Gerade vorhin habe ich einen interessanten Forumsbeitrag gelesen, den ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte => Trennung nach 15 Jahren Ehe.Ich muß zugeben, daß ich beim lesen dieses Beitrags das Gefühl hatte, als würde ich in einen Spiegel schauen...
Von solchen Beiträgen, die von Trennungen in der MlC erzählen, gibt es eine ganze Menge im Internet. Offensichtlich scheint es so zu sein, daß in der MlC etliche Männer ihre gewohnte, langjährige Beziehung hinter sich lassen, und zu neuen Ufern aufbrechen. Doch warum?
In einem Bericht des Focus habe ich eine Erklärung gefunden, die ich als sehr plausibel empfunden habe. Die Psychologin Anna Schoch erklärt dieses Trennungsverhalten wie folgt, Zitat:
"Bis circa 40 werden gesellschaftliche Vorgaben abgearbeitet: Ausbildung, Job, Familie, Wohlstandsmehrung – es geht um das äußere Wachstum. Ab der Lebensmitte geht es um das innere Wachstum. Hier werden andere Werte abgefragt: Glück, seelische Balance, Sinnfragen – wie und mit wem will ich bis zum Tod leben?" (Quelle: Focus online)Wie schon in meinem ersten MlC-Bericht zu lesen war, beschreibt die Psychologin in dem Focus-Artikel genau die Gefühlsregungen die bei mir aufgetreten sind, als die MlC bei mir zugeschlagen hat. Das hat mich sehr überrascht. Ich bin also nicht alleine mit meinen Gefühlen - das ist ja schon mal was!
Die meisten anderen Berichte, die ich im Internet zu dem Thema gelesen habe, behandeln überwiegend, und wie auch nicht anderes zu erwarten, die Verzweiflung und Verlorenheit der verlassenen Teile der Beziehung. Auf Grund meiner Vergangenheit kann ich es gut nachvollziehen, wie hilflos man ist, wenn sich plötzlich die Zukunftsplanung vor den eigenen Augen in seine Bestandteile auflöst, und man sich in einem seelischen Vakuum befindet. Was man jedoch so gut wie nicht liest sind Geschichten von den Männern, die als Initiatoren einer solchen Trennung tätig waren, und wie es in ihrer Seelenlandschaft nach einer solchen Trennung ausgesehen hat.
Da auch ich nach fast 15 Jahren die Beziehung zu meinem Freund beendet habe, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, meine seelische Verfassung nach dieser Trennung zu beschreiben.
Fiktion und Wirklichkeit
Für die meisten außenstehenden ist die Lage klar, und stellt sich so dar:
- Der Verlassene/die Verlassene winden sich vor seelischem Kummer am Boden, und weinen sich die Augen aus dem Kopf, können die Welt nicht mehr verstehen, würden sich am liebsten umbringen.
- Der Verlassende ist ein egoistischer Drecksack, der, bevor er naturbedingt seinen kleinen Pillermann nur noch zum pinkeln benutzen kann, noch mal richtig auf die Kacke hauen will, möglichst viele neue Partner(innen) beglücken möchte, sich ausleben möchte, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen.
Nur stimmt das auch?
Ich war mit meiner Beziehung unzufrieden. Mit dem Sex, der so gut wie nicht mehr statt gefunden hat. Mit der Art der "Beziehungsführung", wo die Zeiten der Zweisamkeit dafür genutzt worden sind, sich mit jedem anderen Mist zu beschäftigen, als mit seinem Partner. Als ich das Gefühl hatte, mich nur noch in einer symbiotischen Wohn-WG mit jemanden zu befinden, habe ich, anstatt auf meinen Freund zu zugehen und zu reden, mich immer weiter zurück gezogen - und das einst lodernde Feuer der Leidenschaft wurde kleiner und kleiner, bis von der Flamme nur noch ein kaltes Häufchen Asche übrig war. Und irgendwann habe ich gemerkt, es gibt keinen Weg mehr zurück! Ich habe versucht, meine Gefühle von damals wieder aufleben zu lassen - doch leider ohne Erfolg! The point of no return war erreicht. Wie sollte es also weiter gehen?
Da ich kein Mensch bin, der jemanden den er mag jahrelang hintergeht, war es für mich nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich dazu entschlossen hatte, die Beziehung zu beenden. Und nach einem kleinen Techtel-Mechtel mit einem anderen Mann, hat mich mein schlechtes Gewissen dazu veranlasst, reinen Tisch zu machen. Ich hab Schluß gemacht - einfach so...
Das sich mein Freund seit diesem Zeitpunkt auf einer seelischen Geisterbahnfahrt befindet, muß ich glaube ich nicht weiter ausführen. Doch wie geht es mir seit dem?
Nach dem, was ich oben geschrieben habe (die Meinung der Außenstehenden) müßte mir ein Stein vom Herzen gefallen sein. Ich müßte mich befreit, und offen für neues fühlen. Endlich ohne schlechtes Gewissen das machen, was man schon immer machen wollte. Ohne nachzufragen, Genuß ohne Reue.
!! FÜR DEN ARSCH !!
Seit der Trennung, und das ist jetzt schon über 16 Monate her, frißt mich mein schlechtes Gewissen auf. Die Erinnerungen an die schönen Zeiten in den letzten fast 15 Jahren jagen mich. Und ich habe Angst, was wird - mit mir, jedoch am aller meisten mit meinem Ex. Würde er jemanden anderen kennen lernen, wäre es für mich einfacher. Würde er glücklich werden, wäre mir ein großer Teil meiner Last von den Schulter genommen. Bisher ist dem aber leider nicht so, und ich habe Angst, daß er alleine, also ohne Partner, alt werden könnte.
Etliche Leute haben mir gesagt, man kann nicht die Verantwortung für das Leben von anderen übernehmen. Wenn man jedoch eine so lange Zeit miteinander verbracht hat, verbietet es sich meiner Meinung nach aber, den anderen einfach wie einen Eimer voll Fischabfall über Bord zu werfen, und dem unbarmherzigen Wellengang des Lebens zu überlassen.
Im Moment komme ich mir wie ein lebendig gewordenes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe vor:
"Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein."
- Fortsetzung folgt -
Foto im Text:
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Quelle: www.piqs.de
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