Aufbruch in eine anderes Leben.
Meine MLC hat auch meine Freizeitaktivitäten, bzw. deren Sinnhaftigkeit auf eine Probe gestellt. Zwischenzeitlich hat das „erleben-können“ schöner Momente in meinem Leben eine weit höhere Priorität für mich, als das dauernde Abarbeiten einer imaginären To-Do-Liste, die sich stetig in meinem Kopf befindet. Das drückt das Tempo, das Dinge in meinem Kopf Realität werden läßt. Die gedankliche Arbeitsliste, die immer noch vorhanden ist, straft mich jedes Mal mit einem vorwurfsvollen Blick, wenn ich wieder einmal an sie denken muß. Aber diesem Blick kann ich jetzt länger standhalten als vor meiner Aufbruch in eine anderes Leben.
Was meine Urlaube betrifft, muß ich mich nun wieder daran gewöhnen, diese Sache selbst in die Hand zu nehmen. So komisch, wie sich das anhört, muß ich zugeben, das es auch von Vorteil sein kann, wenn selbst dieser Teil des Lebens von einer dritten Person organisiert wird – man ist zwar ferngesteuert, muß sich im Gegenzug dazu aber auch um nichts kümmern. Es fühlt sich z. Zt. noch ein wenig komisch an, das ich die 30 Tage Urlaub im Jahr nun selbst verwursten kann, bzw. muß. „Muß“ schreibe ich hier deswegen, weil es mir momentan nicht leicht fällt, diese Freizeit mit für mich sinnvollen Aktivitäten zu füllen. Aber ich denke, auch das wird sich geben, wenn ich diese Fähigkeiten wieder zurück erobert habe.
Momentan habe ich bei der Urlaubsplanung Angst, Länder zu bereisen, die ich mit meinem Ex-Freund besucht habe. Ich befürchte, zu viele schöne Erinnerung würden dadurch aufgewühlt, und aus einem entspannten Urlaub würde sich ein Psycho-Horror-Trip entwickeln.
Hat sich also der Punkt 2 für mich verbessert? Wenn man nur den nackten, geschriebenen Text betrachtet, dann wohl nicht. Wenn man wie ich allerdings zwischen den Zeilen liest, erkennt man, daß mir das drüber nachdenken, das Hinterfragen meiner Standpunkte hilft, meine Wünsche klarer zu definieren. Selbst das bißchen Erkenntnis ist für mich schon mal ein Gewinn, auch wenn das für Außenstehende evtl. nicht nachvollziehbar ist.
Zu 3.:
Ja, ichfühle mich seit
meiner „Neugeburt“ nicht mehr so stark fremdbestimmt. Zumindest
nicht oberflächlich. Denn Zwänge
bleiben.
- Der Zwang zum Beispiel zu versuchen trotz einer Trennung ein nicht allzu großes Arschloch zu sein. Meinem immer noch sehr geschätzten Ex-Freund auch weiterhin zu unterstützen, und ihn beim Aufbau seines neuen Lebens so gut als möglich zu unterstützen, auch wenn es manchmal schwer ist.
- Der Zwang, an sich selbst zu zweifeln, und Entscheidungen, die ich seit dieser Zeit gemacht habe, in Frage zu stellen, was dem Begehen eines neu eingeschlagenen Weges einen großen Teil seines Zaubers stiehlt.
- Der Zwang, jetzt selbst für sein gesamtes Leben verantwortlich zu sein, und es ggf. auch aushalten zu müssen, in einer unangenehmen Situation alleine da zu stehen, und sich nicht auf andere Menschen verlassen zu können.
Auch wenn es sich komisch anhören mag: Das alles hat, auch wenn sehr oft negative Gefühle überwiegen, etwas sehr befreiendes. Das ist wohl das komischste an der ganzen Situation. Ein zur Zeit gefühlter, permanenter Zwiespalt in meinem Kopf, zwischen der Freude über die neu erlangte Freiheit, und der Angst davor, was diese Freiheit wohl bringen wird.
Angst? Ja, ich muß ehrlich zugeben,
daß mir die Ungewißheit die vor mir liegt, auch in einer gewissen
Art eine Scheiß-Angst einjagt! Die Uhr tickt! Ich werde älter, und
erreiche langsam, aber stetig ein Alter, in dem andere Männer
bereits ihren ersten Herzinfarkt hatten, oder mit schwerwiegenden
Krankheiten zu kämpfen haben. Gerade als jüngster Sproß meiner
Familie ist meine Angst begründet, im Falle eines solchen
Schicksalsschlages auf mich alleine gestellt zu sein. Ohne jemanden,
der ggf. in so einem Fall meine Hand am Krankbett hält, und mir
durch seine pure Anwesenheit Kraft schenkt. Wie wichtig so etwas ist,
sehe ich erst jetzt, wo meine Eltern selbst auf Hilfe von außen
angewiesen sind.
An so etwas dachte ich als noch
jüngerer Mann nicht. Vor noch nicht all zu langer Zeit, da, wo ich
mich durch mein altes Leben eingesperrt gefühlt habe, wo ich dachte,
alle Menschen auf diesem Planeten lehnen mich auf Grund meines
Andersseins ab, war meine Lebens-Philisophie:
- Verlaß Dich nicht auf andere!
- Ich brauche niemanden!
- Ich bin stark, und schaffe das was ich schaffen will aus eigener Kraft!
- Verlasse ich mich auf andere, bin ich verlassen!
Ehrlich gesagt: Auch heute ist es noch
so, daß mir tatsächlich sehr, sehr viele Menschen mit Ihrer bloßen
Anwesenheit auf die Nerven gehen. Ihre oft vorhandene
Überheblichkeit, zu denken, sie seien besser, als ihre sie
umgebenden Mitmenschen. Ihre lächerliche, aufgesetzte Art, ihre
Minimal-Probleme des zivilisierten Alltags zu einer Katastrophe hoch
zu stilisieren. Ihre Verherrlichung ihres eigenen, armseeligen
Lebens. Ich gebe zu, ich bin kein besonderer Menschenfreund, auch
wenn man das nicht vermuten würden, wenn man mich kennt.
Je älter ich werden, desto schwerer
fällt es mir jedoch, nach meiner ursprünglichen Philosophie
glücklich zu werden. Ganz alleine zu sein, seine Freude, und sein
Leid nicht mit anderen Teilen zu können, macht das Leben auch nicht
lebenswerter. Ganz im Gegenteil. Manchmal sehne ich mich danach,
richtige Freunde zu haben. Menschen, die so ticken, wie ich selbst.
Mit denen man Spaß haben, albern sein, und lachen kann. Auf die man
sich verlassen kann, und die für einen da sind, so wie man auch
selbst für sie da sein würde. Aber auch die zu finden ist schwer.
Diese Suche ist vielleicht noch schwerer, als die Suche nach einen
Lebenspartner. Oder als die Suche nach meinem richtigen Weg für die Zukunft. Und die Uhr arbeitet gegen mich...
Tick...Tack....Tick....Tack....Tick....Tack....Tick...Tack....Tick....Tack....Tick....Tack................(+)
Foto im Text:
holladiewinterfee , "Mathematik"
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holladiewinterfee , "Mathematik"
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