Das ich schwul bin habe ich schon im zarten Kindesalter gewußt. Tatsächlich hatte ich im Gegensatz zu manch anderem Mann wirklich nie das Bedürfnis, mit einem Mädchen, oder später mit einer Frau eine Verbindung einzugehen, die über eine normale Freundschaft hinaus geht.Dabei hasse ich aber keine Frauen - ich finde sie einfach weder sexuell anziehend, noch bekomme ich beim Anblick einer Frau Schmetterlinge im Bauch.
Abgesehen von der Tatsache, daß ich natürlich als schwuler Mann einige Männer zum verlieben schön und anziehend finde, fühle ich mich in Gesellschaft von Männer einfach wohler. Ich mag Dinge die Männer ausmacht, und Dinge, die Männer tun. Mit dem meisten Frauen-Zeugs kann ich einfach nix anfangen, und gerade in der heutigen Zeit gehen mir die Übermuttis, die "selbstbestimmt" ihr Leben leben stellenweise gehörig auf den Sack!. Aber dazu gibt´s evtl. noch einen anderen Beitrag...
...wo war ich stehen geblieben?? Ah, genau...Thema "Bären".
Für jemanden der sich auch nur ein bißchen in der schwulen Welt auskennt, muß ich wohl nicht weiter erklären, was mit einem Bären gemeint ist. Auch wenn man es sich vielleicht auch so schon denken kann, hier kurz für alle anderen: Mit einem Bären wurde ursprünglich ein Mann bezeichnet, der übergewichtig, und stark behaart ist, sowie meist auch einen Bart trägt. Diese Männer fallen in mein Beuteschema. Doch warum nur?
Das ich auf sog. Bären stehe, hat sich erst im laufe der Zeit entwickelt, in der ich mir immer sicherer wurde, daß ich tatsächlich weder hetero, noch bi, noch irgendwas dazwischen bin, sondern einfach nur schwul. Das erste Mal wurde mir die Tatsache, daß ich auf schwergewichtige, stämmige Männer stehe, bewußt, als ich in der 8, oder 9 Klasse auf einen dicken Mitschüler einer Parallelklasse ein Auge geworfen hatte. Diesen Jungen anzusprechen war damals allerdings so undenkbar, wie wenn ich einen Versuch gestartet hätte barfuß über Wasser zu gehen.
Als ich endlich frei war, also in meine erste, eigene Wohnung gezogen bin, habe ich tatsächlich gleichzeitig beim Einrichten der Wohnung eine Anzeige in einer damals berühmt-berüchtigten Stadtzeitung aufgegeben, die für die Partnerbörse bekannt war. Die Zeitung hieß (oder heißt?) "Prinz", und trotz des Titels dieser Zeitung handelt es sich dabei nicht um ein Schwulen-Magazin. Für die jüngeren von Euch: Zu der Zeit gab es weder Handys, Smartphones, noch das Internet. Deswegen gab es zwei Möglichkeiten, jemanden kennen zu lernen: Die Mutigen gingen in schwule Kneipen, und pragmatische Angsthasen wie ich haben den Weg der anonymen Zeitungsanzeige gewählt. Aber daß nur mal so am Rande...
In der "Er_sucht_Ihn"-Rubrik war damals alles voll von Adonissen mit Ideal-Maßen - echt ätzend! Ein wenig sauer und frustriert habe ich dann eine Anzeige geschaltet, die, durch den Einfluß meiner damaligen Lieblingsband Guns ´n Roses dann so etwa begonnen hat:
"Gibt es auf dieser fucking World denn nur dünne, schwule Männer? Ich suche hier einen dicken Freund, etc., etc...."
Ihr werdet es Euch nicht vorstellen können, aber die Resonanz auf diese Anzeige war der Wahnsinn! Ich bekam ca. 50 Briefe von Männern, die offensichtlich nur darauf gewartet haben, daß jemand tatsächlich einen dicken, stämmigen Freund sucht - da sich die Bären-Szene zwischenzeitlich etabliert hat, heute eigentlich nicht mehr vorstellbar.
Doch was macht "Bären" für zwischenzeitlich immer mehr Männer so anziehend? Der wohl hauptsächliche Grund dafür, warum ich solche Männer anziehend finde: Mir vermitteln diese Bären ein Gefühl der Geborgenheit, daß ich noch bei keinem anderen Mann bekommen habe. Dabei bin ich wirklich nicht auf der Suche nach einem Ersatz-Papi, noch habe ich einen Mutter-Komplex, bin ein dünner, sog. "Twink", oder habe sonst irgendeinen anderen Dachschaden...ääähhmm...also zumindest mal nicht in die Richtung gehend! Das ich diese Männer körperlich, also sexuell attraktiv finde muß ich wohl nicht weiter erwähnen, doch wenn ich eine Liste mit Gründen machen würde, warum ich so empfinde wie ich empfinde, so würde das Sex-Dingens nicht ganz oben stehen.
Ich bin selber nicht gerade sehr feminin, bekomme mein Leben selbstständig auf die Reihe, und habe mich als Mann in meinem schwulen-unüblichen, von Hetero-Männern dominierten Handwerker-Umfeld etabliert, und behauptet. Ich denke, daß genau deshalb, soz. das voran geschriebene ausgleichend, mir ein bäriger Freund die Möglichkeit bietet, mich auch fallen lassen zu können, schwach zu sein, in der Gewissheit, daß da jemand ist, der in der Lage ist, mich schon auf Grund seiner physischen Präsenz sicher aufzufangen.
Ich möchte nicht neben einem Skelett aufwachen, das nur aus harten Knochen und Muskeln besteht, bei dem man Angst haben muß, das man es kaputt macht, wenn man es mal fester knufft. Ich brauche einen warmen kuschligen, haarigen Körper an meiner Seite, den man richtig drücken, und liebhaben darf.
....ja...das bringt, denke ich, die Sache auf den Punkt...
Und jetzt schaut Euch die Welt mal an, wie sie zwischenzeitlich ist: Getrieben durch eine sich immer schneller drehende Welt, in der nur noch Erfolg, Macht, und Geld etwas zu bedeuten scheint, wird es immer mehr Männer geben, die so empfinden wie ich. Die auch mal eine wirklich starke Schulter brauchen, an der sie sich anlehnen können, und die einem Halt bietet, wenn man mal nicht mehr weiter weiß.
Und eine immer größer werdende Fan-Gemeinde der Bären scheint meine These zu untermauern. Wir gehen kuschligen Zeiten entgegen - welcher dicke Mann hätte sich daß noch vor 20 Jahren träumen lassen....
Foto im Text:
| Ilagam, "Bär" |
Alle Bilder stammen aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de
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