Dienstag, 19. Dezember 2023

Zeit für Zufriedenheit

Das hier war für mich der absolut lustigste Jahresrückblick, den ich in den letzten Jahren ansehen durfte. In der Kürze von 7:46 hat Sarah Bossetti die wichtigsten Dinge dieses Jahres zusammengefaßt. Das Schöne daran ist, daß man sich dieses Video auch in kommenden Jahren als Rückblick ansehen kann, denn...es wird sich an den erwähnten Ereignissen wenig ändern.

 
 
 
 
Frau Bossetti hat mir in der kurzen Zeit ihres Films mehr Denkanstöße geschenkt, als viele Stunden Filmmaterial der letzten Jahre. Deswegen, weil sie viele Dinge auf den Punkt bringt. Vor allem die Sache mit dem Hass fand ich besonders erschreckend-komisch poentiert.
Für alle, die diesen Film nicht gesehen haben: Man solle prüfen, ob die Menschen, die man hasst, auch wirklich "hassenswert genug" sind.
 
Ein völlig neuer Denkansatz - einfach genial!
 
Oft habe ich das Gefühl, daß die Menschen um mich herum immer hasserfüllter werden. Dabei scheint es keine Abstufungen wie "verstimmt sein", oder "ärgerlich" mehr zu geben. Die Gemüter der Menschen scheinen, wie die Informationstechnik, immer digitaler zu werden. Es gibt nur noch 0 oder 1. Dazwischen herrscht luftleerer Raum. Wenn man sich schon die Arbeit damit macht, sich aufzuregen, dann darf es doch bitte gleich ein Amoklauf sein, oder?
 
Wie ist es soweit gekommen? Eigentlich geht es dem Großteil von uns so gut wie noch nie. Und trotzdem sind sehr viele Menschen oft so unzufrieden, daß sie nicht davor zurückschrecken, ihrem Unmut körperliche Reaktionen gegenüber anderen folgen zu lassen. Nicht selten wird die eigenen Unzufriedenheit auf andere Menschen kanalisieren, die als Schuldige für den eigenen Mißmut herhalten müssen. Randgruppen, zu der ich mich auch zähle, werden gerne als Auslöser für alles mögliche auserkoren - siehe die lächerliche Trans-Feindlichkeitswelle, die von den USA bis zu uns herübergeschwabt ist. Wenn man sich jedoch einmal mit der Thematik einer einzelnen Unzufriedenheit auseinandersetzt, und die Kausalitätskette hinterfragt, wird meist schnell klar, daß andere Menschen oft gar nicht der Grund des eigenen Grolls sind. Um zu Hinterfragen müßte man jedoch reflektieren, was offenbar in der Gegenwart nicht mehr erfolgt. Bequemer ist es als Auslöser für den eigenen Unmut andere zu finden. Das ist jeden Tag zu beobachten, wenn man sich die Nachrichten ansieht.

Oft hört man, das Früher alles besser war. Die Leute zufriedener waren. Stimmt das tatsächlich?

Erzählungen meiner Eltern über die Nachkriegsjahre lassen mich stark zweifeln. Was jedoch zu stimmen scheint ist, daß die Menschen in früheren Jahren mit dem berühmten "Weniger" zufrieden waren. Meiner Meinung nach liegt das daran, von welchem Niveau man seine eigene Zufriedenheit abhängig macht. Da wir in einer Zeit leben, in der jedem fast alles möglich ist, es kaum noch Grenzen gibt, sich materiell, oder mental zu verwirklichen, scheint mir der immer mehr um sich greifende Unmut ein Produkt davon zu sein, daß wir als moderne Gesellschaft schlichtweg übersättigt sind.

Dabei gab es in der Vergangenheit genug Beispiele, wie das enden kann: Die Römer, die Ägypter, selbst Päpste haben es uns gezeigt, welche Folgen es hat, wenn die Gier nach dem "Mehr" das Leben bestimmt. Offenkundig scheint dieses Verhalten für den Weiterbestand einer Gesellschaft nicht förderlich zu sein.

Wir, also die sog. "zivilisierte Welt" ist gerade dabei, den gleichen Pfad einzuschlagen. Dabei wäre es doch so einfach zufrieden zu sein:

  • Einmal wirklich mit offenen Augen die Nachrichten ansehen (...oder anhören...) genügt um festzustellen, wie gut es uns geht.
  • Einmal nicht tagträumerisch einen Supermarkt aufsuchen, und sich darüber freuen, daß bei uns gerade im Vergleich mit anderen Ländern, massenhaft alle Dinge zu kaufen sind, die uns ein schönes Leben ermöglichen.
  • Einmal sich bewußt machen, daß wir nicht 50km barfuß durch eine Sawanne laufen müssen, um vielleicht ärztliche Hilfe zu erhalten.

Ein bißchen mehr Demut, und Zufriedenheit - ja - das würde ich mir wirklich für das kommende, und für die nächsten Jahre von allen Menschen (...mich eingeschlossen...) wünschen.

 Ich denke, wir würden uns dann sehr wundern, wie positiv unsere Jahresrückblicke plötzlich wären.

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