Titel: "Generation beziehungsunfähig"
Schon witzig, daß 16 Monate nach der Trennung von meinem Freund genau dieses Buch so einen Erfolg zu haben scheint. Denn genau das hat mir mein Exfreund auch vorgeworfen. Ich wäre wahrscheinlich einfach nicht beziehungsfähig. Und das nach 14 Jahren, die wir zusammen waren. Schon komisch...
Aber vielleicht ist es ja tatsächlich so. Vielleicht bin ich nur die Sperrspitze der Generation, die nicht fähig dazu scheint, eine möglichst lebenslange Freundschaft zu einem anderen Menschen zu haben? Vielleicht ist es ja auch wirklich zu anstrengend, immer wieder Energie in eine bereits bestehende Beziehung zu investieren, wenn vor der Tür schon die nächsten Kandidaten für einen neuen Lebensabschnitt warten, und einen mit ihren Sirenenklängen locken.
Rückblickend hatte ich bisher 2 wirkliche Lebensabschnittspartner - ich lasse hier mal die meist nur mehrmonatigen Zusammenstöße mit anderen Männern außer acht. Die erste Beziehung dauerte 8 Jahre, die zweite überdauerte, wie schon erwähnt, sogar 14 Jahre.
Und wieder rückblickend: War ich in diesen Beziehungen tatsächlich glücklich? Und damit meine ich das Glück, daß nahezu 100% der Menschen in einer Beziehung suchen, und wegen dem Partnerbörsen im Internet wie Pilze aus dem Boden schießen. Oder warum sonst sind diese Beziehungen wieder auseinandergefallen wie ein Tiefseefisch an der Wasseroberfläche?
Wie definiert man "Glück" in einer Beziehung überhaupt?
An der Straße vor meinem Haus ist mir oft ein sehr betagtes Ehepaar begegnet, das an warmen Sommerabenden diese Straße für Ihren Abendspaziergang genutzt hat. Händchen haltet sind die beiden oft an meinem Haus vorbei gekommen, und man hat selbst wenn man mit dem Auto einfach an den beiden vorbei gefahren ist, die Aura war genommen, die diese beiden Menschen umgeben hat. Man hat einfach gemerkt: Ja tatsächlich! Diese beiden Menschen gehören einfach zusammen. So stelle ich mir eine glückliche Partnerschaft vor: Beide wissen, daß sie füreinander bestimmt sind. Ganz schon kitschig, nicht?
Vielleicht habe ich zusammen mit vielen anderen Menschen auch einfach zu hohe Ansprüche und Erwartungen an einen Partner. Ich glaube, eine wirklich langjährige Partnerschaft klappt nur, wenn einem die körperlichen UND geistigen Eigenschaften des Partners genügen. Paßt eins nicht, wird die Partnerschaft vermutlich auch nicht ewig bestehen. Und ob man sich geistig auf einer Wellenlänge befindet, stellt sich in der Regel erst heraus, wenn man eine gewisse Zeit mit seinem neuen Partner verbracht hat.
Ich bin kein sprunghafter Mensch - echt nicht. Ich bin kein Freund von Veränderungen. Und so wie ich sind in der Generation meiner Eltern auch viele Menschen gewesen - ausdauernd, mit einer gewissen Gleichgültigkeit, immer mit dem Hintergedanken, das es ja ganz okay ist. Das man es auch hätte schlechter treffen können. Das man ja zwar nicht soooo 100%ig zusammen paßt, es aber trotzdem ganz nett ist. Man bleibt einfach zusammen, und irgendwann findet man sich mit der Situation ab.
Ist das "beziehungsfähig"?? Aus Gewohnheit mit einem Menschen zusammen zu sein, den man nett findet??
Bei mir war es so. Zwischen auch sehr schönen Zeiten, war ich immer öfter auch genervt, und in einer gewissen Art auch traurig. Mental bin ich mit meinem Exfreund wirklich auf einer Wellenlänge, aber das körperliche hat leider von Anfang an nicht so richtig klappen wollen. Und obwohl ich kein Freund von Veränderungen bin habe ich daraus meine Konsequenzen gezogen. Aber es fällt schwer - verdammt schwer sogar...
Foto im Text: Pedro Ribeiro Simões, „Elderly couple reading“, CC-Lizenz (BY 2.0)
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Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

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