So ein Blog soll ja eine Art Tagebuch sein. Na dann fangen wir mal damit an...Für die meisten ist es wohl, genauso wie für mich früher, eher ein Phänomen, das man belächelt. Eine Sache, die einen selber nicht betrifft, und die einen auch nie betreffen wird. Doch das ist ein Trugschluss, denn wir alle werden zwangsweise älter.
Und wenn man nicht gerade eine Frau ist, und damit die berühmten Wechseljahre genießen darf, wird irgendwann einmal die sog. Midlife-Crises bei einem aufschlagen. Da ich, wie die meisten meiner Geschlechtsgenossen, davon ausgegangen bin, daß dieses Phänomen auch nicht bei mir auftrifft, habe ich mir nie große Gedanken drüber gemacht - bis es mich auch erwischt hat.
Damit Ihr mal sehen könnt, was dabei so abgeht, versuche ich hier einen kleinen Abriss meiner Midlife-Crises zu posten. Vielleicht hilft es ja einem von Euch, wenn das gnadenlose Alter bei Euch im Gehirn den Schalter umlegt.
Aber jetzt erst mal von Anfang an..
Ich muß eingestehen jetzt ist es wohl soweit. Jetzt ist das eingetreten, was ich nur von schlechten Filmen aus den 80er-Jahren kenne. Wo grau melierte Herren plötzlich anfangen sich eine jüngere Frau zu suchen, oder sich plötzlich dazu berufen fühlen, doch Besitzer eines ultraflachen, 1000 PS starken Sportwagens zu werden.
Ja ich, der Jüngste meiner Familie, der Nesthaken (...von einem "Häkchen" kann man da wohl nicht mehr reden...) hat wohl zwischenzeitlich auch das Alter erreicht, in dem die Hormone verrückt spielen.
Aber sind es wirklich die Hormone, die mich zu einem Computer haben mutieren lassen?
Wieso wie ein Computer werde sich jetzt wohl einige Fragen.
Die Frage möchte ich so beantworten:
Vor dem "Ausbruch" meiner Midlife-Crises habe ich in den Tag hinein gelebt. Nicht, das ich nicht Pläne gemacht hätte. Ich habe mir natürlich auch Gedanken gemacht über den nächsten Urlaub, oder Dinge, die ich in der Freizeit, oder der Arbeit zu erledigen habe. Aber im Großen und Ganzen habe ich nicht über mein Leben nach gedacht, sondern ich habe einfach soz. vor mich hingelebt. Ich war zufrieden. Hab getan was zu tun war, und habe gemacht, was zu erledigen war. Ganz einfach, ohne Hirn.
Und nun zu der Computer-Geschichte: In meinen Beruf beschäftige ich mich mit sog. SPS, speicherprogrammierbaren Steuerungen. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um einen Computer, der Abläufe in komplexen Anlagen steuert. Dieser Computer fragt die an ihn angeschlossenen Komponenten über Datenverbindungen ab, ob diese Komponenten noch da sind, ob sie richtig funktionieren, ob sie in Ordnung sind, oder Probleme vorhanden sind.
Und genauso, wie diese SPS hat mein Gehirn plötzlich einfach damit begonnen, meine angeschlossenen "Komponenten" abzufragen, meinen Job, meine Freizeitaktivitäten, meine Wohnsituation, meine Partnerschaft.Hat nachgefragt, ob diese Teile meines Lebens noch in Ordnung sind, oder vielleicht defekt, und ob diese Teile noch Rückmeldungen an mich aussenden, die für mein Gehirn als "Zustand in Ordnung" definiert werden.
Daraus sind dann diese Gedanken entstanden. Irgendwann, und ich kann noch nicht mal genau sagen wann, da waren sie plötzlich da. Mitten in meinem Gehirn.
Fragen, wie bespielsweise, ob ich mit meinem Leben, und dem was ich bisher erreicht habe, zufrieden bin.
Die Frage, ob es das jetzt war mit meinem Leben: Essen, arbeiten, schlafen, und ein wenig die verbleibende Freizeit genießen. Sollte das jetzt alles gewesen sein, oder kommt da noch irgendwas andres, neues, aufregendes? Irgendwas?? Wie mit 19, wo ich von meinem Elternhaus ausgezogen bin, in die große Stadt. Neue Eindrücke, neue Freunde, wildes Leben.
Und vor allem aber überkam mich plötzlich auch die Erkenntnis, daß das Leben endlich ist. Das es irgendwann einmal vorbei ist, mit der Zeit, wo man sich noch entscheiden kann, was man tut oder läßt, wo man hingeht, oder bleibt.
Als noch junger Mensch habe ich mir zu diesem Thema nie Gedanken gemacht. Ich habe geraucht, getrunken, oft mehr als es mir gut getan hat. Habe fettes Zeug gegessen, bin Auto gefahren, wie ein Henker. Ich habe Dinge gemacht, die mir Spaß gemacht haben, ohne daran zu denken, was die Folgen sein könnten. Nun gut...ist auch oft genug in die Hose gegangen..., aber irgendwie sehne ich mich nach diese Zeit zurück. Oder besser gesagt, ich sehne mich ein wenig nach diesem Gefühl zurück, daß ich in dieser Zeit hatte. Das Problem dabei ist nur: Zwischenzeitlich habe ich an Erfahrungen gewonnen, die mich manche Dinge nicht mehr so naiv, und unbefangen machen lassen, wie damals. Das Beste wäre eine Kombination aus jetzigem Leben, und ein bißchen Verrücktheit von damals. Schwierig!
Es bleiben Zweifel. In jeder freien Minute habe ich mein Dasein nach Dingen geprüft, die nicht so sind, wie ich sie eigentlich gerne hätte. Und wegen des voran geschrittenen Alters, und der Gewissheit, das man Dinge nur noch bis zu einem Gewissen Alter in die Tat umsetzen kann, habe ich dann tatsächlich damit begonnen, mein Leben um zu strukturieren, so wie damals, als ich noch viel jünger war.
Aber irgendwie fühlt es sich, zumindest momentan, noch ein wenig befremdlich an. Zu lange war ich in einem Trott gefangen, und je älter man wird, desto schwerer fallen Veränderungen. Und wie damals mache ich jetzt auch Fehler auf meinem Weg, dem Weg zu einem evtl. für mich erfüllteren Leben.
Ich habe ein wenig Angst, das ich meine derzeitige, geistige Schieflage nicht in der weiteren Zukunft bereuen werde. Aber es ist halt immer so: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
Na, mal schauen, wo die Reise hingeht...
- Fortsetzung folgt -
Foto im Text:
| froodmat, "Wasserspiegel" |
Quelle: www.piqs.de
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen