Montag, 19. Februar 2024

Wolf like me!

Mögt Ihr Gruselfilme? Ich eigentlich nicht! Mir ist es zuwider, gespannt wie eine Rasierklinge vor dem Bildschirm zu sitzen, und alle paar Minuten erschrocken zusammen zucken zu müssen, weil irgendwelche kranken Dinge aus der Flimmerkiste mein Angstzentrum triggern. Ich meide es, mir solche Filme anzusehen schon alleine aus dem Grund, weil der Konsum bleibende Eindrücke im Gehirn zurückläßt. Blödsinn meint ihr? Ach, Ihr habt also keine Angst, Nachts alleine durch einen dunklen Wald zu gehen? Oder in einen dunklen Keller? So so...

 

Wie dem auch sei...als Kunde eines Bezahlfernseh-Anbieters wurde mir vor kurzem eine Serie angeboten, die den Titel "Wolf like me" trägt. Der Hauptdarsteller ist ein richtiger Bär (Josh Gad alias "Gerry"), was mich dazu bewogen hat, trotz meiner Abneigung gegen Horrorfilme einen Blick in den Teaser der Serie zu werfen. In dem Plot geht es im Grunde genommen um die Liebesbeziehung von Garry zu Mary (Isla Fisher), die sich jedoch dummerweise in Vollmondnächten in einen unbarmherzigen, blutrünstigen Werwolf verwandelt. Um zu verhindern, daß sie andere Menschen dabei umbringt, sperrt sich Mary bei Vollmond freiwillig im Keller ihres Hauses ein, und ihr Freund Gerry unterstützt sie dabei, und besorgt zum Beispiel für sie Schlachtvieh, daß sie im Keller zu sich nehmen kann, wenn in ihr der Wolf erwacht. Das sich durch diese Geschichte immer wieder kuriose Szenen entwickeln, kann man sich leicht vorstellen.
Wie immer möchte ich nicht mehr über diese Serie verraten, um Euch nicht die Spannung zu verderben. Nur soviel: Die schrecklichen Szenen halten sich wirklich in Grenzen, und selbst ich kann mir diese Serien anschauen, ohne Alpträume danach zu haben.

Warum schreibe ich jedoch über diese Serie, werdet ihr Euch vielleicht fragen? Okay, der Hauptdarsteller...
Natürlich ist dieser Mann für mich Eyecandy, und ich bin auch deswegen auf diese Serie aufmerksam geworden. Im Laufe der Zeit ist mir jedoch aufgefallen, daß es sich bei dieser Story eigentlich um eine Metapher handelt, die ich sehr gut auf mein Leben herunterbrechen kann. Das hat mich fasziniert, und ich dachte mir, ich erzähl Euch einfach davon. Wir sind ja hier unter uns...

Trotz der Tatsache, daß ich wirklich (also: WIRKLICH!) meine Midlife-Crises hinter mir gelassen habe, tauchen dennoch immer wieder Baustellen in meiner Psyche auf, die aus der Vergangenheit stammen, und die ich nicht verarbeitet habe. Bewußt wird mir daß, wenn ich durch ein Ergeignis aus der Bahn geworfen werde, und mit dem ich nicht umgehen kann. Ein Problem, für das ich trotz ständigem Grübeln keine Lösung finden kann. Selbst jetzt, nachdem ich in weiten Teilen ein ausgeglichenes, und eingentlich ruhiges Leben führe, kommen solche Situationen immer wieder vor. Die Folge ist, daß ich nicht aufhören kann, über das aktuelle Problem nachzudenken. Es geht einfach nicht, daß ich mein Gehirn anhalte. Und oftmals verrenne ich mich in diesem Problem, und ziehe auf oft falsche Schlußfolgerungen aus meinen Grüblereien.
 

Wenn es soweit ist, dann erwacht bei mir auch der Wolf. Ich kann mich nicht mehr ruhig verhalten. Ich brauche ein Ventil, um den aufgestauten Druck abzulassen. Anstatt mich jedoch in einen Wolf zu verwandeln, verwandle ich ich in einen oft auf sich selbst zornigen, und verängstigten Mann.
Dieser Hass, und dieser Ärger über mich selbst, schadet mir, und schadet anderen. Ähnlich Mary, die sich und anderen schaden würde, würde sie sich nicht freiwillig in den Keller sperren.
Mein "Keller" besteht jedoch aus lauter, aggressiver Musik, am günstigsten Verbunden mit Sport. In meiner Fluchtburg muß ich zum Glück keine Tiere reißen, und verspeisen. Mir reicht es, wenn ich mein Gehirn durch die Musik dazu zwinge, sich auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf ergebnislose Grübeleien. Es reicht, wenn ich nach 90 Minuten auf einem Crosstrainer total erschöpft, und verschwitzt, meinen Körper geschunden habe. Es reicht oft sogar, einfach bei einer Autofahrt unter zu Hilfe nahme meiner Metall-Freund aus der Musik-Retorte mir den ganzen Scheiß, der mich belastet, aus mir heraus zu schreien. Nicht selten bin ich nach einer mehrstündigen Autofahrt deswegen schon heiser bei Bekannten angekommen, die mich wegen der offenkundig eingefangenen Erkrankung bedauert haben. Wenn die wüßten, was der eigentliche Grund für meine kratzige Stimme ist...

Jeder sollte so einen Werwolf-Keller haben, in dem er/sie seinen Wolf freien Lauf lassen kann. Was meint ihr? Habt ihr auch so ein Habitat für Eure dunkle Seite? Wenn ja, dann schreibt es mir.

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